„Hallo Chef, hab‘ diesen Schwabbel heute kontaktiert…“

Echt jetzt?! Mir klappt die Kinnlade runter, als ich diesen Tweet einer jungen Frau, die eigenen Angaben zufolge „keine Größe 34“ trägt, sehe:


Es gibt so vieles dazu zu sagen.

1. Das Elementarste ist: Einen Menschen – egal ob Mann oder Frau – als „schwabbel“ zu bezeichnen, ist respekt- und niveaulos, es ist einfach nur dumm und beleidigend.

2. Geradezu abartig ist die Tatsache, dass sich das Ganze im Berufsleben ereignet hat. Es ist das Eine, wenn einem irgendein Fremder aus welchem Grund auch immer aus heiterem Himmel eine Beleidigung an den Kopf wirft. Man könnte in jenem Fall zurückpöbeln oder das Ganze einfach ignorieren; schließlich kennt die andere Person einen nicht, ihre Meinung spielt keine Rolle. Aber auf einen Arbeitsplatz, und somit auf jene Menschen, die einen solchen zu vergeben haben, ist man angewiesen. Aber die komplette Bewerbung einer jungen Frau fasst so ein Dummbeutel mit einem „ist wohl n schwabbel“ zusammen, na schönen Dank auch.

3. Was mich letztlich auch an diesem Mitarbeiter ankotzt, ist die Selbstgefälligkeit. Sein Kommentar beginnt schließlich mit einem „Guck mal, Chef, was ich heute Feines gemacht habe! Ich habe auf eigene Initiative hin mal eben eine potenzielle Mitarbeiterin angeheuert (dafür habe ich mir ein Leckerli verdient!)“

Seine defizitäre Groß- und Kleinschreibung setzt seiner Großkotzigkeit noch die Krone auf. Mit dem Niedermachen der Frau versucht er sich selbst locker-lässig nach oben zu schwingen.

Als „Moustache.!“ auf die Mail geantwortet hat, folgte offensichtlich umgehend eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch (ebenfalls mit Rechtschreibfehlern). Ob man den Worten bezüglich der Optik Glauben schenken kann…?

Die junge Frau schreibt außerdem:


Leider ist kaum davon auszugehen, dass dieser Vorfall nur ein Einzelfall ist. In diesem einen Fall ist der Typ halt nur mit der Verteilerliste durcheinander gekommen.

Ich muss an einen Vortrag denken, bei dem ich mal war: Der Referent erklärte, wie man sich insbesondere Namen von Personen besser merken kann. An der Person selbst sollte man sich dafür ein auffallendes Merkmal suchen, und das sind klassischerweise natürlich Merkmale wie eine Glatze, eine große Nase – oder, wer weiß, vielleicht auch „Schwabbel“. Paradoxerweise schnappt man sich also womöglich eine Hilfestellung, die für das Gegenüber ziemlich beleidigend wirken könnte, um sich gerade aus Respekt den Namen einer Person besser einprägen zu können. Natürlich teilt man dieses Hilfsmerkmal aber nicht mit anderen Personen. Schon gar nicht kommuniziert man es als „Zusammenfassung“ einer Person.

 

Bilder: imago