Fünf Dinge, die Männer im Affentempo in die Flucht schlagen

Das Single-Leben ist gnadenlos. Ein Fehler, ein unüberlegtes Wort, ein etwas zu deftiger Witz, ein Schritt weg von der makellosen Fährte, auf der man sich mit aller Anstrengung bewegt, und alles ist sofort wieder vorbei. Kaum hat man einen neuen Helden aufgegabelt, heißt es: Tschüss, das war’s! Es ist wie eine Prüfung: Mit jeder Antwort auf eine bohrende Frage kann man sich seine Grube selber bauen. Die Fallen liegen überall rechts und links am Wegesrand.

Ich habe in letzter Zeit den ein oder anderen tollen Typen kennengelernt. Aber sie haben mir nichts verziehen, keine kleine Marotte, keinen dummen Spruch, keine unvorteilhafte Kleiderwahl. Ich konnte meine wenigen außergewöhnlichen Seiten einfach nicht geschickt genug verbergen! Irgendwo blitzte immer was durch, was IHM zu schrullig, zu unheimlich, zu wenig alltagstauglich erschien. „Du bist ja ganz nett, aber…!“ Das ABER war riesig, in jedem Fall.

Jaja, Männer können sich viel erlauben – peinliche Schuhe, Saufgeschichten oder fortgeschrittenes Altsein – aber von uns Frauen wird Schicksein, Nettsein und Jungsein erwartet. Hier die fünf Dinge, die nach meiner Erfahrung mit großer Wahrscheinlichkeit jedem Interesse, jeder Verliebtheit, ein abruptes Ende setzen:

1. HUMOR ist die Eigenschaft, die Menschen am stärksten verbindet, sie auf der anderen Seite aber im Schnellverfahren auseinandersprengt, wenn es auf dieser Ebene nicht fluppt. Trifft feine Situationskomik auf derbe Mario-Barth-Sprücheklopferei oder fortgeschrittener Fäkal-Humor auf virtuosen Wortwitz, ist der Ofen ganz schnell aus.

Manch einen Witz oder eine ironische Bemerkung versteht man jedoch einfach nur nicht, weil man den anderen noch nicht kennt. Vielleicht würde man sich in drei, vier Wochen vor lauter Belustigung über die Wahnsinns-Gags auf dem Boden wälzen. Humor ist daher eine Frage des Zeitpunkts. In jedem Fall sollte man ihn nicht so ernst nehmen.

 

2. Der BERUF ist eine Sache, die man selten noch rückgängig machen kann. Beim Rendezvous würde ich aber manchmal gerne lügen. Mein Job gehört eindeutig in die Kategorie, die bei vielen Männern nicht so beliebt ist. Am liebsten wäre ich Grundschullehrerin. Ich kenne so viele Männer, die mit Grundschullehrerinnen zusammen oder sogar verheiratet sind! Da stehen Männer anscheinend drauf.

Vielleicht ist das so ein Komplex. Sie waren früher als kleine Jungs bestimmt alle in ihre Lehrerin verknallt und nun im Erwachsenenalter hat es doch noch geklappt. Oder sie mögen Lehrerinnen, weil sie ja auch wirklich oft sehr sympathisch und kinderlieb sind, und gleichzeitig wissen, was sie im Leben wollen.

 

3. ARBEITSZEITEN sind immer so eine Sache. Aber wer in Schichtdiensten arbeitet, hat bei den meisten Männern sofort einen dicken Minuspunkt. Außergewöhnliche, unregelmäßigere Arbeitszeiten finden sie doof. Das habe ich schon oft erlebt. „Mein Leben ist nicht so durcheinander wie deines“, heißt es dann schon mal ganz trocken.

Vielleicht ist das noch nicht einmal als Abschiedsgruß gemeint, aber übersetzt heißt das trotzdem: Das ist ein Problem für mich, ich habe überhaupt keine Lust mich mit deinem komplizierten Lebensrhythmus auseinanderzusetzen, du bist eine tolle Frau, aber bei der Prüfung leider durchgefallen. Kein Problem, das „Bewerbungsgespräch“ beende ich aus freien Stücken.

