Holt mich hier raus, ich habe ein Date!

Uff, ich hab’s überstanden. Selten war ich so glücklich, endlich wieder zu Hause in trauter Einsamkeit auf meinem Sofa zu hocken. Allerdings löse ich mich nur langsam aus der Schockstarre. Nein, Claudi, ich war nicht auf einem Geburtstag mit frischgebackenen Muttis. Schlimmer: Ich hatte ein Date.

Mit 20 waren Dates noch schön und aufregend, mit 30 mutierten sie zu tückischen Spießrutenläufen. Früher unterhielten wir uns – stundenlang, wenn’s gut lief – über belanglosen Kram: Filme, Musik, Reisen. Von diesen Plaudereien kann ich heute nur noch träumen, heißt es doch sofort: Butter bei die Fische! Die überaus wichtigen Themen eines ersten (!!!) Dates im Torschlusspanik-Dschungel: Job, Geld, Familie. Aber erst, wenn man sich durch dieses vorausgehende Kreuzverhör geschickt durchmanövriert hat:

  1. Wie lange bist du denn schon Single?
  2. Und warum? Bist du etwa zu anspruchsvoll? Da kann doch was nicht stimmen!
  3. Bist du denn zufrieden damit?
  4. Wie lang dauerte deine letzte Beziehung?
  5. Und zwischendurch so? (Im Klartext heißt das: Wie viele Affären hattest du?)

Nach Frage 2 bin ich auf 180 und antworte: „Warum ich keinen Freund hab? Weil ich dumm und hässlich bin und dazu noch einen schlechten Charakter habe!“ Abgehakt, weiter geht’s. „Wie lang meine letzte Beziehung dauerte? Weiß ich schon gar nicht mehr – zu lange her!“ Dann fege ich die Cocktail-Gläser mitsamt Tischdeckchen vom Tisch und mache einen spektakulären Abgang, meine Handtasche im hohen Bogen gegen die Deckenleuchte schleudernd, Tür knallend.

061114 Halle Saale letzter Drehtag und Zorns letzte Zigarette Filmdreh Zorn- Vom Lieben und Sterben (zweiter Teil des Buches von Stephan Ludwig) Schauspieler Zorn : Stephan Luca , Schröder : Axel Ranisch Drehort Halle Magdeburger Straße 27 Polizeipräsidium Schauspielerin Saskia Rosendahl Verhör Hall Saale last Shooting and Anger last Cigarette Shooting Zorn of Loved ones and Die Second Part the Book from Stephan Ludwig Actor Zorn Stephan Luca Schröder Axel Ranisch Shooting Hall Magdeburg Road 27 Police Bureau Actress Saskia Rosendahl Interrogation

In einer Comedy-Soap würde man jetzt zurückspulen. Nein, das alles ist natürlich nie passiert. In Wirklichkeit verläuft die Szene so:

Weil ich ein halbwegs gutes Mädchen bin, beantworte ich brav eine Frage nach der anderen. Innerlich explodiere ich. Schließlich habe ich alle dreisten Fragen umschifft. Aber Pustekuchen, wer denkt, dass frau sich jetzt entspannt zurücklehnen und den Mann erzählen lassen könnte. Der Fragenkatalog ist längst nicht durch. Jetzt will mein Date tiefer in Bonnys Welt eintauchen und wissen, wie die Lady so tickt und in welchen Situationen sie wie reagiert. „Bist du launisch?“ Ich merke, wie sich Schweißperlen auf meiner Stirn bilden. „Bleibst du immer cool, wenn unvorhergesehene Dinge im Leben passieren?“ Ich hyperventiliere.

Dieser Typ versucht doch wirklich, auf die Ich-falle-mit-der-Tür-ins-Haus-Methode die Bonny-Betriebsanleitung auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. So funktioniert das nicht. Erstens, weil ich keinen Bock auf diese Fragen habe. Zweitens, weil ich zwar jetzt antworten könnte, dass ich nie launisch bin, aber was würde ihm das bringen? Vielleicht bin ich es ja doch und weiß nur selbst nichts davon. Überhaupt, warum sollte ich gleich alle Karten auf den Tisch legen?

Auf die zweite Frage würde ich als Sitcom-Figur gar nichts sagen. Ich würde einfach in mein Wonder-Woman-Kostüm schlüpfen und davonfliegen. Aber auch dieser Film gehört zurückgespult, denn die Wirklichkeit ist furchtbar zäh. Ich bin kurz davor, einen Kreislauf-Kollaps vorzutäuschen.

