„Mark Darcy ist ja noch spießiger geworden!“

Mittwochabend, in Oldenburg, drei Frauen und ein Plan: Wir wollen dem Chaos unseres eigenen Lebens entfliehen und gehen ins Kino. Endlich, endlich, ist es soweit: Bridget Jones ist zurück. Meine Freundin Susi hatte Karten für die Vorpremiere (mit Sektempfang!) im Casablanca reserviert. So muss das sein, ein anständiger Mädelsabend. Das haben wir nötig, ist doch jede von uns gerade arg im Stress.

Schnell tauschen wir die neuesten Neuigkeiten aus – Männer, Arbeit, sonstige Katastrophen – und schon ist es acht. Zeit, um den Saal zu kapern. Geplauder, Gekicher – so ist das, wenn nur Frauen im Saal sitzen. Voll ist es nicht, aber einige eingeschworene Bridget-Fans sind dabei. Wir sind noch nicht durch mit allem Tratsch, da fängt der Film schon an. Vorhang auf für Bridget! Wie habe ich sie vermisst.

Die Jahre sind ins Land gegangen. Bridget ist jetzt nicht mehr moppelig und im Beruf erfolgreich. Aber eines ist immer noch wie damals im ersten Teil (Schokolade zum Frühstück, 2001): „All by myyyseellf…!“, tönt es aus dem Off und Bridget sitzt – es ist mittlerweile ihr 43. Geburtstag – allein mit einem Törtchen auf dem Sofa. Kein Mark Darcy, kein Daniel Cleaver. Ich muss gestehen, schon diese Szene trifft mich mitten ins Herz. Sofort ist klar: Ich werde Bridget weiter lieben, egal wie viele Schönheits-OPs Renée Zellweger hinter sich hat. Nur zu gut kenne ich das: Ein weiteres Jahr ist rum und das Glück benimmt sich immer noch äußerst widerspenstig.

Der letzte Bridget-Jones-Film („Am Rande des Wahnsinns“) kam 2004 in die Kinos. Damals stand ich noch auf Daniel Cleaver oder viel mehr auf Hugh Grant als perfekte Verkörperung des Bad Boy. Ne, wirklich, die bösen Männer können mir mittlerweile den Buckel runterrutschen. Ein bisschen habe ich gelernt. Bridget aber hat größere Entwicklungen hinter sich, das muss ich zugeben. Mit ihrem Törtchen auf dem Sofa betrachtet sie die traurige Lage doch auch mit ein wenig Ironie. Sie badet diesmal nicht in Selbstmitleid, sondern amüsiert sich – und zwar mit verschiedenen Männern.

„Die wird doch jetzt nicht schwanger?“, tuschelt mir Susi zu. „Das könnte schon sein“, sage ich vorsichtig, denn ich habe schon einige Kritiken verschlungen. Außerdem heißt der Film ja „Bridget Jones’s Baby“. Damit verrate ich also nicht zu viel. Auch nicht, wenn ich sage, dass gleich zwei Väter in Frage kommen: Mark Darcy (Colin Firth), der Anwalt, und Jack Qwant (Patrick Dempsey alias McDreamy), ein reicher Amerikaner. Das Verrückte: Nach dem ersten Schock bemühen sich beide auf ihre Art um Bridget und das Baby. Jeder wäre gern der Papa. „Die Gute hat ein Luxusproblem!“, meine ich.

HANDOUT - Renée Zellweger als Bridget (r) und Emma Thompson als Dr. Rawling in einer undatierten Szene aus dem Film «Bridget Jones' Baby». Der Film kommt am 20.10.2016 in die deutschen Kinos. Foto: Giles Keyte/Studio Canal Deutschland/dpa (zu dpa-Kinostarts vom 13.10.2016) ACHTUNG: Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den genannten Film und nur bei Urhebernennung «Foto: Giles Keyte/Studio Canal Deutschland» bis 20.02.2017 +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
Renée Zellweger als Bridget (rechts) und Emma Thompson als Dr. Rawling Foto: Giles Keyte/Studio Canal Deutschland

 

