Plötzlich Mitbewohner – So wohnt es sich mit einem Kerl zusammen

„Manchmal kannst du dich kaum umsehen und schon bist du mittendrin“, sagte meine Freundin Andrea mal, als mein Leben mal wieder kopfstand. Diesmal war es eher ein schleichender Prozess.

Erste Anzeichen zeigten sich früh: das Stück Seife in der Dusche, ein paar Ersatzsocken in der Kommode. Dinge, die man halt so braucht im Leben, zogen nach und nach ein. Irgendwann hatte das Aufladegerät seine Stamm-Steckdose gefunden und die Sportschuhe bekamen ihren eigenen Platz im Regal. Ich dachte mir immer noch nicht viel dabei – bis ein weiteres Lieblingsstück seinen Platz mitten auf meinem Wohnzimmerteppich fand: der Werkzeugkasten. Rumms – das war ein Statement!

Je öfter mein Freund Ferdi bei mir zu Besuch war, desto mehr praktische Dinge fand ich in irgendwelchen Ecken, Schränken und Regalen. Wo früher nur Teelichter, Bücher und Glitzerperlen ihren Platz hatten, lagen jetzt Fernbedienungen, Thermometer und Spezial-Werkzeuge, die ich noch nie gesehen hatte und von denen ich nur erahnen konnte, wofür man sie brauchte. Meine Wohnung wurde nicht unbedingt gemütlicher. Aber unter uns: Einige Utensilien fand ich schon ganz praktisch.

Socken, Werkzeug in allen Varianten, die neuesten technischen Errungenschaften: Aha, dachte ich, so wohnt es sich also mit einem Kerl zusammen. Bisher kannte ich das nur vom Hörensagen. Allerdings waren mir schon die wildesten Geschichten zu Ohren gekommen: Meine Freundin Lisa hatte einen äußerst lukrativen Deal mit ihrem Liebsten ausgehandelt. Er wollte unbedingt einen riesigen Fernseher fürs Wohnzimmer. Sie nicht – aber Lisa schlug einen Kompromiss vor: Er dürfte sich die heißbegehrte Glotze kaufen, wenn sie den Rest der Wohnung einrichten dürfte. Ein hoher Preis, aber ihrem Freund war es das wert.

Bei anderen Paaren werden Zeitverträge geschlossen: Fünf Jahre darfst du die quietschgelbe Retro-Couch ins Wohnzimmer stellen, dann ist Schluss und wir kaufen geschmackvolle Möbel, heißt es zum Beispiel in solchen mündlich geschlossenen Vereinbarungen. Oder: Das „Fear and Loathing in Las Vegas“-Poster darfst du gerne aufhängen, jedesmal wenn ich mit meiner besten Freundin im Wellness-Wochenende bin. Aber an allen 359 anderen Tagen im Jahr haben an dieser Stelle Vincent van Goghs Sonnenblumen ihren festen Platz. Wir Frauen scheinen da echt pingelig zu sein. Wirklich: Bei Stilfragen hat unsere Toleranz ein Ende.

Oft genug bekommen Männer ihr „Spielzimmer“, ihr eigenes Reich, in dem sie tun und lassen können, was sie wollen. Das kann ein Werkzeugkeller sein oder ein Computerzimmer, wo die WLan-Partys mit den Kumpels steigen können. In diesem Ausweichzimmer „dürfen“ die Kerle nach Herzenslust herumwerkeln, Socken auf dem Boden verteilen oder bis in die Nacht hinein zocken, ohne dass die Liebste sich das Übel (und Chaos) mit ansehen muss. Keine ganz blöde Lösung, wenn man ausreichend Platz hat, finde ich.

Und Platz ist DAS Thema. Denn wohin mit dem ganzen Kram, wenn man schon allein jeden Monat zum Flohmarkt rennen könnte, um seinen Krimskrams loszuwerden? „Wir könnten unseren Dachboden ausbauen“, schlug Ferdi vor, als ich gerade dabei war, im hintersten Küchenregal, auf einem Hocker stehend, Lasagneplatten zu suchen. „UNSER Dachboden?“, fragte ich und kippte fast vom Hocker. Ferdi grinste und hielt mich fest. „Ha, ha, ha! Das wüsste ich aber!“, verstärkte ich meinen Protest.

Ferdi hob mich vom Hocker und sagte im Vorbeigehen: „Die Lasagneplatten sind übrigens in der Rumpelkammer.“ Er hatte da mal aufgeräumt. Ich war baff.

Langsam fragte ich mich, wie ich es bloß geschafft hatte, mehrere Jahre ALLEIN in einer Wohnung zu existieren – ohne größere Unfälle und mit Lasagne im Magen. Wie von Zauberhand ordneten und reparierten sich die Dinge. Denn der Werkzeugkoffer stand hier nicht mehr nur zur Zierde.

Also beschloss ich, in die Verhandlungen einzusteigen. „Wenn der Werkzeugkasten ein für allemal in die Rumpelkammer zieht, können wir uns das mit UNSEREM Dachboden mal überlegen“, ließ ich mich zu einem ersten Deal hinreißen.

 

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Bilder: Imago