Bonny denkt immer nur an das Eine

Er knurrt schon wieder. Laut und fordernd. Seid froh, dass das hier kein Podcast ist! Sonst dürftet ihr euch das jämmerliche Gegrummel meines Magens mitanhören. Weil ich gerade sowieso an nichts anderes denken kann, schreibe ich heute mal übers Essen.

Ich könnte jetzt einen Burger verschlingen. Oder eine Pizza. Oder meinetwegen auch einen riesigen Berg Grünkohl mit Pinkel. Nein, ich bin keine Frau, die sich mit Salat und Nachtisch zufriedengibt. Das war ich noch nie. Schon als kleines Mädchen bin ich in meinen Träumen im Schlaraffenland wandern gegangen. Dort hingen die Würstchen an den Bäumen, und die Pralinen konnte ich vom Strauch pflücken. Herrlich!

Alle meine Gedanken drehen sich gerade um fette, deftige Speisen. „Boah, hab ich einen Schmacht!“, verkünde ich gerne mal laut und ernte dafür mitleidige Blicke. „Ich könnte ein ganzes Hähnchen verdrücken!“ Bei Feiern sorgt mein offenherziges Bekenntnis zum „gesegneten Appetit“ – wie meine Oma meinen Hunger immer mit einer Prise Stolz in der Stimme beschrieb – oft für Irritationen.

Während die meisten Frauen sich nur zaghaft am Büffet bedienen – ein paar Salatblätter, eine Kartoffel, ein halbes Steak – schaufel ich mir ordentlich was auf den Teller. Nicht zu viel, aber auf jeden Fall genug zum Sattwerden. Ich frage mich, wie die anderen Partymäuschen die lange Nacht überstehen wollen. Oder wird die Hose zu eng, wenn sie vernünftig zulangen?

Verdachtsmomente am Büffet

Nach dem ersten Gang reihe ich mich noch mal in die Büffetschlange ein und hole mir noch einen kleinen Nachschlag. „Schwanger?“, fragt mich die Bedienung an der Büffettheke und setzt einen verständnisvollen Blick auf. „Ne – Sie etwa?“, frage ich und lasse meine Augen über ihre am Bauch schlecht sitzende Küchenschürze gleiten.

Auch bei Dates hat mein fröhliches Essverhalten schon für komische Momente gesorgt. Er bestellt sich einen kleinen Snack, ich einen riesigen Teller Curry oder Pasta oder Gyros. „Echt, willst du jetzt richtig groß was essen?“, fragt er entsetzt, weil er schon vermutet, dass das nichts wird mit uns. Und dann möchte er nicht von einem Berg Fleisch an der Flucht gehindert werden. Oder er befürchtet, das teure Mahl bezahlen zu müssen.

Ich habe aber einfach nur Hunger, natürlich auf meine eigenen Kosten. Weil ich den ganzen Tag unterwegs war und es nicht geschafft habe, mir zu Hause noch schnell ein Käsebrot zu schmieren, um bloß nicht mit einem Riesenloch im Bauch im Restaurant aufzuschlagen. In einem Restaurant!!!

Hier lest ihr den Beitrag: Holt mich hier raus, ich habe ein Date!

Mein Appetit besiegt meine Angst vor einem misslungenen Rendezvous. Da muss ich durch. In einem guten Restaurant gebe ich mich ungerne mit einer minimalistischen Vorspeise zufrieden. „Frauen essen doch meistens Salat“, heißt es dann. „Oder Suppe.“ Ja, vielleicht gibt es Frauen, die im Restaurant „nur was kleines Leichtes“ bestellen, um einen guten Eindruck zu machen. Frauen, die gerne essen, kommen schnell als gefräßig und maßlos rüber. Was steckt dahinter?

Deftig ist nicht sexy

Wer sich einen Burger oder einen Berg Gyros reinfährt, wirkt nicht gerade fein und elegant, also wenig weiblich. Es gibt Gerichte, die weit entfernt von sexy sind. Männer essen die aber trotzdem, auch bei hoffnungsvollen Dates. Seltsam. Frauen verzichten auf deftigere Gerichte. Vielleicht wollen sie der Verabredung auch keine Angst einjagen. Wenn er sie so löffeln sieht, könnte er ja denken, dass die Kilos mit der Zeit ganz schön in die Höhe gehen.

Zum Glück habe ich ein paar gute Freundinnen wie zum Beispiel Andrea. Mit der kann ich nach Lust und Laune schlemmen. Im Frühling veranstalten wir ein Angrillen, im Winter gehen wir gerne mal in Restaurants, die „Ratskeller“ oder „Zum Ochsen“ heißen. Im Frühling fahren wir nach Dangast, zum Fischessen. Wir essen alles. Es darf gesund sein, vegetarisch, fleischlastig, vegan, international, süß, scharf – es geht uns um den Genuss. Und den lass ich mir durch irritierte Blicke und dumme Sprüche am Büffet nicht verderben.

Fotos: Imago