Ich wollte nur feiern – doch wurde gehasst und gemobbt

Freitagabend, Party-Time! Halb Oldenburg tummelt sich auf dem Kramermarkt, ich aber bin zur Geburtstags-Party bei Nina und Florian eingeladen. Nina feiert und Florian kümmert sich um die Suppe. Ich bin ganz froh: Ein bisschen Ablenkung kann ich gut gebrauchen, nachdem sich meine Verabredung mit „Mr. Big“ – meiner flirty Hochzeitsbekanntschaft – zerschlagen hat. Ja, aus unserem Essen in der Großen Burg wurde nichts.

Warum? Ganz einfach: Jedesmal wenn ich versuche, auf Amors Pfad zurückzukehren, schlägt das Schicksal blind und wüst zu und zerstört mit einem Schlag jede Chance, dass sich überhaupt irgendeine zarte Liebesbande knüpfen könnte. Weniger poetisch gesagt: Einen Tag vor unserem Treffen, das auch an einem Freitag stattfinden sollte, bekam Jens ein Angebot von seiner Firma. Er soll die Geschäftsbeziehungen verbessern. In China. Ein halbes Jahr lang. Der Flug sollte bereits am Montag gehen.

Das alles erzählte er mir am Telefon und wir beschlossen im gegenseitigen Einvernehmen, das Essen zu canceln. Denn natürlich würde er das Angebot seiner Firma annehmen. So eine einmalige Chance sollte man nicht verstreichen lassen, da war ich ganz bei ihm. Wir zogen die Notbremse.

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Die Tür geht auf, da stehen Nina und Florian und ziehen mich hinein ins Partygetümmel. Ich lasse die blöden Gedanken hinter mir und freue mich auf Suppe, Tanz und ein paar witzige Plaudereien. Dazu soll es aber nicht so schnell kommen. Bis jetzt bin ich die einzige Single-Frau auf der Party. Das ist für mich kein Ding, das bin ich gewohnt. Aber: Ungewohnt ist für mich, dass niemand „hallo“ sagt und sich vorstellt. Da ich wohlerzogen bin, mache ich die Runde von Sofa zu Sofa, von Barhocker zu Barhocker – „Hallo, Bonny mein Name“. Die Leute sind etwas verdutzt, aber murmeln immerhin „moin“. Bin ich hier fehl am Platz? Oder klebt mir Zahnpasta in den Mundwinkeln? Alles schon gehabt, ich werfe einen Blick in den Flurspiegel. Alles gut, eigentlich sehe ich sogar ganz gut aus.

Florian versorgt mich mit Suppe, Nina begrüßt strahlend die anderen Gäste. Die einzigen beiden, die ich kenne, sind also beschäftigt. Ich stehe da, allein.

Ich versuche mich, in das Gespräch einiger Mädels einzuklinken. Die sehen echt sympathisch aus. Mein Glas Sekt und ich stellen uns dazu. Ich proste den Mädels zu, stelle mich noch mal vor. Sie drehen mir augenblicklich den Rücken zu, vertiefen sich in eine Diskussion über eine Freundin, die was gemacht hat, was ihnen nicht gefiel. Ich verstehe nichts und es geht mich ja auch nichts an. Na, dann eben nicht. Ich lasse die Mädels weiterlästern…, äh reden.

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Immer noch ganz fröhlich ziehe ich weiter, zu einem Jungs-Stehtisch. „Prost“, sage ich und gehe auf Konfrontationskurs: „Na, und ihr seid also die Kumpels von Flo?“ Sie schrecken zurück, schauen mich verwirrt an – und reden weiter. Das Thema ist Hausbau. Na, immerhin drehen sie mir nicht den Rücken zu. Ich hole mir also eine Suppe und stelle mich wieder dazu, obwohl ich bei Hausbau nun so gar nicht mitreden kann. Ab und zu sage ich auch mal was, aber bald fällt mir nichts mehr ein. Das Thema ist und bleibt Hausbau, egal was gerade in und um Oldenburg ansonsten für spannende Dinge passieren. Auch meine kleinen Comedy-Einlagen würdigen die Jungs nicht. Mir wird langweilig, ich bin überflüssig – und nicht nur das: Dazu bin ich noch der Stein des Anstoßes.

Warum? Denn die ignoranten Mädels mit der Problemfreundin sind auf meine Unterhaltung mit den Häuslebauern aufmerksam geworden. Eben diese Typen sind ihre Freunde oder Männer. Ihre Liebsten finden es gar nicht lustig, dass ich mich mit ihnen „unterhalte“. „Na, Schwester“, kommt die eine an, „was flirtest du hier so wild mit unseren Helden?“ Ich verschlucke mich an meiner Suppe und muss übelst husten. Ich bekomme einen Schluckauf. Das Leben meint es nicht gut mit mir. Flirten, was ist das? Durch ihre Mimik (böse Blicke in meine Richtung, schmachtende Blicke zum Stehtisch-Mann) und Gestik (Arm auf die Schulter legen, kleine Schmatzer hinters Ohr, also nicht hinter meines) markieren die Mädels ihr Männer-Revier und geben mir eindeutig zu verstehen, dass ich kleine Bitch das Feld zu räumen habe.

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Jetzt bin ich verdattert. Ich wollte doch nur reden, mich einklinken, mich etwas amüsieren. Nur weil ich allein hergekommen bin, muss ich doch bei einer Party nicht dumm rumstehen. Ich spreche bei solchen Gelegenheiten gerne mal mit Leuten, auch mit Fremden.

Bevor ein Ungewitter aufzieht, ziehe ich lieber in die Küche. Dort blockiert der einzige Single-Mann die Suppenausgabe. Er belustigt die gierigen Mäuler mit einem Spiel: Wer weiß die meistens Tiernamen mit A, B, C und so weiter? Das ist ja mega-lustig. Ich löffle noch eine Schale Rote Grütze und denke: „Alles Grütze hier!“ Buh. Warum gehen Leute auf eine Party, wenn sie sich mit niemand anders unterhalten wollen, als mit den Leuten, mit denen sie schon im Kindergarten waren? Das ist mir schleierhaft. Zum Glück ist mir so ein Party-Desaster noch nicht oft passiert. Die meisten Leute sind ja liebenswürdiger.

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Apropos liebenswürdig: Als ich mich um halb zwölf auf den Nachhauseweg mache, checke ich kurz meine Nachrichten. Mr. Big, also Jens, schreibt aus China: „Na, Süße, ich hoffe, du hast den Männern heute Abend ordentlich den Kopf verdreht. Na ja, aber auch nicht zu sehr, hoffe ich?“ Ich lächle. Die Welt ist doch verrückt, wenn der wüsste.

 

Übrigens: Einen Beitrag über Ausgrenzung am Arbeitsplatz hat Claudia verfasst.

Bilder: Imago