Hilfe, meine Erzfeindin ist schwanger

Eine schwangere Frau mit Gemüse und Salat in ihrer Küche.

„Da scrollt man nichts Böses ahnend durch Facebook, und dann wird man einfach so von ’ner Schwangerschaft attackiert!“ Ich seufze und reiche Maja die Schokokeks-Packung: „Hier, du brauchst eindeutig Glückshormone.“

Geknickt sitzt Maja auf dem Sofa und schüttet mir ihr Herz aus. Einen Tag zuvor hatte sie bei Facebook einen Beitrag ihrer „frenemy“ Tiffany gesehen. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Schulkameradin, die halb „friend“ (Freundin), halb „enemy“ (Feindin) ist. Aus genau diesem Grund hatte ich Tiffany damals nicht zu Majas Junggesellinnenabschied eingeladen. Da Tiffany und ihr Freund aber nun mal zum jahrelangen Freundeskreis von Maja und ihrem Mann Henning gehören, lässt sich der Kontakt nicht gänzlich meiden.

Und eben diese „Freundfeindin“ hat nun ein Bild von sich gepostet, auf dem sie mit Gemüse und so gesundem Zeugs zu sehen ist. Zusammen mit dem Text („Ich muss ja jetzt noch mehr auf meine Ernährung achten…“-blabla) besteht kein Zweifel daran, dass sie schwanger ist. Majas Gedanken kreisen nun hauptsächlich um folgende Aspekte:

  1. Wieso sie und nicht ich???
  2. Wie kann man sowas denn auf Facebook posten?!
  3. Und wie reagiert man dann auf sowas?! Mit einem „Gefällt mir“?!
  4. Dann is ja klar, um was es auf den nächsten Geburtstagen und sonstigen Treffen gehen wird…
  5. Wieso werde ICH nicht schwanger?

Seit ihrer Hochzeit wünschen sich Maja und Henning Nachwuchs. Aber … es will einfach nicht klappen. Das allein war und ist schon schlimm genug für Maja. Dass um sie herum aber plötzlich „alle“ (jaja, Frauen, die sich vom Schicksal unfair behandelt fühlen, neigen gelegentlich zum Übertreiben) schwanger werden, pikst sie direkt in die Wunde. Und jetzt auch noch Tiffany. Die „frenemy“.

Einen fairen Wettkampf? Den gibt es im Leben nicht unbedingt.

 

„Immer, wenn mir wieder eine meiner Freundinnen oder ein Freund freudestrahlend eröffnete, dass sie/er Mutter/Vater wird, krampfte sich etwas in mir zusammen. Ich wusste, jetzt kommt wieder der Satz: „Und Ihr? Wollt Ihr keine Kinder?“ Es war furchtbar. Wir waren seit über einem Jahr in reproduktionsmedizinischer Behandlung und ich schämte mich fast ein wenig dafür. Das, was bei allen das Normalste von der Welt war, dafür brauchten wir Hilfe! Wir wollten auf keinen Fall, dass unsere Freunde und Familien wussten, dass unsere Sexualität quasi ausgelagert wurde. Dass unser Kind evtl. in der Petrischale gezeugt worden wäre. Mir war das alles irgendwie zu intim.“

(Quelle: www.ungewolltkinderlos.de)

Ich persönlich muss ja nicht unbedingt Babys in die Welt setzen. Aber für Maja und Henning stand der Kinderwunsch schon seit jeher fest.

„Ist es so für dich eigentlich schlimmer, als wenn eine x-beliebige Person, die du nicht leiden kannst, schwanger wäre?“ Maja überlegt. „Hmmmm… Ja, ich glaub‘ schon. X-beliebige Personen, die ich nicht leiden kann, mit denen hab‘ ich ja in der Regel nix zu tun, und laufe ihnen auch so gut wie nie über den Weg. Aber Tiffany … die seh ich zwangsläufig halt immer wieder.“ Und seitdem Tiffany Maja vor einigen Jahren mal als einstige Freundin sehr enttäuscht hat, ist sie bei Maja nun mal unten durch. Sie wünscht ihr natürlich um Gottes Willen nichts Schlechtes. „Sie wird auch bestimmt ne gute Mutter sein“, meint Maja nun, schon etwas milder gestimmt.

„Aber … warum sie und ich nicht?“

„Auf einmal war ich allein. Ich fühlte mich einsam und im Stich gelassen. Ich haderte mit meinem Schicksal. Ein Gefühl, was ich bisher nicht so kannte, nahm Besitz von mir: NEID. Ich war neidisch auf all meine Freundinnen, die so einfach ein Baby nach dem anderen gebären konnten. Empfand es als ungerecht, dass ich mir so viele Gedanken über mein Leben machen musste und sie nicht.“

(Quelle: www.ungewolltkinderlos.de)

 

(Bilder: imago)