Dates mit 30 sind sooo anstrengend, wenn man kein Wonder-Woman-Suit hat. Wo sind denn all die Männer geblieben, die einem früher Filme pantomimisch zusammenfassten? Da hatte ich noch was zu lachen! Oder die einfach Musik auflegten, eine Zigarette rauchten und die Dinge auf sich zukommen ließen? Oder meinetwegen auch die wie mein Nachbar, die mich ohne Punkt und Komma mein ganzes Leben erzählen lassen, weil ihre Blicke eh längst in andere Regionen abgeschweift sind. Selbst die sind mir lieber!

Nächstes Wochenende verabrede ich mich auf jeden Fall wieder mit Claudia auf nen gemütlichen Schlummertrunk. Das ist irgendwie amüsanter. Ach ja: Bezahlt habe ich meine drei Date-Survival-Cocktails übrigens selbst – die Investition war ich meiner Verabredung nicht wert, was er unverblümt thematisierte: „Findest du es blöd, selbst zu bezahlen?“ Nö, überhaupt nicht… Alles gut… Auf Nimmerwiedersehen!

 

Bilder: Dpa, Imago

  • Alex

    Na, wer weiß, wie du über den „Fragenkatalog“(oder gar ein weiteres Date) gedacht hättest, wenn dir ein Ryan Gosling oder Brad Pitt (oder von wem auch immer du träumst)gegenübergesessen hätte….

    • Bonny

      Weißt du, wer mir gegenüber saß? 😉

  • Sehr schön geschriebener Beitrag; hat mir gut gefallen.

    Bei mir kam mit etwa Mitte Dreißig die Erkenntnis, dass sich dieser Quatsch („Dates“ oder besser „Verhöre“) nicht wirklich lohnt. Seitdem gehe ich viel entspannter durchs Leben… 🙂

    Gruß,
    Mr.Eagle

    • Bonny

      Hallo Mr. Eagle,

      danke, da freue ich mich.
      Schön, dass es auch noch entspannte Typen gibt!

      Viele Grüße von Bonny

  • Luigi

    Ja sei doch einfach mal ehrlich und sage ihm was du denkst. Sag ihm: “ Ich finde der Mann hat das erste Date zu bezahlen“ Falsche Höflichkeit bringt dich nicht weiter!

  • Werner Lorenzen-Pranger

    Ich habe schon etwas überlegt, ob ich auf diesen Quatsch überhaupt noch antworten soll. In welchen Kreisen, werte Bonny, verkehren sie eigentlich so? So eine Erfahrung ist doch wohl überflüssig wie ein Kropf, wenn sie gleich ihre angeborene Sensibilität eingeschaltet hätten. Nun bin ich ein paar Jährchen älter als dreißig – mehr als doppelt so alt – aber sowas habe ich noch nie gehört. Was hat sie denn an so einem Typen, besser Vollidioten, gelockt? Das Einkommen? Die „gesellschaftliche Stellung“? Ich habe meine Frau (60) gefragt und meine jüngste Tocher (22) – beide haben bestenfalls gelacht.

    • Bonny

      Moin! Ihre Meinung sei Ihnen gegönnt! Allerdings zwingt Sie ja nun wirklich niemand, auf Beiträge in einem Frauenblog zu antworten. Ich freue mich, dass Sie offenbar mit 30 Jahren bessere Erfahrungen mit Dates gemacht haben. Ihre Fragen finde ich auf jeden Fall inspirierend. Bestimmt schreibe ich auch irgendwann mal einen Blog darüber, was ich an Männern spannend finde. So viel kann ich schon verraten: Das Einkommen und die gesellschaftliche Stellung stehen längst nicht auf Platz eins. Viele Grüße, Bonny

      • Werner Lorezen-Pranger

        Gut, ein Beitrag von mir steht hier (noch?) nicht. Soviel aber zur Ergänzung: Ich hatte nicht mit dreißg Jahren ein „Date“, noch hatte ich je eins – bis heute mit 68. Ein „Date“ ist eine kommunikationstechnische Vereinbarung und ungefähr so dußlig wie „ich muß mal abschalten“. Auch das werde sie nicht meistern, denn abschalten kann man nur Maschinen, aber sicher keine Menschen.
        Wie war doch gleich der Schlagertext, der hier auch noch etwas Klarheit schaffen könnte?
        „Was sind das denn für Leute, die Beziehungen haben?
        Betrachten die sich denn als Staaten?
        Die verführen sich nicht,
        die entführen sich höchstens –
        die enden wie Diplomaten.“
        Sehen sie, genau ihre Erfahrung – auf dem spontaniitätsfeindlichen „diplomatischen Parkett“ eines „Date“ ausgerutscht. Partnerschaften entstehen wo anders, aber sicher bei keinem „Date“.
        🙂

