Stalken auf Facebook – oder: Warum streuen Frauen sich Salz in die Wunde?

 

„Leif-Justin hat ein neues Profilbild“
Dahinter das Symbol vom Affen, der sich die Hände vor die Augen hält.
Eine WhatsApp-Nachricht von Natti, einer meiner liebsten Freundinnen.

 

 

Leif-Justin ist ihr… naja, nicht direkt Ex-Freund, aber irgendwie sowas in der Richtung. Ihr wisst schon. Die beiden hatten ein halbes Jahr was miteinander, Natti dachte, das sei was Ernstes – bis sich herausstellte, dass Leif-Justin ein sozialer Vollpfosten mit dem IQ eines Toastbrots ist. Okay, das ist meine eigene Interpretation der Dinge, ehrlich gesagt hab’ ich den Kerl nie persönlich kennengelernt, aber nachdem sich Natti zwei-, dreimal bei mir ausgeheult hatte, hat mir das gereicht, um eine vollständige Persönlichkeitsanalyse dieses Typen zu erstellen – und dann heißt er ja auch noch „Leif-Justin“!

Im Grunde hätte Natti (die eigentlich Natalie heißt) allein dieser unsägliche Name eine Warnung sein müssen. Aber das werfe ich ihr natürlich nicht vor. So sind verliebte Frauen nun mal. Kennt ihr selber, oder?

Jedenfalls hatte sie unzählige AUA!-Erlebnisse wegen Leif, was ihren Gefühlen für ihn aber – leider – anscheinend keinen Abbruch tat. Offensichtlich hat Leif nun seit wenigen Wochen was mit einer anderen am laufen (AUA!), und mit ihr soll es Natti zufolge nun sogar was Ernsteres sein (AUA-AUA!).

Nattis intensiven Facebook-Recherchen zufolge soll die Neue Ludmilla Kalinowsky heißen… *hüstel*. Eigentlich hatte ich Natti Facebook-Stalkerverbot erteilt, bis ihre Wunden verheilt sind, aber natürlich hat sie sich nicht dran gehalten. Zum Glück wohnt der Typ nicht in Oldenburg, sondern etwas außerhalb. Am Wochenende tummeln er und seine ganze Bagage sich allerdings leider regelmäßig hier rum – Natti weiß das, und tummelt sich dann blöderweise ebenfalls an den einschlägig bekannten Stellen rum. Streut sich quasi mit voller Absicht selbst Salz in die Wunde.

Ich schließe Nattis Nachricht und öffne Facebook. Leif-Justin wird mir im Suchfeld als Drittletzter meiner vergangenen Suchen angezeigt.

Uuuuh, das kleine Vorschaubild lässt schon einiges erahnen. Ich tippe das Profil an, seufze und schüttle den Kopf. Unfassbar, dass dieser – Pardon – Arsch mit (Segel-)Ohren meiner lieben, süßen Natti so weh getan hat und (ohne sein Wissen) noch tut!! Das Schlimmste an dem Bild ist aber ausnahmsweise mal nicht der Typ an sich. Auch nicht, dass er in seinem neuen weißen Protzer-Auto sitzt und dämlich in die Kamera grinst. Das Schlimmste ist, dass Ludmilla neben ihm auf dem Beifahrersitz posiert, und die beiden ihre Hände auf den Schalthebel zwischen sich gelegt haben. Übereinander. Bääääh.

 

 

Bevor ich Facebook wieder schließe, um Natti zu schreiben, öffne ich schnell noch mal das Facebook-Suchfenster.
Nur mal eben checken, was mein Ex Florian so treibt was recherchieren…

 

Bilder: dpa, privat

  • Fred

    Im Gehirn ist Liebe, bzw. eine Trennung, ähnlich einer Sucht oder eines Entzugs.
    Liebeskummer wird durch ‚kalten Entzug‘ in den meisten Fällen schneller verarbeitet. Soziales Stalking ist da natürlich das Gegenteil.
    Facebook-Stalkverbot funktioniert natürlich nur wenn man sich ein paar Tage völlig von FB zurückzieht. Soll heißen: Am besten ein Kurzurlaub ohne Smartphone und PC. Danach viele Aktivitäten mit Freunden um nicht in alte Muster zu fallen. Langeweile ist verboten.
    (Ein Ex-Raucher hält sich ja auch nicht in einer Zigarrenlounge auf.)

    • Claudia

      Da stimme ich dir absolut zu! …wobei Frauen meiner Erfahrung nach dieser „kalte Entzug“ schwerer fällt als Männern. Ich hab da neulich diese tolle Doku auf Arte gesehen, „Sleepless in New York“ (http://www.arte.tv/guide/de/047628-000/sleepless-in-new-york); die Anthropologin, die dort zu Wort kam, hat es – wie du – als Sucht bzw. Entzug formuliert.

      • Fred

        Nee, ich glaube nicht, dass es einen auf dem Geschlecht basierenden Unterschied gibt (lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen). Es hängt eher am Charakter.
        Vielleicht ‚lernen‘ Männer eher ihre Situation zu überspielen. Wobei auch genug Männer nicht loslassen können.