An dieser Stelle spaltet sich unser Dreierteam in zwei Lager: Andrea unterstützt Mark Darcys Vaterschaft. Susi und ich sind auf Jack Qwants Seite. „Der Mark ist ja noch spießiger geworden mit der Zeit“, findet Susi. Ich kann ihr da nur beipflichten. Was für ein Bürokrat, was für ein Langweiler. Schnarch! Der Rentierpulli war ja noch ganz süß, aber diese Anwalts-Koteletten gehen gar nicht. Natürlich ist die Entscheidung nicht so einfach, Bridget ist mal wieder gefangen mitten im Gefühlschaos. „Warum nimmt die nicht den Jack?“, echauffiert sich Susi. „Der ist doch ein Sechser im Lotto!“ Finde ich auch. Der kümmert sich doch so liebreizend um die jetzt schlagartig wieder fülliger werdende Bridget. Andrea ist skeptisch: „Solche tollen Männer wie Jack gibt’s doch gar nicht!“

Das lasse ich jetzt mal so stehen. Sicher ist: „Bridget’s Jones Baby“ ist wiederum ein Fest der Peinlichkeiten. Bridget passieren alle Fauxpas, die einem so passieren können. Klar, das ist dick aufgetragen. Aber ich finde es gut, dass es jemanden gibt, dem auch dauernd und dazu noch viel öfter als mir sowas passiert. Wenigstens im Film. Wer über die Bridget-Gags herumnörgeln möchte, bitte! Hier im Kino aber kritisiert das keiner. Die meisten lachen. Und zwar schallend. Oder diskutieren: Mark oder Jack?

HANDOUT - Renée Zellweger als Bridget (l-r), Patrick Dempsey als Jack und Colin Firth als Mark in einer undatierten Szene aus dem Film «Bridget Jones' Baby». Der Film kommt am 20.10.2016 in die deutschen Kinos.Foto: Giles Keyte/Studio Canal Deutschland/dpa (zu dpa-Kinostarts vom 13.10.2016) ACHTUNG: Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den genannten Film und nur bei Urhebernennung «Foto: Giles Keyte/Studio Canal Deutschland» bis 20.02.2017 +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
Renée Zellweger als Bridget, Patrick Dempsey als Jack und Colin Firth als Mark Foto: Giles Keyte/Studio Canal Deutschland

 

Auch beruflich kracht es bei der TV-Journalistin an allen Ecken und Enden. Zwar hat sie mittlerweile einen guten Stand, ja, sie ist geradezu eine Marke. Aber: Der Sender soll modernisiert werden. Um als Schwangere ihren Job zu retten, meldet die leicht faltige Bridget sich freiwillig für eine Präsentation. Ausgerechnet sie will allen anderen zeigen, wie das Programm aufgepeppt und verjüngt werden kann. Hat sie sich nicht ein bisschen zu viel vorgenommen? Die vielen kleinen bis mittelgroßen Pannen lassen erahnen, dass auch die Präsentation im Fiasko enden wird.

Bridget ist immer noch die Alte, trotz aller Veränderungen. Sie ist das Törtchen, die Sahne obendrauf sind die tollen Nebenrollen: die sympathischen Freunde, die allesamt gealtert wieder auftreten. Die Eltern, herzlich und furchtbar taktlos zugleich. Die Frauenärztin, gespielt von Emma Thompson, die gleichsam genervt und einfühlsam Bridgets Dilemma sofort durchschaut. Mark Darcy ist gut, aber für meinen Geschmack eine Nummer zu überzogen in seiner gefühllosen Sachlichkeit (Ja, ich bin echt kein Darcy-Fan, genau wie Susi). Die Zuckerperlen noch obendrauf auf der Sahne sind die gut portionierten Details, die beiläufig zeigen, dass viel Zeit vergangen ist seit 2004: Bridget tanzt (mit Schmetterlingsflügeln) Gangnam-Style, Mark vertritt eine russische Punkband, die stark an „Pussy Riot“ erinnert.

Nach zwei Stunden drängen alle fröhlich schnatternd aus dem Kino. Ein paar Mädels wischen sich noch schnell im Dunkeln die Lachtränen aus den Augen. „Bridget Jones’s Baby“ ist sicherlich kein gaaanz großes Kino, aber perfekt für einen lustigen, herzerwärmenden Mädelsabend – schon allein, weil Bridget uns mal wieder vorführt, wie spannend und aufreibend es ist, alles zu versuchen, immer sein Bestes zu geben, auch wenn das nie reicht. Sie versemmelt das Meiste, lässt aber in allen Lebenslagen nichts anbrennen. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden. Es muss ja nicht gleich ein Kind bei rauskommen!

 

 

Bridget Jones’s Baby, Regie: Sharon Maguire, Drehbuch: Helen Fielding, Emma Thompson, Dan Mazer, Dauer: 123 Minuten