Genervte Bloggerin: Verschont mich mit euren Audiobotschaften!

„Heiße Info!“ Diese Nachricht ploppt gerade auf meinem Handy auf. Aha! Was gibt’s denn? Gierig warte ich auf die zweite Nachricht, die das Geheimnis lüften wird. Minuten vergehen, meine Neugier steigt – und dann kommt die Enttäuschung: Meine Freundin schickt eine Audiobotschaft! Ich breche innerlich zusammen. Wie soll ich die denn bitteschön anhören, jetzt, bei der Arbeit? „Heiße Info“ klingt nicht unbedingt nach einer Nachricht, die meine Kollegen auch mitbekommen sollten. Ganz abgesehen davon, dass ich jetzt überhaupt keine Zeit habe, mir eine Zehn-Minuten-Audiobotschaft anzuhören.

Denn sie hören sich gerne reden

Das geht mir echt auf den Keks: Ich kenne immer mehr Leute, die jede Menge sinnloser Audiodateien verschicken. Ich vermute, dass sie einfach zu faul zum Tippen sind. Oder ihre ach-so-geile Radiostimme mal wieder austesten wollen. Sie hören sich so gerne reden – und ich muss mir das endlose Gesabbel dann anhören. Um zu wissen, wann wir ins Freibad fahren. Wer was zum Grillen auf der Dobbenwiese mitbringt. Oder wo wir uns auf einen Kaffee treffen.

„Ja, hier ist das Lenchen, ich wollte mal hören, wann du heute Zeit hättest für einen Kaffee. Also nach der Arbeit fahre ich erst noch einkaufen, dann muss ich noch die Karten fürs Konzert abholen. Ich bin dann aber schon mit dem Fahrrad unterwegs, wir könnten uns dann also irgendwo in der City treffen. Vielleicht gehen wir mal wieder in das schöne Café in der Burgstraße. Na ja, sag mal, was dir vorschwebt. Danach können wir noch nach einer neuen Sonnenbrille schauen. Also, ich freue mich wahnsinnig auf dich, Küsschen!“

Mir rasseln die Ohren. Blablabla. Ich mag Lena wirklich, aber es geht auch einfacher:

„Um 16 Uhr Kaffee?“

„Ja klar! Wo treffen wir uns?

„Am Lappan wie immer?“

„Supi, dann bis später!“

Das ist eine Kommunikation nach meinem Geschmack. Das Tückische an Audiobotschaften ist nämlich: Ich muss sie mir auf der Stelle anhören, wenn es um Organisatorisches geht. Sonst ist es ja zu spät. Das Famose an meinem Leben aber ist: Ich habe manchmal keine Gelegenheit, mir eine Audiobotschaft anzuhören, weil ich in einer Konferenz sitze oder auf einer lauten Party bin. Ich kann die Nachricht dann also einfach nicht (an)hören.

Aber auch wenn ich gerade zuhören könnte, habe ich meistens keinen Bock drauf. Ich empfinde Audiobotschaften als lästige Zumutung im geschäftigen Alltag, manchmal gar als Belästigung. Ich weiß nicht, was mir jemand sagen möchte. Steht ein Überraschungsbesuch an? Will mir jemand die Freundschaft kündigen? Oder einfach nur eine Anekdote aus seinem Leben erzählen, die ich mir auch ganz getrost noch beim nächsten Treffen am Lappan anhören könnte?

Hörspiel mit Überlänge

Eine weitere Zumutung ist die Länge dieser Botschaften. Selten sind sie kürzer als drei Minuten. Und einige Spezialisten schaffen es, die wirkliche Nachricht ganz ans Ende ihres ungeheuer spannenden Hörspiels zu packen. Ich kann sie nicht unterbrechen, nicht bitten, auf den Punkt zu kommen oder irgendwie anders auf ihre Monologe reagieren. Audiobotschaften sind eine einseitige Kommunikation: Wer nicht hörig ist, hat keine Chance auf eventuell wichtige Infos.

Na ja, ich verzichte drauf! Mich kann keiner zwingen, wertvolle Minuten (!) meines Lebens zu verschwenden, nur um zu erfahren, wann man sich wo trifft. Außerdem hab ich meistens den Anfang der Botschaft schon wieder vergessen, wenn ich am Ende angelangt bin. Äh, was war jetzt eigentlich die Frage…? Der absolute Horror: eine Gruppendiskussion mit Audionachrichten. Wer hört sich das denn an?

Ausnahme: Es wird kompliziert

Wenn aber das Leben in Aufruhr ist, wenn eine Sache nach der anderen passiert, wenn es irre kompliziert wird – ja dann, und nur dann schicke ich auch schon mal eine Whatsapp-Audiobotschaft. Meine besten Freunde bekommen ein Update der neuesten Ereignisse, die viel zu komplex sind, um sie in eine schriftliche Nachricht zu verpacken. Liebeskummer, Streitigkeiten, Lebensumbrüche – wenn ich das alles niederschreiben würde, würde ich mir die Finger wund tippen.

Eine Audiobotschaft ist ein hübsches Format für die Verstrickungen des Lebens, wenn gerade niemand Zeit zum Telefonieren hat. Mehr nicht.

 

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Fotos: Imago