Prinzessin mit Bohrmaschine sucht echte Männer

Also, Mädels. Natürlich ist es unpraktisch, Single-Frau zu sein und schwere Sachen hoch in die Wohnung schleppen zu müssen.

Und noch vor wenigen Jahren hätte ich es ebenfalls ziemlich blöd gefunden, wenn du das hochgeschleppte Ding eines schwedischen Möbelherstellers dann auch noch alleine aufbauen musst, vor allem, wenn das Prinzip „Selbst ist die Frau“ so…äh, individuell endet wie hier bei Martina Hill:

Und außerdem ist vorne in den Aufbau-Anleitungen das einzelne, traurig guckende Männchen immer durchgekreuzt, während das Bild daneben von den zwei Männchen mit dem Möbelstück von Fröhlichkeit zeugt.

Ikeamännchen

Aaaaaaber: Dank Florian, meines werten Herrn Ex-Freundes, der in der Regel entweder
a) aus beruflichen oder fußballerischen Gründen keine Zeit hatte, um mir bei irgendwas zu helfen, oder
b) noch mehr Prinzessin war als ich, wenn es darum ging, mit Dübel, Schraube und „echtem Männer-Werkzeug“ zu hantieren,
habe ich gelernt, den Bohrer selbst in die Hand zu nehmen! Meine Ungeduld und die präzise Anleitung meiner ehemaligen WG-Mitbewohnerin („Du bohrst mit dem Aufsatz ein Loch in die Wand, an dem die gleiche Größe draufsteht wie auf dem Dübel, den du anbringen willst, dann steckst du da den Dübel rein“) reichten mir, um größere Bilder, Wandregale, später sogar meinen großen, schweren (jaaa, Prinzessinnen-)Spiegel selbst anzubringen. Mensch, war ich stolz auf mich.
Außerdem konnten mir die Männer jetzt nichts mehr vormachen. Ich war nicht mehr dazu gezwungen, ihnen andächtig und bewundernd (das haben Männer ja irgendwie immer gern, nicht wahr?) bei ihrer Arbeit mit dem Bohrer zuzusehen.

Und Florian habe ich innerlich heimlich ein bisschen ausgelacht. Hihi.

Mal ehrlich, Mädels: Ihr wollt doch auch lieber einen echten Mann an eurer Seite, bei dem ihr selbst das Mädchen sein dürft, nicht umgekehrt, oder?

Ich weiß nicht, was er repariert, aber meins ist auch kaputt… 😉

 

Wobei ich erst neulich eine interessante Diskussion auf Facebook verfolgte, bei der ein Mann argumentierte, wir Frauen sollten uns doch mal entscheiden, was wir nun wollten. Jahrelang seien Männer zum Brokkoli-essen und Im-Sitzen-pinkeln (um-)erzogen worden. Und plötzlich – es ging bei jener Facebook-Diskussion um die Belästigung von Frauen in der Oldenburger City – stand der Vorwurf einer Frau im Raum, weshalb kein Mann eingeschritten sei: „Was ist mit den Männern?“

 

blog-tipp1

 

Nun hat Zivilcourage meiner Meinung nach nichts mit dem Geschlecht zu tun. Letztlich war es in besagtem Fall ja auch eine Frau, die einschritt und die Polizei verständigte. Aber dennoch bleibt die Frage: Wann ist ein Mann ein Mann?

Kabarettist Florian Schroeder umreißt das Problem hier sehr schön:

Für alle, die später eingeschaltet haben: Florian Schroeder hat in der letzten Sendung darüber erzählt, was „Frau“ alles…

Posted by NDR Talk Show on Freitag, 12. Februar 2016

Aus Frauensicht finde ich meine Wünsche an die Männerwelt eigentlich ganz plausibel… Mich verzückt es einerseits, wenn mir ein Mann beispielsweise mal eben locker-lässig was repariert oder anbringt – auf der anderen Seite dann aber wie selbstverständlich dieses ganze Knigge-Zeug beachtet à la Tür aufhalten & Co.

Apropos „& Co“: Wie Mann und Frau laut Knigge korrekt hintereinander Treppen steigen, finde ich äußerst unterhaltsam. Geht es abwärts, geht der Mann voran – dann kann er sie auf auffangen, falls sie fällt oder so. Geht es aufwärts – so war mein Wissenstand bis vor einem Jahr –, geht auch hier der Mann voran, weil er der Frau ja sonst unter den Rock gucken könnte. Dann traf ich aber einen damaligen Kollegen im Treppenhaus. Und er klärte mich auf, dass es heute andersrum sei, „auch wenn die Frau einen kurzen Rock anhat.“ (Natürlich war es ein Tag, an dem ich einen Rock anhatte. Aber wir mussten die Treppen gerade hinuntersteigen. ;)) Beim Googeln stellte ich fest: Tatsache – damit der Mann der Frau (bzw. die „stärkere“ der „schwächeren“ Person) auch hier im Fall der Fälle helfen kann, läuft er beim Hinaufsteigen hinter ihr.

Aber so viel Expertenwissens bedarf es ja gar nicht.
Über alle vermeintlich kleinen, netten Aufmerksamkeiten freue ich mich.
Und ich persönlich kenne keine Frau, die es blöd oder aus emanzipatorischer Sicht unangemessen findet, wenn der Mann ihr die Tür aufhält.

Oder was meint ihr?

 

PS: Yeah, mein neues Schränkchen steht! 🙂 Jippieeh!

 

Bilder: imago, Facebook