Mit den Mädels im Brautkleid-Laden: Alle Spielverderber hier!

Prosecco ohne Ende. Ein Traumkleid nach dem anderen. Vor Glück glucksende Mädels, emsige Verkäuferinnen, stundenlanges Vergnügen. So sollte es sein in einer perfekten Großstadt-Glitzerwelt, so isses aber nicht.

Mit einigen Illusionen habe ich in meinem zarten Alter schon aufgeräumt, nun auch mit der vom Brautkleid-Geschäft, in dem man mit seinen Freundinnen kostenlosen, grenzenlosen Spaß hat.

Nein, ich bin nicht die Braut. Nur die engagierte Freundin, die sich voll ins Thema eingearbeitet hat: Glitzer oder nicht? Spitze oder nicht? Herz-Ausschnitt oder doch lieber Träger?

Regel Nummer eins gibt es gleich am Eingang: Nichts anfassen! Geschäftig will ich einen Hocker in den Freundinnen-Stuhlkreis rücken. Die Verkäuferin reagiert freundlich, aber bestimmt: Lassen Sie den Hocker stehen, ich hole einen Stuhl! Damit ist gleich am Anfang geklärt, wer hier das Sagen hat.

Nicht anfassen gilt auch für die Kleider. Dafür habe ich Verständnis. Schließlich kosten die Dinger, wenn wir als Währung Jahresurlaube nehmen, zwei. Mindestens. Schon klar, dass da nicht jede mit ihren Patschhändchen dran darf. „Also ich hätte ja im Internet bestellt“, sagt Trauzeugin Tanja augenrollend. Das hat die Verkäuferin zum Glück überhört. Wir teilen also auf Zuruf mit, was wir gut finden, und die Chefin sammelt alle Träume in Weiß in der Umkleide.

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Sie packt unsere Emma ins erste Kleid. Während sie noch in der Kabine herumhantiert, frage ich, den Finger schon auf dem Auslöser: „Darf ich eigentlich Fotos machen?“ Hui, hui, hui, damit habe ich mich weit aus dem Fenster gelehnt. „Es ist ja furchtbar süß, dass Sie fragen“, flötet es aus der Umkleide. „Aber das ist hier leider nicht erlaubt.“ Die Betonung liegt auf süß und leider. Ich muss mich zusammenreißen.

Regel Nummer zwei liegt also auf der Hand: keine unverschämten Fragen stellen. Nur muss man eben wissen, welche unverschämt sind. Nach meinem ersten Fauxpas verkneife ich mir lieber die Frage, die ich mir schon so schön zurechtgelegt hatte: „Darf ich ausnahmsweise auch ein Kleid anprobieren? Wissen Sie, so wie es aussieht, werde ich es nie vor den Traualtar schaffen, und ich würde doch so gerne einmal im Leben ein Brautkleid tragen.“ Augenklimpern, Mitleidsblick.

Dass ich in Wirklichkeit ein Foto für einen Facebook-Aprilscherz machen möchte, muss die gute Frau ja nicht wissen. Aber sowieso unmöglich: Fotografieren verboten. Unsinnige Anprobiererei auch. Alle Spielverderber hier!

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Richard Gere im Film „Die Braut, die sich nicht traut“

Regel Nummer drei: Nicht zu viele, und nicht so laut. Der nächste Laden steht auf dem Programm. „Sie sind jetzt aber mehr als drei“, tönt es gleich am Eingang zerknirscht. „Das hätten Sie vorher anmelden müssen, Frau Rose!“ Ja, ja, wie wahr und wir sind untröstlich. „Nachher kommt nämlich noch eine andere Braut und so viele Stühle haben wir gar nicht.“ „Kein Problem, wir stehen!“ Innerlich schnaufen wir durch, dass wir nicht noch das ein oder andere krakeelende Kind im Schlepptau haben.

Weil wir wollen, dass unsere Freundin so schön wie maximal möglich ins Ehe-Glück tanzt, kommentieren wir die verschiedenen Kleider offenherzig. „Das macht kurze Beine!“ „Das macht dick!“ „Das ist zu mädchenhaft.“ „Das ist von der Form schön, hat aber viel zu viel Glitzer!“ Und so weiter.

Die Verkäuferin überhört jegliche Kommentare. Hier gilt nur ihre professionelle Meinung. Das führt dazu, dass wir im dritten Laden einfach die Klappe halten. Man hält uns für ziemlich zugeknöpft. Aber außerdem sind wir müde. Uns ist heiß. Und wir müssen mal.

Bei der Deutschlandpremiere des Kinofilms "Sex and the City" gibt eine der Hauptdarstellerinnen, Sarah Jessica Parker, am Donnerstag (15.05.2008) auf dem Roten Teppich am Potsdamer Platz in Berlin Autogramme. Kinostart des US-Streifens" ist der 29. Mai. Foto: Rainer Jensen dpa/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Sarah Jessica Parkerin, Darstellerin der „Carry“ in der Serie „Sex in the City“

Schnell geht’s zurück in Laden Nr. 1. Die Braut entscheidet sich für das erste Kleid, das sie anprobiert hat. Ausgerechnet! Das war ja gar nicht abzusehen. Es ist so typisch und zum Schreien, aber uns fällt ein Stein vom Herzen, als der Satz fällt : „In diesem Kleid fühle ich mich wie Carry Bradshaw.“ Emma ist überglücklich. Darum sind wir es auch – obwohl der Prosecco fehlt, die Füße wehtun und uns schlagartig klar wird: Es gibt Leute, die einem auch das letzte bisschen Amüsement vermiesen wollen.

 

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Fotos: dpa/Imago

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