Warum wir uns eben doch reiche Männer suchen müssen

Na, Mädels, habt ihr gerade eine fette Gehaltserhöhung bekommen? Fein. Aber ich hoffe doch, dass ihr jetzt nicht mehr verdient als euer Liebster. Denn dann könnt ihr gleich Schluss machen: Mehr Knete im Portemonnaie zu haben als der Freund oder Mann, ist nämlich einer der Top-Beziehungskiller (behauptet zumindest die superzuverlässige, topinformierte Frauenzeitschrift, die ich letztens beim Friseur studierte).

Zum Equal-Pay-Day habe ich überlegt, ob ich in meinem näheren Umfeld überhaupt eine einzige Frau in einer festen, langjährigen Beziehung kenne, die mehr Geld nach Hause bringt als der Mann. Mir fiel keine ein. Das liegt daran, dass viele in Branchen arbeiten, in denen die Löhne nicht so hoch sind – wie zum Beispiel im sozialen Bereich. Das liegt auch an Teilzeitjobs. Aber über die Gründe will ich gar nicht weiter philosophieren. Fakt ist: Frauen verdienen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer. Noch immer.

Das ist eine Schande. Aber genauso leiden wir darunter, dass es immer noch Männer gibt, die uns Erfolg und ein besseres Auskommen nicht gönnen. Schlimmer: Gerade die, die uns am nächsten stehen, wollen unser berufliches Glück oft nicht teilen. Das ist die noch viel größere Schande – vor allem, weil wir jeden Fliegenschiss, den sie vollbringen, mit „ah“ und „oh“ bestaunen und bewundern sollen. Aber wenn wir vorne sind, wenn wir mal was geschafft haben, dann kippen sie sich noch eben das Glas Sekt – auf den neuen Job, das Stipendium, die Euros mehr in der Tasche – hinter die Binde. Und zischen betreten ab in den Pub. Oder ins Bett.

Besser zu sein, macht uns Frauen leider immer noch einsam. Ich weiß nicht, warum. Sagt es mir, Männer! Sind wir denn so angeberisch? Habt ihr Angst vor unserem Triumph? Habt ihr Angst, die Kontrolle zu verlieren? Wollt ihr immer noch der Versorger sein, der den größten Teil des Einkommens erwirtschaft? Ich dachte, dass wir längst darüber hinweg wären. Mehr zu haben, ist schön für euch, aber für das gemeinsame Glück nicht nötig. Eigentlich ist es doch mit dem Beruf wie mit vielen Dingen im Leben: Mal ist der eine glücklicher, mal der andere. Man leidet miteinander. Man unterstützt sich. Man freut sich füreinander.

Mein Wunsch zum Equal-Pay-Day ist also, dass Männer lässiger und selbstbewusster mit klugen, erfolgreichen und besserverdienenden Frauen umgehen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um die 22-Prozent-Lücke kräftig einzuschrumpfen und gleiche, gute Löhne selbstverständlicher zu machen. Denn wie soll das im Großen – auf dem Arbeitsmarkt – klappen, wenn schon im Kleinen – zuhause – Neid, Missgunst oder Minderwertigkeitsgefühle vor sich hin gären? Das macht mutlos und unterstreicht nur, was wir hier und da schon seit dem Kindergarten eingetrichtert bekommen: Sei höflich und bescheiden. Nur dann wirst du geliebt.

Moderne Umsetzung einer der 7 Todsünden PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY 1036102381 Modernism Implementation a the 7 Deadly sins PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY 1036102381

Also macht euch locker, Kerle. Sonst bleibt mir und dem Rest meiner taffen Single-Freundinnen wirklich nichts anderes übrig, als uns eben doch einen „reicheren“ Freund anzulachen. 😉 Nicht, weil wir unbedingt in Luxus leben müssten. Oder sonst nicht über die Runden kämen. Ganz einfach nur deshalb, weil wir uns dann nicht schlecht fühlen müssten, weil „er“ sich nach unseren Freudenausbrüchen, völlig aus der Bahn geworfen, in der Wallstraße betrinkt oder zum Heulen unter der Bettdecke verkriecht.

Bilder: Imago

 

Mädels, was müsste sich ändern, damit wir endlich genauso viel verdienen wie Männer?