Oldenburg, dein Verkehrskollaps – oder: Nachmietersuche Teil 2

Es hätte alles so schön sein können. Aber ich hätte es wissen müssen. Es wäre zu einfach gewesen. Zumal Bonny mir ja gerade erst die Ohren vollgeheult hatte, dass der Umgang mit Vormietern auch alles andere als ein Vergnügen ist. Aber der Reihe nach: Endlich schien eine Nachmieterin für meine schnuckeligen, aber für mich nicht mehr ganz so passenden 53 m² gefunden. Eine, die meine Küche zum – wirklich fairen – Preis übernimmt. Eine, die einverstanden ist, dass ich nur den mittlerweile etwas gräulich gewordenen Flur streiche, weil der Rest noch in tadellosem Weiß bzw. Cremefarben erstrahlt.

Prinzesschen in the town

Interessentin „Nr. 2“, die meinen Puls bereits letztes Mal in die Höhe getrieben hatte, hatte zwar letztlich mit zehnminütiger Verspätung zum vereinbarten Besichtigungstermin vor der Tür gestanden. Nachdem sie sich aber einen Tag später nicht – wie vereinbart – bei der Vermieterin zurückgemeldet hatte, war sie eigentlich schon von der Liste geflogen. Aber dann – tatataaa – wollte Madame zu einer neuerlichen Besichtigung vorbeikommen, diesmal mit ihrem Onkel. Einem Hobby-Handwerker. Und diesmal tauchte sie eine Viertelstunde zu früh auf. Was soll’s, dass ich geschrieben hatte: Ja, geht an diesem Termin, aber frühestens um die und die Uhrzeit.
Nach etwa zehn Minuten Besichtigung und acht Onkel-Fragen später rief sie die Vermieterin an, um ihr mitzuteilen, dass sie sich nun noch drei andere Wohnungen ansehen und abends dann anrufen würde, um mitzuteilen, wie ihr Urteil ausgefallen sei.


Die Worte verursachten ein fieses Klirren in meinem Kopf. Jaaaa, die Vermieter-Welt wartet sehnsüchtig darauf, ob die Gunst von Prinzesschen zuteil würde oder eben nicht!
Nun. Die Gunst wurde meiner Wohnung nicht zuteil. Teilte mir meine Noch-Vermieterin mit. Begründung: Meine Küche sei zu teuer.

Hääää?

Also. Als ich damals beim Einzug nach einer günstigen Komplett-Küche Ausschau gehalten hatte, fingen die preislich bei 2000 Euro an. Und das war dann jeweils von allem die billigste Ausstattung. Meine jetzige Küche, die ich damals gebraucht gekauft hatte, verkaufe ich jetzt mit allem drum und dran für 540 Euro, inklusive einer recht neu hinzugekauften Spülmaschine. Bei beiden Besichtigungsterminen hatte keiner der Herrschaften etwas in die „Die Küche ist zu teuer“-Richtung verlauten lassen. Und nun stand ich da, mit meiner Vermieterin am Ohr, die mir sagte, dass die Leute quasi meinetwegen abgesagt hätten.

Bei mir selbst hatte sich die blöde Kuh übrigens nicht noch mal gemeldet. Klar, sie war jetzt zu feige, weil die Küchenbegründung mit ziemlicher Sicherheit nur vorgeschoben war. War so schließlich am einfachsten gegenüber der Vermieterin.

Jedenfalls hatte meine Vermieterin nun eine Kleinanzeige in der NWZ geschaltet.

Kurz, bevor der erste Interessent antanzen wollte, rief sie mich extra noch mal an, um mir mitzuteilen, dass es kein Muss für den Nachmieter sei, die Küche zu übernehmen (in ihrer Anzeige war übrigens trotzdem schlicht die Rede von „Zimmer, Küche, Bad“…). Es ging hin und her.
Ich war so genervt von der ganzen Sache, dass ich kurzerhand eine eigene Online-Kleinanzeige für meine Küche aufgab. Dass günstige Küchen super laufen, hatte ich damals schon gemerkt, als ich selbst nach einer Ausschau gehalten hatte.

Hach, wie befreiend! Vor meinem geistigen Auge malte ich mir aus, wie ein potenzieller Nachmieter zu meiner Vermieterin sagt: „Ach so, die Wohnung ist ohne Küche?! Nee, dann will ich die natürlich nicht…“ Hihi. Ich schrieb Mirko, dass ich mich gleich beim Besichtigungsmarathon aus allem raushalten, keinerlei Fragen zur Wohnung beantworten würde. War mir jetzt alles zu blöd. Stattdessen würde ich irgendwelche obszönen Musikvideos auf dem Fernseher anmachen und Grünkohl mit Pinkel zu Mittag essen.

Endlich mal positiv überrascht

Da klingelte es auch schon an der Tür. – Und dann war die Frau, die da eintrat, so sympathisch und begeistert von meiner VON MIR hübsch eingerichteten Wohnung, dass ich von meinem Plan abwich und ihr gerne alles zeigte und beantwortete. Jedesmal, wenn ich sagte: „Ja, das ist von mir, kann aber zu dem und dem Preis übernommen werden“, sagte meine Vermieterin sinngemäß, dass das, was EIGENTLICH zu der Wohnung gehöre, aber ja auch total hübsch sei. Hüstel. Ähm, nun ja. „Hübsch“ ist ja recht subjektiv. Auch den Preis, den ich für die Küche veranschlagt hatte, fand die Interessentin total super. Gerne wollte sie sogar noch viel mehr von mir übernehmen. Mensch, das lief ja alles blendend hier! Gedanklich gab ich das Geld schon für einen hübschen neuen Kleiderschrank aus.

Tja. Kurz, bevor sie den Mietvertrag unterschreiben sollte, sagte sie ab. Begründung: Sie arbeitet in einem Supermarkt in Bürgerfelde, ihr Freund wohnt in Ofenerdiek. Und der hätte ihr nun abgeraten von der Wohnung, weil die Autobahnbrücke über der Alexanderstraße ja demnächst abgerissen wird. Und dann drohe quasi der völlige Verkehrskollaps im Stadtnorden. In welchem sie dann, wenn sie wirklich diese Wohnung nähme, täglich gefangen sei.

Achso.

 

(Bilder: www.moewenblick.de, imago, Torsten von Reeken)