Mr. Big sägt Bonny ab – und tritt hinterher

Es ist noch nicht mal Februar – doch schon jetzt könnte ich dieses Jahr abhaken. 2017 ist ein Arschloch.

Kurz vor Weihnachten hatte mich Jens – meine aufregende Hochzeitsbekannschaft, auch bekannt als Mr. Big – überrascht. Mit sich. Er war aus China zurückgereist. Nur für mich und nur für drei Tage war er in den Flieger gestiegen. Plötzlich hatte er vor meiner Tür gestanden, völlig unerwartet, mit einem chinesischen Wein unter dem Arm. Der absolute romantische Overkill.

Was kurz vor seiner Abreise nach China zu kurz gekommen war, holten wir nun nach. Wir lernten uns kennen. Es war einfach nur wunderschön. Nach drei Tagen musste Jens wieder zurück. Der Abschied fiel uns schwer, viel zu kurz war die Zeit, viel zu seltsam war es, sich vor Weihnachten schon wieder „tschüss“ zu sagen.

Aber so war es nun mal.

Ich feierte Weihnachten, Silvester, die ersten Tage von 2017 liefen saugut. Jens war weit weg, aber wir flirteten am Telefon weiter und freuten uns gemeinsam darauf, dass wir uns in einigen Wochen wiedersehen würden. So lang war es gar nicht! Erfüllt von einigen schönen Erinnerungen fiel uns das Warten nicht so schwer. Nein, ich schwebte nicht auf Wolke sieben, dazu war es zu früh. Aber ein Hauch von Rosa lag über der Puderzucker-Winterwelt. Ich war verdammt glücklich.

Doch dann kam der alles zerschmetternde Anruf. „Huhu!“, flötete ich fröhlich ins Handy. „Hallo, ich bin’s“, murmelte Jens – und dann kam gar nicht mehr viel. „Du, ich wollte dir was sagen“, druckste er herum. Ich ahnte Furchtbares. „Ich werde mich bald nicht mehr melden.“ Ich hatte es befürchtet. „Okay“, sagte ich nur. „Warum? Es war doch schön zusammen.“

„Ja, da war ich vielleicht etwas zu romantisch drauf“, sagte Jens. „Wegen Weihnachten und so.“ Ich war verwirrt. Was erzählte „Mr. Big“ mir hier eigentlich gerade? Erst konnte ich es nicht fassen, dann begann ich zu brodeln. „Was ist das denn für eine Begründung?“, fragte ich enttäuscht, beleidigt, zurückgewiesen. Es folgte nur Schweigen, lang und ausgiebig.

„Du bist mir eine Erklärung schuldig.“ Ich erinnerte nach Minuten der Stille daran, dass ich noch da war und wartete. Auf einen kleinen Hinweis, wie es zu dieser plötzlichen Wende hatte kommen können. „Okay, du willst es so“, meinte Jens schließlich. „Dann bin ich ehrlich. – Ich habe mich in dir geirrt. Ich mag dich echt, aber ich brauche jemanden, der vorzeigbarer ist als du. Der nicht so auffällt. Versteh mich nicht falsch, du bist echt lustig. Aber ich brauche jemanden, der mehr Eleganz, mehr Charakter, mehr Größe hat.“

Ist es wirklich so schlimm, fragte ich mich?

 

Ich schluckte, dann zitterte ich. Es war, als würde mir jemand den Boden unter den Füßen wegziehen. Mir wurde schwindelig, dann schlecht. Auf einen Schlag war die Welt nicht mehr rosafarben, sondern grau und schwarz und dunkelblau. In dem Moment wünschte ich, ich wäre Charlotte aus „Sex in the City“ und hätte mir bereits die richtige Antwort parat gelegt. „Scher dich zum Teufel“ oder „Fahr zur Hölle“ oder besser noch: „Ich verfluche den Tag deiner Geburt!“ Mir fiel aber stattdessen gar nichts ein. Bebend legte ich auf.

