Wie ein Kaninchen einen Frauenkrieg entfachte

Huiii, in Nattis WG ist gerade Eiszeit angesagt. Natti und ihre Mitbewohnerin Tamara befinden sich quasi im Frauenkrieg, der vor allem aus gegenseitigem Anschweigen oder subtilem Angiften besteht. Zu Nattis Partei gehört eigentlich auch Mitbewohnerin Caro, die aber derzeit auf dreiwöchiger Fortbildung ist.

„Die hat’s gut“, seufzt Natti halb erschöpft, halb genervt, während wir es uns mit Wolldecke und Tee auf meinem Sofa gemütlich gemacht haben. In ihre WG mag sie momentan gar nicht gerne zurückkehren.

Eskaliert war die Situation wenige Tage zuvor – wegen eines Kaninchens namens Schotty! Es klingt so abstrus.

Tamara hatte Schotty als Gesellschaft für ihr erstes Kaninchen geholt. Doch die beiden Tiere kamen überhaupt nicht miteinander zurecht. Kaninchen Nr. 1 hörte nicht auf, Kaninchen Nr. 2 zu jagen und zu beißen. Kaninchen 2 wurde also wieder aus Tamaras Zimmer ausquartiert. „Und dann hat Tamara tatsächlich eine Art Freigehege im Flur gebaut!“, echauffiert sich Natti. Als sie und Caro der Kaninchenmama zu verstehen gaben, dass sie den Geruch von Heu und den Anblick von Kötteln im Flur auf Dauer nicht so dolle finden, zog Schotty in den Wintergarten um. „Sie wollte sich um einen neuen Besitzer kümmern, HAT sie aber nicht. Und Caro und ich sahen das arme Kaninchen tagein, tagaus alleine im Wintergarten hoppeln“, sagt Natti.

Eines Abends, als Natti und Caro gemeinsam mit einem Freund der WG gerade in leicht angeheiterter Blödellaune waren, beschlossen sie, Schotty zu neuem Glück zu verhelfen. Auf irgendeinem Portal im Internet erstellten sie eine Anzeige, schossen ein paar süße Fotos von Schotty und stellten das Ganze dann online. Am nächsten Tag meldete sich eine nett klingende Frau bei Natti. Freudestrahlend berichtete sie dann Tamara davon. Doch die guckte Natti nur wie ein Auto an und sagte erst mal nichts. Sie fand das alles gar nicht witzig. „Ihr habt MEIN Kaninchen im INTERNET angeboten?!“ In ihr braute sich ordentlich was zusammen. „Ich verkaufe doch auch nicht einfach dein Auto bei Ebay!“ Hä? Nun ja. Die Argumente einer gerade explodierenden Frau sind wohl nicht immer ganz einleuchtend.

„Sie ist völlig ausgerastet“, erzählt Natti, „dass sie sich weder ausreichend selbst um Schotty oder einen neuen Besitzer gekümmert hat, und dass das Kaninchen es bei einer Familie mit Garten besser haben könnte als in einem WG-Wintergarten, wo es nie eine grüne Wiese sehen wird – das blendet sie in ihrem Zorn wohl völlig aus.“

„Setzt euch doch mal alle drei zusammen, wenn Caro wieder da ist“, schlage ich vor. „Ach, ich hab gar keinen Bock mehr auf den Zirkus. Die führt sich auf wie die Königin.“ „Das heißt, du willst lieber weiter in einem Zuhause mit vergifteter Stimmung wohnen?“, frage ich. Statt einer Antwort bekomme ich Nattis Grummeln zu hören.

Mit nüchtern-logischen Argumenten braucht man einer aufgebrachten Frau eben auch nicht kommen.

 

Bilder: imago