 

4. HOBBYS sind ein viel schöneres Gesprächsthema als die Arbeit, klar. Aber wehe dem, der ausgefallene Hobbys betreibt! Wer etwas Anderes oder Spezielleres als Kino, Joggen und Freunde treffen praktiziert, bringt den ein oder anderen Mann aus dem Konzept. Pole-Dancerin? Horror-Film-Liebhaberin? Rockband-Leadsängerin? Aufregend, eine hübsche Trophäe für die One-Night-Stand-Vitrine, aber leider nix fürs Leben.

Mit echter Leidenschaft betriebene Hobbys verunsichern Männer, ist meine Erfahrung. Vielleicht haben sie Angst, dass sie nur die zweite Geige spielen? Auf jeden Fall hagelt es auf mein „Hobby-Geständnis“ (Bogenschießen) jedesmal dumme Sprüche oder dämliches Grinsen.

 

5. KLEIDUNG ist ein großes Risiko. Was ich da schon alles gehört habe! Angesichts der vielfältigen, offenen Kritik ist es geradezu ein Wunder, dass sich überhaupt schon mal ein Mann auf mich eingelassen hat. Bitte keine Kleidchen, lieber keine High Heels (höhöhö, Claudia), besser keine Ohrringe, bloß keine bunten Hosen, erst recht keine T-Shirts mit Sprüchen, lackierte Fußnägel sind schlimm, lackierte Fingernägel noch schlimmer, bloß nicht zu viel Farbe ins Gesicht, hohe Stiefel sind zu nuttig, kurze Röcke zu kurz.

Komplimente über Komplimente! Alles schon gehört und alles geflissentlich ignoriert. Um sich durch eine unerwünschte Klamotte nicht ins Aus zu manövrieren, sollte man am besten nackt herumrennen.

Wie umschifft man nun erfolgreich diese fiesen Untiefen im unendlichen Meer der Makel? Auf sicheren Gewässern ist man auf jeden Fall unterwegs, wenn man die Route der Mittelmäßigkeit wählt. Man verzichtet auf Humor, beschreibt seine Arbeitszeiten als „flexibel“ und ist Hobbyköchin statt exzessive Grillmeisterin mit dem Titel „Deutschlands heißeste Brutzlerin“. So kann’s laufen, Zurückhaltung und Bescheidenheit können einen weit bringen, aber eben nicht bis ans Ende. Weil die Wahrheit immer ans Tageslicht kommt.

Darum habe ich mich für die knallharte Konfrontationsmethode entschieden: Alles aus meiner Erfahrung Unbeliebte wird sofort ausgepackt. Häppchenweise, aber stetig und ohne Gnade. Das schockiert, aber verkürzt unsinnige Anbandeleien und die naive Hoffnung auf ein gemütliches Zusammensein. Man verschwendet keine Zeit auf gähnend langweilige Odysseen mit unentschlossenen Leichtmatrosen.

Und ja, es ist unwahrscheinlich, aber möglich, dass man jemanden trifft, der diese Schocktherapie übersteht, weil ihm Anderes wichtiger ist. Und dann passiert es – derjenige entdeckt im Wirrwarr der blonden, braunen und fast schwarzen Haare doch tatsächlich… ein graues Haar! Ich halte den Atem an, jetzt ist es doch soweit, das nächste Luftschloss kracht zusammen, wie konnte ich so blöd sein und nicht rechtzeitig zum Friseur gehen? Himmel, was für ein Anfängerfehler.

„Seh ich da ein graues Haar?“, fragt derjenige mit hochgezogener Augenbraue. Ich schnaufe nur. „Keine Sorge, das sieht man doch gar nicht!“, sagt er, lacht und hält mich fest. Ich starre mit bösem Blick auf seine Haarpracht – und er sagt gar nichts mehr. Schlaue Entscheidung. Denn da sprießt nämlich mehr als nur ein graues Haar.

 

Bilder: Imago