Himmel! Was stimmt nicht mit den Menschen!?

Himmel! Was ist bloß los mit den Menschen? Wo ist ihre Empathie, und wo kommt im Gegenzug all die … Verachtung her?! Wieso stehen Gemecker und Häme in solch einem Ungleichgewicht zu Verständnis oder gar Lob?

Fiese Online-Bewertungen

Ein Phänomen, das mir bislang bereits bekannt war, sind vernichtende Google- oder andere Online-Bewertungen von Restaurantbesuchern.

An einem der letzten Feiertage waren Mirko und ich zum Beispiel erstmals in einem großen Lokal im Stadtnorden. Zum Brunchen. Ganz spontan. Und waren total begeistert.

„Wir empfehlen Sie weiter!“, sagten wir im Anschluss zu den Gastgebern. „Gerne auch auf Google…“, lautete die Antwort. Und wir erfuhren: „Wir hatten eine Kohlfahrt, die lief nicht gut.“ Das Fazit: Obwohl die Gastronomen sich bei den Gästen entschuldigt, sie finanziell entschädigt oder Gutscheine ausgestellt hatten, hagelte es mickrige 1-Punkt-Bewertungen bei Google. Dass all die Monate zuvor so viele Brunch-Besucher zufrieden nach Hause gegangen waren, verlor dagegen völlig an Gewicht. Eben weil sich nur der geringste Teil der zufriedenen Gäste mit einer öffentlichen Bewertung geäußert hatte.

Eindreschen auf am Boden Liegende

Wie gesagt: Das war mir bereits bekannt. Jüngst ließen mich aber zwei andere Erfahrungen in Sachen „Rückmeldungen“ mit Verwunderung zurück.

Zum einen handelte es sich dabei um Facebook-Kommentare auf meinen letzten Blogbeitrag. Ich hatte über meine Bekannte Tanja geschrieben, die frisch getrennt ist und sich nun mit ihrem Ex-Partner die gemeinsame Zeit mit dem Sohn teilen muss. Sie ist jetzt quasi Teilzeit-Alleinerziehende. Dass sie nicht mehr jeden Tag mit ihrem Kind, das sie über alles liebt, zusammen sein kann, hat Tanja ziemlich in die Verzweiflung getrieben. Doch Mitgefühl? Fehlanzeige.

Stattdessen droschen einige (einige! erfreulicherweise nicht alle) der Kommentatoren auf getrennte Mütter ein, die Kinder als Druckmittel benutzen würden und den Vätern die Kinder wegnahmen. „Das ist so ziemlich das Dümmste und Egozentrischste, was ich je gelesen habe!“, kommentierte zum Beispiel einer. Eine andere schien angesichts der Masse ihrer Kommentare fast zu platzen vor Wut über die „Möchtegern-Mutter“ und wünschte allen Vätern viel Kraft.

Hallo?! Ich hatte in einem persönlichen Blogbeitrag über einen am Boden liegenden Menschen aus meinem Umfeld geschrieben – wieso traten andere Menschen jetzt auch noch auf ihn ein? Machten ihn für jeglichen Sorgerechtsstreit verantwortlich, der sich je zwischen einem „armen Vater“ und einer „bösen Mutter“ zugetragen hatte? Wieso projizierten sie ein Feindbild auf einen Menschen, den sie überhaupt nicht kannten?!

Verunglimpfung der Geschädigten

Ebenfalls nicht verstanden habe ich zuletzt einen Kommentar unter einem Text, in dem ein Vater eines dreijährigen Jungen sich über ständige Falschparker auf einem Oldenburger Fußweg geärgert hatte. Denn diese Falschparker zwingen Fußgänger – und eben auch seinen kleinen Sohn – dazu, zum Gehen auf die Straße auszuweichen.

Dass das ärgerlich ist und der Vater insbesondere wegen seines Sohnes in Sorge ist, konnte ich total nachvollziehen. Aber auf Facebook polterte dagegen jemand rum, dass es doch weiß Gott Schlimmeres gäbe. Klar, Whataboutism ist nichts Neues; man lenkt also von einer Sache ab, indem man etwas völlig anderes anprangert. Eine unsachliche Diskussionsstrategie. Aber wieso hackt man zusätzlich auch noch auf den Schreiber ein beziehungsweise verunglimpft gar die geschädigten Menschen, um die es im ursprünglichen Beitrag ging?

Kann mir das jemand erklären?

 

(Bilder: imago/Buck)