Wir hart arbeitenden Führungskräfte

„…ja, aber da hatte ich schon viel Glück, das muss ich zugeben!“

Wie bitte? Halb empört gucke ich Maja an. Wir lümmeln gemütlich mit Schinken-Champignon-Pizza in meinem fast-schon-nicht-mehr-ganz-so-chaotischen neuen Wohnzimmer rum. Eben hat sie mir erzählt, dass sie zum 1. Juni in ihrer Firma zur Abteilungsleiterin aufsteigen wird. „Wow, klasse gemacht!! Herzlichen Glückwunsch!“, jubele ich überschwänglich. Doch Maja grinst nur halb verschämt und spricht jetzt von „Glück“. Sie habe schließlich nur einen Hauptschulabschluss, sei einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und blablabla.

„So etwas würde einem Mann nie passieren. Egal, wie drittklassig sein Beruf ist, bei ihm hört es sich immer so an, als sei er kurz vor dem Nobelpreis.“ (Quelle: www.brigitte.de)

„Maja!“ Fast möchte ich sie rütteln, damit sie aufhört. Tiefstapeln und an den eigenen Fähigkeiten zweifeln – das können Frauen leider oft allzu gut. Aber warum, verdammt noch mal?

Die Psychologin und Trainerin Barbara Frien aus Dortmund sieht eine entsprechende Prägung schon in der Kindheit verankert. „Das hat viel mit Erziehung zu tun“, sagt sie. „Mädchen werden anders erzogen und bei Erfolgen eher mal geblockt.“ Den Satz „Eigenlob stinkt“ hören mehr Mädchen als Jungs. „Wenn sich dagegen ein Junge darstellt, bekommt er Anerkennung“, sagt Frien. (Quelle: www.rundschau-online.de)

„Ja, du warst auf der Hauptschule – aber du hast immer super Noten geschrieben, dein Bestes gegeben und dich nie auf die falsche Bahn locken lassen“, versuche ich Maja ihre eigene Leistung vor Augen zu halten, „und jetzt bist du da, wo andere vielleicht erst mit 50 stehen!“ Sicher – da stimme ich mit Maja dann wieder überein – wir hatten beide eine tolle, unbeschwerte Kindheit, liebe Eltern und gute Lehrer. Uns mangelte es nie an essenziellen Dingen, die man zum Leben braucht. Dafür sind wir beide dankbar. Das heißt aber noch lange nicht, dass uns alles, was wir erreicht haben, zugefallen ist! Und schließlich stammen auch nicht alle Männer, die es auf der Karriereleiter weit gebracht haben, aus der Gosse.

Wovor haben Frauen Angst?

Sie haben nicht im Kopf, dass es auch Interesse zeigt, wenn ein Mann fragt. Stattdessen fühlen sie sich unter Druck gesetzt und haben Angst, dass sie bei Nachfragen etwas nicht wissen könnten. Frauen sind zu perfektionistisch, erwarten von sich, alles wissen zu müssen. Gleichzeitig haben sie Angst davor, womöglich ihre Kompetenz unter Beweis stellen zu müssen. Eine Frau fürchtet, dass wenn sie sagt ‚Ich bin Expertin für dieses Gebiet‘, womöglich jemand kommt, der sagt ‚du hast doch behauptet, du bist Expertin‘, und das heißt dann, sie muss für alle Fragen, die mit diesem Thema zusammenhängen, eine Antwort wissen. Deshalb „darf“ sie also nicht sagen, sie sei Expertin. Frauen stapeln lieber tief, damit sie ja kein Versprechen geben müssen, das sie hinterher nicht halten können. (Quelle: www.brigitte.de)

„Na gut, Frau Abteilungsleiterin in spe“, sage ich, „die Pizza wird kalt.“

„Okay.“ Maja lacht. „Pizza und Bier. Die perfekte Mischung für hart arbeitende Führungskräfte wie mich!“

 

Bonnys Appell an die Frauen: Lasst das wilde Tier endlich toben!

(Bilder: imago)