Wiedersehen mit einer Sommer-Romanze

Wuuuuhuuuu! Geschafft!! Alle Möbel und tonnenweise Krimskrams haben den beschwerlichen Weg von meiner alten in die neue Wohnung – oder in den Müll – gefunden! Danke an all meine lieben Helfer. 🙂

Stellt mal bitte jemand den Regen ab?!

Blöderweise war es recht regnerisch am Umzugstag. Aber half ja nix. Am nächsten Tag fing mein Hals an zu schmerzen, nerviger Husten gesellte sich dazu. Mit dickem Hals raffte ich mich auf, um die nächste Apotheke an meinem neuen Wohnort aufzusuchen. Alle drei Apotheker waren gerade im Kundengespräch. Geduldig setzte ich mich auf eine Bank, wartete und sah mich um. Eine weitere Frau kam herein, zog eine Schnute angesichts des vollen Ladens. „Wollen Sie sich setzen?“, fragte ich. „Ja, muss ich!“, sagte sie und nahm Platz. Flugs begann sie einen lästernden Smalltalk, warum es hier in der Gegend nur diese eine Apotheke gebe, die sie nicht mal gut zu Fuß erreichen könne. In diesem Moment erstarrte ich. Ich hatte einen der Apotheker erkannt, der zuvor von seinem Kunden verdeckt worden war. Das war Tom. Keine Frage, jetzt nahm ich auch deutlich seine Stimme in dem ganzen Stimmengewirr wahr.

Lang ist’s her…

Tom. Meine Sommer-Romanze 2012. Damals arbeitete er noch in einer Apotheke außerhalb der Stadtgrenze, wollte aber schon immer gern in Oldenburg arbeiten. Kennengelernt hatten wir uns bei einer Party meiner einstigen Mädels-WG. Ein wirklich toller, aufmerksamer, humorvoller Mann, den ich ins Herz geschlossen hatte. Es war ein schöner, beschwingter Sommer, in dem wir viel rumalberten, sodass ich oft Muskelkater vom Lachen hatte. Allerdings hatte ich mich damals noch nicht vollständig von meinem Ex-Freund Florian gelöst; und als dieser dann plötzlich wieder bei mir anklopfte, servierte ich Tom für ihn ab. Nicht dass ich denke, es wäre auf Dauer mit Tom und mir gut gegangen. Manches ist einfach nicht für die Ewigkeit geschaffen, so schön es für den Moment auch sein mag. Trotzdem schmerzte dieser Abschied. Seitdem hatten wir fast nichts mehr voneinander gehört oder gesehen. Nur, dass er recht bald eine andere Frau kennengelernt hatte, hatte ich mitbekommen.

Und nun stand er plötzlich da in seinem adretten weißen Apothekermäntelchen, lächelte seinen Kunden nett an, während ich in meiner Umzugs-Maler-Kluft – verwaschene Jeans mit Farbflecken und Kapuzenpulli – und mit vom Wind zersauselter Löwenmähne nun wahrlich kein Augenschmaus war. Ihn jetzt auch noch nach schleimlösenden Mitteln bei Husten fragen? Auf gar keinen Fall! Ich wollte nicht, dass sich über unsere romantisierten Erinnerungen dieser Moment legte, in dem ich mich so jämmerlich fühlte.

Gebannt blickte ich zur Apothekerin ganz links, die sich von dem älteren Herrn gerade eigentlich schon verabschiedet hatte. „Die müssen immer ihren ganzen Lebenslauf erzählen“, stöhnte die Frau neben mir auf, die das Szenario links am Verkaufstresen ebenfalls beobachtete. Ich nickte. Ich war bereits aufgestanden und riss mich selbst zusammen, nicht in Richtung des älteren Kunden loszustürmen und ihn vom Tresen wegzureißen. Mittlerweile schien sich auch die Unterhaltung zwischen Tom und seinem Kunden dem Ende zu nähern… Aaaargh! Alter Mann, sieh zu, dass du Land gewinnst!

Nein, ich war wirklich nicht besonders cool.

Aber endlich war der alte Mann weg, ich hechtete zur Apothekerin. Die andere Kundin ließ sich wenige Sekunden später von Tom beraten.

Nach ein paar Minuten war ich die einzig noch verbliebene Kundin im Laden. Nachdem mich die nette Apothekerin mit Hustensaft & Co. versorgt hatte, verabschiedete ich mich. Als ich mich umdrehte, sahen Tom und sein Kollege mich an. Ich lächelte beide an, sagte „tschüss“ und lief an ihnen vorbei. „Tschüss!“ Tom grinste leicht spitzbübisch. Ich grinste zurück.

Und damit war auch alles gesagt.

Bilder: imago/dpa