Denn sie wollen nur spielen – Das Schlamassel mit den frisch Getrennten

Von einem Dilemma ins nächste: Bestens hatte ich mich nach anfänglichen Bedenken damit arrangiert, meinen Ex und seine Neue auf einer Babyparty zu treffen. Doch dann kam der nächste Hammer: Antons „Neue“ Dani erzählte mir, dass sie schon wieder im Begriff war, ihn abzusägen. Dass er so gut wie Geschichte sei.

Ich fand mich in einer Zwickmühle wieder: Sollte ich mich einmischen und ihm sagen, dass sie hinter seinem Rücken fieserweise vom Schlussmachen sprach – und das auch noch gegenüber seiner Ex?

Der Übergangslover

Eines war mir völlig klar: Anton war Danis Übergangslover. Sie war erst kurz getrennt, er schon etwas länger. Sie suchte wen zum Ablenken, er eine neue Beziehung. Unterschiedliche Interessen, die nicht zusammenpassen. So sehr ich mich auch damals mal über ihn geärgert hatte (ja, warum eigentlich?), tat er mir doch leid.

Es gibt zwei Trennungstypen: diejenigen, die nach einer längeren Beziehung erst mal allein sind, und diejenigen, die sich kopfüber in neue Abenteuer stürzen. Letztere sind eine Plage – zumindest für Menschen wie meine Freundin Lisa, die jahrelang auf der Suche war, bevor sie ihren Kalle kennenlernte. Immer wieder lernte sie ausgerechnet die Typen kennen, die gerade erst getrennt waren, und fragte sich: Warum klappt das nie mit denen?

Lisas Frust und Enttäuschung wurden immer größer, bis es ihr dann wie Schuppen von den Augen fiel: Sie sah ein Foto der Ex-Freundin von Ulf, einer der letzten Kerle, mit denen sie sich vor Kalle traf. Sie war entsetzt: Die Ex von diesem Ulf sah genauso aus wie sie! Da wurde ihr mit einem Mal klar: Sie war nur der billige Ersatz für seine vorherige Freundin. Anders konnte es gar nicht sein.

Diesmal ergriff sie rechtzeitig die Flucht, bevor sie ein weiteres Mal abserviert worden wäre. Sie schwor sich, in Zukunft die Pfoten von Männern zu lassen, die nicht seit mindestens einem halben Jahr Single sind.

Was suchten die Typen bei ihr? Trost, Ablenkung, Zweisamkeit. Weil Lisa ein herzlicher und unkomplizierter Typ ist, war sie offenbar das gefundene Fressen für diese Bruchpiloten. Die wollten nur spielen. Sie nutzten schamlos aus, dass sie es ernst meinte. Jedesmal. Sie genossen das vergnügliche Zusammensein mit ihr, suhlten sich ohne Wimpernzucken in ihrer Großzügigkeit, badeten in ihrem Humor und sonnten sich in ihrer Fröhlichkeit. Ja, es ging auch ums Image: Sie konnten es nicht haben, allein zu sein, vor allem nicht vor ihren besten Kumpels oder gar der Verflossenen.

Der Angeber

Wenn sie mit Lisa auf Partys gingen oder in Kurzurlaube mit den Kumpels fuhren, gaben sie gerne mit ihr an. Aber es ging ihnen nie um Lisa als Person.

Sobald Lisa von gemeinsamen Reisen, Kennenlernen ihrer Freunde oder gar von Liebe sprach, waren diese Typen weg. Sie hatten sie ausgesaugt, hatten ihren Mut und ihren Optimismus benutzt, damit es ihnen besser ging. Dann ließen sie Lisa schnell wieder fallen. Allesamt waren sie arme Würstchen, selbst ungeheuer verletzt und daher unberechenbar. Der ein oder andere hatte sogar vorgegaukelt, schon länger als nur ein paar Wochen oder Monate getrennt zu sein, um für eine Zeit des Übergangs an Lisas Schokoladenseite fristen zu dürfen. Sie hatte ihnen geglaubt.

Einmischen – ja oder nein?

Hätte es ihr geholfen, wenn sie die Wahrheit früher erfahren hätte? Bestimmt. Darum wählte ich Antons Nummer. Im nächsten Moment aber wusste ich, dass es eindeutig die falsche Entscheidung gewesen war: „Was willst du denn?“, brüllte Anton am anderen Ende der Leitung. „Reicht es nicht, dass wir uns auf Partys begegnen und du auch noch mit meiner neuen Freundin herumalbern musst? Es ist was Ernstes mit Dani! Lass mich endlich in Ruhe!“ Er legte auf.

Und ich schwor mir, mich nie, nie wieder in die Liebes-Angelegenheiten anderer Menschen einzumischen.

 

Bilder: Imago