Freundschaft auf Eis – Darum schwänzt Bonny eine Hochzeit

Zum Junggesellenabschied bin ich eingeladen, zur Hochzeit auch. Die Nachrichten aus der JGA-Whatsapp-Gruppe ploppen regelmäßig bei mir auf. Die Hochzeitseinladung hängt bei mir prominent an der Pinnwand. Das Problem: Ich habe Jana, die zukünftige Braut, schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen. Immer wenn wir verabredet waren, hat Jana abgesagt. Sie fühle sich nicht wohl, sie schaffe es nicht, sie habe zu viel Stress – was auch immer. Alles Ausreden?

Immer wieder kommt was dazwischen, wenn wir einen neuen Anlauf starten. Dabei wäre es so einfach: Jana wohnt nur ein paar Straßen weiter.

Auf meine letzte Einladung zum gemütlichen Dinner mit Freunden hat Jana gar nicht reagiert. Ihre Hochzeitseinladung hängt dennoch bei mir an der Pinnwand. Dabei weiß ich gar nicht, wen sie eigentlich heiratet. Ihren Liebsten hat sie vor einigen Monaten kennengelernt, ich habe ihn noch nie gesehen. Auch sonst bin ich völlig uninformiert: Hat sie ihren Job noch? Wie geht es ihrer Familie? Was ist im letzten Jahr passiert? – Dinge, die sich Freunde so erzählen.

Zwei Jahre nichts – und dann steilgehen?

Ein seltsames Gefühl. Die Hochzeit ist in einem Jahr. Wenn ich bis dahin nicht noch ein Lebenszeichen von Jana höre und wir uns mal wieder treffen, habe ich sie zwei Jahre nicht gesehen. Obwohl wir in der gleichen Stadt wohnen und eine Zeit lang ziemlich dicke waren. Gehe ich zu einer Hochzeit von einer Freundin, die ich eigentlich gar nicht mehr kenne? Die auch über mein Leben nichts mehr weiß? Ich glaube nicht.

Was soll ich da? Ich kenne ihren Freundeskreis genauso wenig wie ihren Verlobten. Ich wüsste nicht, was ich ihr schenken sollte. So eine Feier kann zäh werden, wenn man keinen Kontakt mehr hatte und auch die meisten Gäste nicht kennt.

Etwas ratlos bin ich schon. Schließlich gibt es keinen Grund dafür, dass diese Freundschaft auf Eis liegt. Wir haben uns nicht gestritten. Im Gegenteil: Wir hatten immer viel Spaß zusammen. Auch gibt es keine räumliche Distanz zwischen uns. Vielleicht hat sich Janas Leben verändert, vielleicht ist darin kein Platz mehr für mich. Das kann sein – und das wäre nicht schlimm. Manchmal ist das wohl so.

Ich habe beschlossen, ihre Einladung an der Pinnwand hängen zu lassen. Vielleicht gehe ich kurz zum Standesamt und gratuliere. Aber die Feier werde ich schwänzen. Bin ich da zu strikt, zu konsequent? Vielleicht. Aber was soll eine Freundschaft, bei der man nur die schönen Momente teilt, für Feste abrufbar ist und danach wieder in der Versenkung verschwindet?

Aus den Augen, aus dem Sinn. Und das in Oldenburg, wo man sich eigentlich dauernd in der Innenstadt trifft.

„Es war mir echt peinlich“

Aber es gibt auch andere Geschichten. Zu einem guten Studienfreund von mir hatte ich lange keinen Kontakt. Sein ganzes Leben hatte sich innerhalb eines Jahres völlig auf den Kopf gestellt. Schließlich meldete er sich wieder, rief mich an, erzählte, was alles passiert war. „Es tut mir so leid, dass ich mich so lange nicht zurückgemeldet habe“, sagte er. „Es ist mir echt peinlich. Ich habe mich fast nicht getraut, anzurufen.“

Vorher war ich ein bisschen enttäuscht gewesen, aber sein Geständnis wischte dieses Gefühl sofort weg. Ich wollte Versöhnung. Und es war echt eine Erleichterung, seine Stimme zu hören, sich auszutauschen, zu wissen, dass man sich noch was zu sagen hatte.

Wäre es mit Jana auch so? Wahrscheinlich.

 

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Bilder: Imago