Oldenburg, deine Nachmieter

Ständig höre und lese ich, dass der Wohnraum in Oldenburg so knapp ist. Dass bezahlbare Wohnungen hier in etwa so rar gesät sind wie um 80% reduzierte Prada-Schuhe. Und wenn es heißt, dass hier und dort neuer Wohnraum entstehe, wird sofort kritisiert, dass dieser für Durchschnitts- oder Geringverdiener nicht bezahlbar sei.

 

Daher, so dachte ich mir, dürfte es eine Leichtigkeit sein, für meine kleine, hübsche Zwei-Zimmer-Wohnung einen netten, zuverlässigen Nachmieter zu finden. Ich ziehe nämlich um! Nein, nicht mit Mirko zusammen ;). Alleine. In eine größere, hübschere Wohnung. Irgendwann binnen der vergangenen Wochen und Monate fing meine jetzige Wohnung nämlich an, sich nicht mehr passend anzufühlen. Wie ein Paar Schuhe, aus dem man einfach rausgewachsen ist. Das zu klein geworden ist. Sich nicht mehr wohlig anfühlt.

 

Die Online-Kleinanzeige

Meine Vermieterin ist eine ältere, nette Frau. Es war einfach nur als kleine Nettigkeit von mir gedacht, als ich ihr anbot, eine Online-Kleinanzeige zu schalten, um einen Nachmieter zu finden. Ich hatte fristgerecht gekündigt, von daher hätte es mir egal sein können, wie sie an einen neuen Mieter kommt. Aber der Aufwand einer solchen Anzeige im – für sie Neuland – Internet ist für mich so minimal, und sie schaute so traurig drein, als ich ihr sagte, dass ich kündige. Die Anzeige war kaum online, da bekam ich schon die erste Anfrage. Nach nur zwei Stunden schaltete ich sie wieder ab, weil sich bereits so viele potenzielle Nachmieter gemeldet hatten.

Jenen, die mir nur knappe, zum Teil gar in unverschämtem Tonfall formulierte Nachrichten à la „wo ist die Wohnung wann kann ich besichtigen“ schrieben (oft in höchst fragwürdiger Rechtschreibung), antwortete ich gar nicht erst. Wenn es doch so mega-schwierig sein soll, eine kleine, preisfaire Wohnung in Oldenburg zu finden, hätte ich deutlich mehr Höflichkeit, mehr… Demut erwartet.

Letztlich übergab ich meiner Vermieterin eine Liste mit sechs Personen inklusive einiger Eckdaten, die diese über sich preisgegeben hatten (zum Beispiel Alter & Beruf). Auch ich hatte meinerseits allen Interessenten Eckdaten zur Wohnung sowie Fotos geschickt. Meine Vermieterin rief zuerst bei der ältesten Interessentin (50 Jahre) an und vereinbarte einen Besichtigungstermin. Über eine Stunde lang hatte ich die Wohnung vorher extra aufgeräumt, allzu private Bilder von den Wänden genommen, gestaubsaugt und auf mein Frühstück verzichtet.

 

Und dann ist die blöde Trulla einfach nicht erschienen! Hat sich auch nie wieder gemeldet.

 

Die Freuden einer Terminabsprache

Da nicht alle Interessenten eine Telefonnummer angegeben hatten, bot ich meiner Vermieterin an, nun online mit den anderen Termine zu vereinbaren. Um das Risiko solcher „Ich hab zwar ’nen Termin, tauch‘ da aber einfach nicht auf“-Flops zu minimieren, lud ich drei Frauen gleichzeitig zur Besichtigung ein. Nr. 1 passte der Termin super, Nr. 2 sagte ab, Nr. 3 meldete sich gar nicht erst zurück. Nr. 1 stand dann auch tatsächlich zur vereinbarten Zeit vor der Tür. Leider war ihr die Wohnung dann aber doch zu weit von ihrem Arbeitsplatz entfernt.

Nachdem ich die schweigende Nr. 3 gefragt hatte, ob sie immer noch Interesse an einem Besichtigungstermin hätte (ja, schrieb sie zurück, antwortete auf meinen neuen Terminvorschlag aber erneut nicht), holte ich Nr. 4 ins Boot und einigte mich nach kurzem Nachrichtenverlauf mit ihr auf einen Termin.

Nr. 2 hatte einen Alternativtermin bekommen, den sie dann aber auf meine erneute Nachfrage hin absagte, weil ihr auf der Arbeit etwas dazwischengekommen sei. Sie fragte, ob sie zwei Tage später vorbeikommen könne. Da habe sie nämlich frei. Ich nannte ihr eine Uhrzeit. Sie fragte, ob es nicht auch eher ginge. Ich antwortete: Nein, da arbeite ich. Daraufhin erhielt ich keine Antwort mehr.

Einen Abend vor dem angedachten Besichtigungstermin schrieb ich ihr: Bleibt es denn jetzt bei morgen Abend?

Sie: Ja, schickst du mir noch mal die Adresse?

Ich musste mich ein bisschen zusammenreißen. Hätte sie nicht einfach im Nachrichtenverlauf zurückscrollen können?! Na gut. Kurz und knappte nannte ich ihr die Adresse.

Sie: Supi. Und kannst du mir auch noch mal kurz die Eckdaten nennen?

Argh! Wo ist dein Problem, Mädel? SCROLL doch einfach zurück und organisier dich, anstatt andere damit zu belästigen. Kurz und knapp schrieb ich ihr, dass ich dafür jetzt keine Zeit habe.

Sie antwortete: Ok. Kannst ja später machen ;).

Wie gnädig von ihr.

 

To be continued.

(Bilder: J. Spielbrink für Oldenburger Luftbildarchiv/NWZ-Archiv, Imago)

Hier lest ihr Teil 2 der Nachmietersuche: Oldenburg, dein Verkehrskollaps

Bonny schreibt derweil über die ungeheuren Macht der Vormieter