Lasst diese Frauen ihr Leben leben!

Frohes neues Jahr, ihr Lieben! Was sind eure Pläne für 2017? Ich selbst werde umziehen, will reisen, im Lotto gewinnen (aber trotzdem weiter arbeiten) und hoffe auf viele heitere Stunden mit Mirko, meiner Familie und meinen Freunden.

Wünsche eines ganz anderen Kalibers haben dagegen saudische Frauen, auf deren Musikvideo ich heute bei Facebook gestoßen bin: Sie fordern die Gleichberechtigung. Obwohl sie ihre Botschaft in bunte Farben hüllen, zu einem hippen Beat singen und die Macht der Männer ins Lächerliche ziehen, habe ich am Ende einen Kloß im Hals.

 

SaudiWomenDemandTheEndOfGuardianship

Unter dem Hashtag #SaudiWomenDemandtheEndofGuardianship versuchen sowohl Frauen als auch Männer, den Stein ins Rollen zu bringen. Den Frauen endlich jenes Leben zu ermöglich, das diese sich sehnlichst wünschen. Twitter-Nutzerin hanoya_3 hat zum Beispiel geschrieben: Ich möchte ein vollwertiger Bürger sein, nicht der Besitz eines Mannes.

 

Autofahren, alleine zum Arzt gehen oder alleine verreisen – eine Realität, in der solche Dinge schwanzabhängig* geschlechtsspezifisch sein sollen, ist so unendlich weit entfernt von meiner eigenen Realität. (*Eigentlich sollte man es so vulgär ausdrücken, denn es IST ekelerregend und unterhalb der Gürtellinie, dass es diesen Frauen genommen wird, ihr Leben eigenmächtig zu leben!)


Nasema33 twittert, ebenfalls unter dem oben genannten Hashtag und mit dem Hashtag #Driveacar: Ich brauche jetzt einen Fahrer! Und ich will eine Entschädigung für all die Verluste, die ich hätte vermeiden können, wenn ich hätte Auto fahren dürfen.

Denn ist gerade kein männlicher Angehöriger da, der eine Frau fahren kann, muss sie halt zu Hause bleiben.

Meine Erlebnisse in Dubai

Ich selbst war vor etwa zehn Jahren in Dubai und fand bereits den Anblick befremdlich, wenn eine vollverschleierte Frau einige Meter hinter ihrem flanierenden Mann in einer Mall herläuft. In Erinnerung geblieben ist mir außerdem eine Gruppe junger Mädchen. Ihr Alter konnte ich sehr schwer schätzen, schließlich waren sie alle komplett schwarz verhüllt. Vielleicht zwischen 15 und 18 Jahren. Als wir gleichzeitig die Toiletten aufsuchten (der hinter einer kleinen Mauer liegende Eingang zu den Frauentoiletten war etwa zehn Meter weiter den Flur runter als der Eingang zu den Herrentoiletten), stellte ich fest, dass diese Mädels genau so plauderten und giggelten, wie ich es mit meinen Freundinnen tat. Sie legten vor den Spiegeln neuen, knallroten Lippenstift auf, an ihren Füßen blitzten die hippsten Röhrenjeans unter dem schwarzen Stoff hervor. Ich weiß nicht, was sie gesagt (oder wirklich gedacht) hätten, wenn ich sie gefragt hätte: „Wäret ihr lieber ohne den Schleier unterwegs?“

Ohnehin habe ich mich gar nicht erst getraut, diese Mädels anzusprechen – aus Angst davor, eine der Gepflogenheiten dieses Landes zu missachten. „Will man hier zum Beispiel eine Frau fotografieren, muss man ihren Mann fragen, ob man das darf“, hatte mir eine in Dubai lebende Freundin verraten. Als ich in einem Geschäft mal meine Digitalkamera rausnahm, kam sofort eine Security auf mich zu und forderte mich ziemlich bestimmt dazu auf, sie wieder einzustecken. Was ich natürlich auch tat, ich hatte mich ziemlich über den Rüffel erschrocken.

Für mich war dieser Dubai-Aufenthalt letztlich nur ein Ausflug in eine fremde, männerdominierte Welt, der mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Für diese Frauen dagegen ist diese Welt das Leben, über das sie selbst nicht verfügen dürfen.


Auf dem Facebook-Profil von AJ+ gibt es einen Beitrag über das Musikvideo, in dem die Liedzeilen ins Englische übersetzt werden:


(Bild: Screenshot Youtube)