Ja, ich war beleidigt. Bis ins Mark. Was hätte ich sonst sein sollen? Und ich war wütend. Kurz nachdem ich aufgelegt hatte, feuerte ich eine Vase zu Boden. Baaam, krach, schepper! Dann flennte ich hemmungslos. Bis meine Freundin Andrea mich anrief, um zu fragen, wo ich bliebe. Wir waren auf einen Kaffee verabredet. Als sie von Mr. Bigs neuesten Erkenntnissen hörte, kam sie auf der Stelle vorbei und versuchte mich aufzubauen. „Was für eine Null!“, fluchte meine „Charlotte“. „Versager! Glaub diesen Mist bloß nicht!“

Ein ganzes Wochenende verkroch ich mich in meiner Wohnung. Nur zum Einkaufen schlurfte ich ungekämmt zum Supermarkt. Aber als ich mich gerade wieder gefangen hatte, kam es noch doller. Montags schaffte ich es so gerade, mich wieder vor den Laptop zu setzen, um einen Blog zu verfassen. Computer an, E-Mails checken, Kreativität wiederfinden.

Doch so einfach war es nicht: Es ploppte eine E-Mail von Jens auf. Etwa eine Entschuldigung? Ich las die ersten Worte: „Ich wollte dir noch mal erklären, warum es zwischen uns nicht sein sollte. Du bist ein toller Mensch, aber einfach nicht die Frau, die das Leben eines bewegten Mannes begleiten kann…“ Und so weiter und so fort. Was bildete sich der eigentlich ein? Es war genau das, was ich schon am Telefon gehört hatte. Jetzt hatte ich es Schwarz auf Weiß. Ich beschloss, ihn nicht länger zu „begleiten“ (schließlich bin ich weder Babysitter noch Escortdame…!) und löschte die E-Mail.

Nachzutreten, um die eigene Entscheidung zu rechtfertigen, ist eine der hässlichsten Eigenschaften – weit entfernt von lustig oder vorzeigbar und erst recht kein Beweis von charakterlicher Größe.

 

Fotos: Imago

  • Tom Fischbeck

    Hallo Bonny, ich habe bisher noch nie auch nur irgendwo etwas kommentiert, selbst bei Facebook bin ich nicht. Die Arroganz von Mr. Big ist unglaublich, er ist schuld, dass es Männer in Zukunft obwohl sie es vielleicht wirklich gut mit dir meinen, aufgrund deiner schlechten Erfahrung keine Chance bei dir haben bzw. du eine extrem harte Nuss sein wirst! Glaub diesen Kram bitte nicht, auch wenn es dir momentan sicher nicht leicht fällt, er ist das Problem und nicht du! Kopf hoch! So, dass war mein erster öffentlicher Kommentar in 35 Jahren! Sei stark! Unbekannterweise liebe Grüße an Dich

  • Tom Fischbeck

    Hallo Bonny, ich habe bisher noch nie auch nur irgendwo etwas kommentiert, selbst bei Facebook bin ich nicht. Die Arroganz von Mr. Big ist unglaublich, er ist schuld, dass es Männer in Zukunft obwohl sie es vielleicht wirklich gut mit dir meinen aufgrund deiner schlechten Erfahrung keine Chance bei dir haben bzw. du eine extrem harte Nuss sein wirst! Glaub diesen Kram bitte nicht, auch wenn es dir momentan sicher nicht leicht fällt, er ist das Problem und nicht du! Kopf hoch! So, dass war mein erster öffentlicher Kommentar in 35 Jahren! Sei stark!

  • TommyOLOL

    Hallo Bonny, ich habe bisher noch nie auch nur irgendwo etwas kommentiert, selbst bei Facebook bin ich nicht. Die Arroganz von Mr. Big ist unglaublich, er ist schuld, dass es Männer in Zukunft obwohl sie es vielleicht wirklich gut mit dir meinen, aufgrund deiner schlechten Erfahrung, keine Chance bei dir haben bzw. du eine extrem harte Nuss sein wirst! Glaub diesen Kram bitte nicht, auch wenn es dir momentan sicher nicht leichtfällt, er ist das Problem und nicht du! Kopf hoch! So, dass war mein erster öffentlicher Kommentar in 35 Jahren. Sei stark! Unbekannterweise liebe Grüße an Dich

    • Bonny

      Lieber Tommy,

      vielen Dank für deinen ersten (!) und lieben Kommentar. Ich werde
      versuchen, mir deine aufbauenden Worte zu Herzen zu nehmen. Manchmal ist es aber auch ein gutes Schutzschild, eine „extrem harte Nuss“ zu sein, um nicht weiteren Mr. Bigs auf den Leim zu gehen. Wer es wirklich gut und ernst meint, wird schon durch die harte Schale durchkommen.

      Liebe Grüße, deine Bonny