        • Bonny

          Danke für Ihren Beitrag! Auch die „vermisste“ Antwort müsste jetzt da sein. Herzlichst Bonny

        • Fred

          Wenn es nur ums Wort Date geht. Nie mit der zukünftigen Frau verabredet? Nicht einmal unbewusst, wenn z. B. beide zum Tanzen gingen. Oder bewusst zum Baden oder zu einer Fahrradtour. Auch das waren Dates. Verabredungen mit festem Datum zu einer gemeinsamen Aktivitäten zwecks kennenlernen und gemeinsam Zeit verbringen. Manchmal in Gruppen, manchmal zu zweit.

    • Steph

      Ich muss ihnen zum Teil recht geben….mich hätte auch interessiert, WIE es zu so nem Date gekommen ist….

      Resterampe Internet(Fischkopf)?
      Poppbörse“Tinder“?
      oder..

      die Freundinnen wollten jemandem nen Streich spielen?

      • Bonny

        Weder noch. Auch das echte Leben hält einige Skurrilitäten bereit 😉

  • Werner Lorenzen-Pranger

    Wer ein „Date“ vereinbart \ macht – ja, wie nennt man das eigentlich – gibt doch damit schon zu, eher ein ziem!ich vernagelter Mensch zu sein. Wer Offenheit besitzt, lernt seine Partner irgendwo und überall – und vor allem spielerisch – kennen. Was mit der Hilflosigkeit förmlicher Verabredungen schon beginnt, kann doch nie etwas werden. Vermutlich werden deswegen heute so viel Ehen geschieden.

  • Jessica

    Das finde ich jetzt übertrieben mit den Scheidungen. Früher hieß Date vielleicht einfach nur anders: essen gehen, Spaziergang machen, zufällig der Dame des Herzens auflauern und die Schultasche tragen… Ich gebe Ihnen allerdings Recht, man sollte es in jedem Alter locker angehen. Merkt man, dass da Vorbericht kein Funke überspringt, hätte man ja trotzem eine interessante, kommunikative Erfahrung. Aber es stimmt: die Liebe kann man überall finden. Dazu drei schöne unterschiedliche Beispiele: mein Bruder: mit Tinder, jetzt glücklich zusammen und ein Baby:) , meine Schwester: in der Firma auf der Weihnachtsparty abgestürzt zusammen, seit 4 Jahren ein Paar. Ein Freund bin mir: Internetkontaktbörse: einige Dates, jetzt verheiratet, Haus und 2 Kinder. Es gibt nämlich kein Rezept, um jemanden zu finden:) auch wenn man schon mit seiner Frau verheiratet ist, sollte man sich Altersarroganz ersparen u frei den neuen Dingen gegenüber stehen:)

  • Jasmin

    Liebste Bonny,
    diese Dates finden leider in der Form nicht nur mit dreißig statt 😉 Die richtig qualifizierten Kandidaten legen schon mit 20-25 Jahren los und wundern sich dann, wieso mit 30 noch nicht eine Frau geschrien hat: JA ich will genau DICH!

  • Fred

    Der Unterschied zwischen „kennen lernen“ und „Bewerbungsgespräch“. Dem Gegenüber ging es vielleicht nicht darum dich kenne zu lernen, sondern seine Vorstellung der Zukünftigen mit dir abzugleichen. Der gute Mann hatte wahrscheinlich auch die ein oder andere Erfahrung hinter sich (wie Frauen auch) und da bildet sich mit der Zeit einfach ein „Anforderungsprofil“ (oder eine No-Go-Liste) heraus. Das ist Unterbewußtsein vielleicht nicht vermeidbar. Allerdings sollte er daraus kein Quiz zu seinem Wunschcharakter machen.

    Die klassische Date-Atmosphäre eines Restaurants begünstigt diese Fragerunden (die auch aus Verlegenheit sich unterhalten zu müssen entstehen). Wer bei der/den ersten Verabredung/en auf Aktivitäten setzt, fährt oft besser. Da ergibt sich das Gespräch einfacher und man kann ‚die Verabredung‘ beobachten anstatt sie zu befragen.
    Wenn der Umgang miteinander (erfolgreiche erste Dates vorausgesetzt) sich normalisiert, sind Restaurantbesuche auch keine Peinlichkeiten mehr.