Pssst…! Hier kommt das Geheimrezept fürs immerwährende Liebesglück

Andrea kann es kaum fassen. Sie hat einen Neuen – und der entpuppt sich entgegen aller Befürchtungen als wahrer Glücksgriff. Wir sitzen gemütlich beisammen – endlich wieder Mädelsabend in der kleinen Bar am Rathaus – und schon nach drei Minuten flattern uns die Ohren. Wir wissen noch nicht, wie Schatzi heißt oder aussieht, aber wir wissen: Er kann kochen, tanzen, massieren, Dinge reparieren und sooo schön Klavier spielen. Aber das Beste ist: „Er hat uns einen Städtetrip gebucht. Einfach so und ganz alleine!“ Andreas Augen funkeln. „So was habe ich noch nie erlebt!“

„Na ja“, sagt Susanne trocken. „Der Mann ist erwachsen. Und er hat Internet.“ Andrea schnauft. „Trotzdem, so was habe ich noch nie erlebt! Dass einer das alleine hinbekommt. Bisher musste ich immer ALLES machen!“ Andreas sämtliche Ex-Freunde waren, liebevoll ausgedrückt, sehr lässige Typen. Sie lebten in den Tag hinein, machten so dies und das und haben alle noch Schulden bei ihr. Andrea war ihre Mutti, sie tat vieles für ihre Liebsten, aber die taten nichts für sie.

Susanne rollt mit den Augen. „Das waren doch alles Kinder.“ Aber Britta kennt das Problem. „Meiner macht auch nix!“ Sie muss ihrem Ralfi immer alles sagen. Er hat zu nichts Lust, ergreift nie die Initiative. Alles, was sie unternehmen, muss Britta planen: Ob sie mal wieder ins Kino wollen? Wohin wollen sie dieses Jahr in den Urlaub fahren? Ihr Liebster hat zu nichts eine Meinung. Am liebsten sitzt er auf dem Sofa und guckt eine Serie. Oder spielt Fifa. Er ist einer dieser Männer, die man zu ihrem Glück zwingen (oder verlassen) muss. Himmel, da kann ich ja fast froh sein, dass ich Single bin! Aber es geht auch anders.

Susanne lehnt sich gebieterisch zurück und verkündet in verschwörerischem Ton: „Darum, Mädels, hab ich nen gebrauchten Mann genommen.“ Wir schauen sie verständnislos an, warten ab. Gibt’s da jetzt noch eine Erklärung zu? „Ja, so einen, der schon mal verheiratet war“, sagt Susanne. Ah ja, wir kommen der Sache näher. „Der hat nicht nur in allen Lebensbereichen mehr Erfahrung. Der weiß auch ansonsten, wie der Hase läuft.“ Wovon redet Susanne? Das klingt doch allzu rätselhaft.

„Na, meiner ist sozusagen schon erzogen“, sagt sie. Er durchlief die harte Schule seiner Ex und ging als aufmerksamer, rundum angenehmer Mann aus dieser Ehe hervor. Er lässt keine Socken liegen, räumt auch schon mal die Spülmaschine aus. Er antwortet in angemesser Zeit auf Whatsapp-Nachrichten. Er fasst Pläne für die Zukunft, an denen er sie zum richtigen Zeitpunkt beteiligt. Überhaupt liest er ihr viele Wünsche von den Lippen ab. Susanne genießt seine Zuvorkommenheit, nutzt sie aber nie aus. Jedenfalls ist mir noch nicht aufgefallen, dass sie von seinen liebenswürdigen Angeboten übermäßig Gebrauch macht. Vielleicht ist es das, was er wiederum auch an ihr schätzt? Diese Anspruchslosigkeit. Die dafür umso größere Freude über kleine Überraschungen.

In Britta brodelt’s. Mir aber fällt es wie Schuppen von den Augen! Vielleicht ist er die Lösung: der gebrauchte Mann. Das könnte geradezu ein Trend werden. Aber woher bekommt man so einen? „Das ist kein Problem“, sagt Susanne, die immer eine Lösung parat hat – wenn auch nicht immer eine ernst gemeinte. „In der Nähe von Oldenburg gibt’s so ein Hotel, da steigen immer die gerade frisch Getrennten ab.“ Mein nächster Urlaub ist also geritzt. Andrea wiederum kennt eine Scheidungsanwältin: „Vielleicht kann die ein paar vielversprechende Kontakte herstellen“, sagt sie mit leicht ironischem Unterton. Das Leben kann so einfach sein. Wir witzeln noch ein bisschen herum. „Nie wieder Rohdiamanten“, ruft Susanne aus, schon ganz schön angeheitert. „Prost auf all die abgelegten Liebhaber, die uns die Zukunft versüßen werden!“

Britta reicht’s. Sie reißt ihre Handtasche vom Stuhl und zischt: „Tschüß, Mädels, ich muss jetzt nach Hause.“ Sie schaut wirklich sehr böse drein. „Ralfi erziehen!“ Sie will schon fast hinauslaufen, da setzt sie noch hinterher: „Damit eine von euch dummen Puten ihn in ein paar Jahren übernehmen kann. Wenn ich mir längst einen Jüngeren mit noch ganz anderen Vorzügen gesucht habe.“ Sie rauscht hinaus.

 

Bilder: Imago

  • TommyOLOL

    Richtig gut geschrieben! ;-))))