Claudias Ausflug in die Fußfetisch-Szene

Wie bitte?! Ich starre auf mein Handy-Display. Dass man mitunter kopfschüttelnprovozierende Nachrichten erhält, wenn man eine Ebay-Kleinanzeige schaltet, hatte ich bereits erlebt, als ich eine Nachmieterin für meine alte Wohnung suchte. Aber was hier jetzt gerade abgeht… Es ist wie ein Unfall – ich kann nicht hinsehen, ich kann aber auch nicht wegsehen.

Letzte Woche bin ich mit Mirko aus dem Urlaub zurückgekommen. Erholt und beschwingt hatte ich endlich genug Motivation, um meinen Kleiderschrank mal wieder auszumisten.
Shirts, die mir mittlerweile zu girly-like waren.
(Tussi-)Schuhe, die zwar hübsch, aber doch etwas unbequem waren.
Kleider, die ich einfach doch nie angezogen hatte.

Zack – schnell breitete ich alle Klamotten der Reihe nach auf dem Wohnzimmerboden aus, fotografierte sie und klatschte sie ins World Wide Web. Obwohl ich lediglich in Stichworten alles beschrieb, brauchte ich für meine Anzeigen-Bastelei rund drei Stunden. Ich hatte mich gerade zufrieden aufs Sofa plumpsen lassen – da piepte mein Handy.

Auf einen Schlag waren sogleich mehrere Nachrichten eingetrudelt. Alle bezogen sich auf meinen zuletzt online gestellten Artikel: die türkisfarbenen High-Heels. Diese hatte ich für das Foto ausnahmsweise angezogen, weil sich die Bänder an diesen Schuhen sonst nicht so gut präsentieren ließen. Kurz hielt ich den Atem an. In was für einen Schmuddel-Filter war ich denn hier gerutscht?!

Mein erster Instinkt: Anzeige löschen! Sofort!
Dann dachte ich mir aber: Hey – ich will hier einfach meine Klamotten verkaufen. Wieso sollte ICH mich aufgrund irgendwelcher Fetischisten, die ihre Fantasien nicht im Griff haben und sich nicht benehmen können, einschränken in meinem Vorhaben?

Denjenigen, die eine „normale“ Anfrage stellten, versuchte ich normal-nett zu antworten. Allerdings rutschten auch diese „Gespräche“ direkt auf die schiefe Bahn.

 

 

Die meisten Männer fragten in der ersten Nachricht, ob die Schuhe noch zu haben seien.
Meine Fresse, natürlich sind die noch da, ich hab sie doch eben erst eingestellt und sie offensichtlich noch nicht wieder offline genommen!
Ich antwortete schlicht: Ja.
Auf Flirtereien, Komplimente oder sonstige Kontaktwünsche ging ich nicht ein. Ich glaube, Behauptungen der potenziellen Käufer, sie müssten erst mal (ihre Frau/Freundin?) nach der Größe fragen, waren an den Haaren herbeigezogen. Zumindest meldete sich z.B. dieser hier danach nicht mehr:

Eigentlich hat es nicht mal Sinn, dass ich die Namen in den Screenshots verpixelt habe – denn etwa drei Viertel der Männer haben sich das jeweilige Kleinanzeigen-Profil tatsächlich erst am Tag meiner Anzeige erstellt. Klar, unter dem Deckmantel der Anonymität trauen sie sich, ihre unseriösen Wünsche in alle Welt zu streuen.

Am nächsten Morgen hatte die Anzeige über 200 Aufrufe; meine anderen 13 Anzeigen kamen dagegen im Schnitt nur auf je 10 bis 20 Besucher.

Wie genau soll ich mir das hier vorstellen…?! (Nein, danke, ich will es gar nicht wissen.)

 

Ziemlich angewidert war ich von diesem Knilch hier, der mir sogleich Fotomaterial zukommen ließ, um zu verdeutlichen, welchen Hintergrund seine Frage nach der Höhe der Absätze hatte:

 

„So gehört das! … nur ein Kompliment“ – jaja, sie waren ja alle wahnsinnig nett:

 

Als dieser hier schrieb, hatte ich zwar von Anbeginn an ein ungutes Gefühl. Aber ich dachte mir: Vielleicht tu ich ihm ja auch Unrecht, und er will WIRKLICH einfach die Schuhe kaufen, die ich verkaufen will.

Und … tja. Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht.

 

Was genau stellt sich so jemand vor, der laut Profil (und zwar ein nicht gerade erst erstelltes) extra aus Hannover kommt, um eine Frau für 200 Euro an einem öffentlichen Ort High-Heels „kurz anprobieren“ zu lassen?!

„Och… so ein paar Mal Schuhe anprobieren, und du hättest den nächsten Urlaub wieder drin“, kommentierte meine Freundin Maja, „und du magst doch Schuhe!“

Einen Tag später löschte ich die Anzeige.

 

(Bild: imago)

  • Rapha de Pross

    Ich habe auch einen Fußfetisch, aber sowas widert mich an!