Kinners, ihr seid doch gar keine Papas!

„Mamaaa!“, dröhnt es aus dem Gettoblaster vom berühmten Queen-Song „Bohemian Rhapsody“. Eigentlich ist der ja ganz schön, aber ein bisschen bizarr ist es schon, wenn ihn Typen hören, die ordentlich aufgetankt in der Oldenburger City zur Vatertagstour aufbrechen. Ich gucke mir diese Kerle Jungs an, die garantiert völlig unberechtigt an diesem Tag durch die Gegend wanken. „Kinners, ihr seid doch nie und nimmer Papas!“, rufe ich ihnen zu. Ich kann meine Klappe mal wieder nicht halten. Die Bubis zeigen mir einen Stinkefinger. Na, was soll’s! Es ist Superwetter und da lasse ich mir die Laune doch nicht von ein paar Möchtegern-Vätern verderben.

Aber es ist mir schon häufiger aufgefallen: Am Vatertag sind viele Männer unterwegs, die gar keine Väter sind. Wer schon Kinder hat, wird wahrscheinlich gar keine Zeit für solch ausschweifende Sauftouren haben. Oder ist froh, mal ausschlafen zu können.

Für die Papas, die an dem Tag unterwegs sind, habe ich noch weniger Verständnis. Die sollen mal fein zu Hause bleiben! Oder wenn, mit ihren Kindern einen Ausflug machen. Die Frauen ziehen ja am Muttertag auch nicht grölend mit einem Bollerwagen durch die Gegend und kippen sich ordentlich einen hinter die Binde, sodass sie abends ihrem Nachwuchs noch nicht einmal mehr ein Butterbrot schmieren können. Nein, die Mamas sitzen für gewöhnlich am Frühstückstisch statt beim Frühschoppen und lassen schön brav die „Feierlichkeiten“ über sich ergehen. Strahlend nehmen sie selbst gemalte Bilder entgegen und geben sich alle Mühe zu erraten, was darauf zu sehen ist. Auch freuen sie sich über gepflückte Blumen, selbst wenn sie danach erst einmal wieder für Frieden sorgen müssen, weil Nachbars Blumenbeet nun quasi nicht mehr existiert. Oder sie müssen sich durch ein selbst gekochtes Drei-Gänge-Menü löffeln, bis der Magen rumort.

Bei aller Großzügigkeit der Mütter, liebevoll über die Macken einiger Muttertags-Überraschungen hinwegzusehen (oder sich wirklich zu freuen!), geht es gar nicht, dass Väter (wenn sie denn welche sind) an diesem Tag noch nicht einmal zu Hause bleiben. Die unterschiedlichen Kulturen, diese Tage zu begehen, sind bezeichnend für unser Rollenverständnis: Mutti als Stimme der Vernunft kümmert sich um die Rasselbande, auch an ihrem Ehrentag. Vati lässt lieber mal die Sau raus. „Ja, ja, das Kind im Manne“, wird der feucht-fröhliche Ego-Trip dann oft noch schöngeredet. Gerecht ist das nicht!

„Nächstes Jahr feier ich dann halt auch mal Muttertag!“, entgegnete ich angriffslustig einem früheren Freund, der als 22-jähriger Kindermuffel seine unglaublich fantastische Vatertags-Aktion schon drei Tage vorher in höhen Tönen anpries. Mir sollte es recht sein. Ich wollte mich nur ein wenig über ihn lustig machen. Als er sich meine muntere Ansage jedoch noch einmal durch den Kopf gehen ließ, wurde er bleich: „Was willst du mir damit jetzt sagen?“ Er bekam es mit der Angst zu tun. Schnell war seine Vatertags-Vorfreude dahin, während ich mein Späßchen hatte. Kinners, wer bei solchen Scherzen schon weiche Knie bekommt, dem sollte das Vatertags-Gelage schon aus Prinzip verboten werden.

 

Bilder: Imago