Vater-Tochter-Tag mit Tücken

Ich hab’s mal wieder getan. Ich bin umgezogen. Reibungslos ging das nicht über die Bühne. Aber am Ende hat alles geklappt, weil ich die besten Helfer der Welt hatte. Auch Tage nach dem Umzug bekam ich tatkräftige Unterstützung: Mein Freund Bruno schraubte noch mal eben das Bett zusammen, meine Freundin Andrea schleppte den neue Küchentisch hoch und der neue Nachbar lieh mir gegen einen netten Plausch eine Leiter. Wieder stellte ich fest: Hier in Oldenburg gibt es verdammt viele hilfsbereite Leute.

Von den anderen möchte ich gar nicht reden. Weiß schon gar nicht mehr, wer das war. Selbst als Dauersingle kann man gut auf ein paar Pappenheimer verzichten.

Die grobe Arbeit war also schnell getan, jetzt war das Finetuning an der Reihe. Und dafür kam nur einer in Frage, der Profi im Lampen- und Spiegel-Anbringen, der Experte im Ausmessen und Anbohren, der Herr über alle Haken und Schrauben im Werkzeugkeller: Papa himself. Er reiste mit Werkzeugkoffer, einer Riesenkiste mit Streichutensilien und einer Tüte voller Äpfel aus dem Garten an, mitsamt Würmern.

Bildnummer: 53604993 Datum: 26.07.2008 Copyright: imago/Norbert Schmidt CPD-Modemesse Igedo in Düsseldorf am 26.07.2008. Zum Aufbau eines Messestands benötigt man eine große Werkzeugkiste. Mode Messe Fachmesse kbdig xsk 2008 quer premiumd Messe,Mode,Puppen,Handwerker,Werkzeug,Kiste Bildnummer 53604993 Date 26 07 2008 Copyright Imago Norbert Schmidt CPD Fashion Fair IGEDO in Dusseldorf at 26 07 2008 to Construction a Booth required Man a Size Toolbox Fashion trade Fair Trade fair Kbdig xSK 2008 horizontal premiumd trade Fair Fashion Dolls Craftsmen Tool Chest

Tag 1 verlief so: Wir machten einen Plan. Dann verbrachten wir den ganzen Nachmittag im Baumarkt. Papa fand’s toll: „Wie viele interessante Dinge es hier gibt! Was man noch alles machen könnte.“ Ich fand’s so mittel und interviewte aus Versehen einen kompetent aussehenden Typen ausführlich zum Thema Lüsterklemmen. Ich dachte, er würde zum Baumarkt gehören – er hatte aber lediglich eine ähnlich grüne Latzhose wie all die anderen Baumarkt-Experten an. Zwischen Einkauf und Essen beim Griechen brachten wir (also Papa) noch die Garderobe im Flur an – ein Riesenfortschritt. Immerhin setzten wir der Jacken-, Mantel- und Mützenflut damit ein Ende. Nach zwei Ouzo und einem schweren Essen plauderten wir noch ein bisschen. Und gingen viel zu spät ins Bett.

Tag 2 lief darum etwas schleppend an. Nach dem Frühstück klebten wir die Küche ab. Dann kam der Moment, in dem ich froh war, nicht einfach zum Pinsel gegriffen zu haben. „Wir streichen zuerst die Decke“, sagte Papa. „Oben anfangen.“ Darauf wäre ich allein nie gekommen. Ich hätte mit der Wand angefangen, an der das hässlichste Ockergelb prangte, ganz nach dem Motto: zuerst weg mit den Schandflecken. Aber es machte natürlich viel mehr Sinn! Anderes war nicht ganz so gut geplant. Die Farbrolle war alt und so kurz, dass man auf einer Leiter fast unter der Decke kleben musste, um diese zu streichen. „Ach, dann fahr ich eben noch mal zum Baumarkt!“, sagte ich. So würde ich auch nicht weiter unnütz herumstehen. Ich kaufte eine Teleskop-Farbroller, die meinen Vater in Entzücken versetzte: „Genau sowas brauchen wir!“ Und dann noch höhenverstellbar. Er realisierte, dass seine Erziehung nicht vergeblich gewesen war.

Young man painting new apartment model released property released PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY LAF000436 Young Man Painting New Apartment Model released Property released PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY LAF000436

Zwischendurch durfte ich dieses Wunderwerk der Malertechnik auch mal ausprobieren. Aber nur unter strenger Aufsicht. Als wir fertig waren, konnten wir auch die Küchenzeile wieder enthüllen, um unsere heiß ersehnte Mittagspizza warmzumachen. Es war wie früher, wenn Mama arbeiten musste und es deswegen Fast Food zu Hause gab. Herrlich! Nach unserem Snack war der Spiegel im Badezimmer dran. Kurioserweise hatte sich einer von zwei Haken beim Umzug in Luft aufgelöst. „Weiß auch nicht, wo der hin ist. Da können wir lange suchen.“ Also fuhr ich noch mal zu meinen Freunden im Baumarkt. Papa machte sich an der Schlafzimmerlampe zu schaffen, die irgendwie noch nicht richtig hing. Als ich zurückkam, triumphierte er: „Du glaubst gar nicht, was ich gefunden habe! Den Weg hättest du dir sparen können!“ Es war der Haken vom Bad-Spiegel. Einer der Umzugshelfer hatte ausgerechnet diesen Haken für die Lampe verbaut. „Es findet sich eben alles wieder“, meinte Papa. Wir werkelten noch bis in den Abend hinein – Lampen, Spiegel, zu allem Überfluss noch das erste Bild.

An dem Punkt hatten wir beide echten Heimwerker-Ehrgeiz entwickelt, gleichzeitig begannen die Nerven blank zu liegen. Das Bild fiel aus dem Rahmen, weil der beim Umzug in Mitleidenschaft gezogen worden war. Ich wollte es reparieren, Papa auch. Er wusste, wie es geht. Ich wusste es besser. „Lass mich doch einmal was alleine machen!“, fauchte ich. Die Furie in mir war erwacht und tobte sich an dem kaputten Bild aus. Papa war beleidigt, ich köchelte. Aber nur für drei Minuten, dann machten wir weiter, im Sinne der Wohnung. Schließlich war es halb zehn und wir konnten nicht mehr. Furchtbar anstrengend war’s.

Aber als Papa wieder fuhr, war ich schon etwas traurig, so nervenaufreibend es auch war. Es ist doch schön, wenn die Eltern weiter für einen da sind – und da einspringen, wo’s brennt oder etwas schneller gehen könnte. Auch wenn man längst ein großes Mädchen ist.

Woman sitting with umbrella on white horse model released Symbolfoto PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY KLRF000472 Woman Sitting With Umbrella ON White Horse Model released Symbolic image PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY KLRF000472

Bilder: Imago