Entspannung von der Märchenhochzeit: Unser Anti-Romantik-Blog

Was würden viele Frauen nicht alles geben, um heute in der Haut von Meghan Markle zu stecken. Keine Frage, es ist die Party des Jahres: Die erfolgreiche, bezaubernde und selbstbewusste Schauspielerin heiratet den charmanten Prinzen. Es ist wie im Märchen – alles so perfekt, alles so wundervoll, alles so rundum romantisch!

Romantik pur – wirklich? Ich sage nein! Was man hinter all den Blümchen, Hütchen und Liebesschwüren nicht auf den ersten Blick sieht: So eine Hochzeit ist kein Spaß!

Mitten im Meer der Gefühlsduseleien will ich mit ein paar Illusionen aufräumen. Und dafür muss ich keinen Bogen in Meghans Vergangenheit, zum Fernbleiben ihres Vaters oder gar zur hohen Scheidungsrate der Royals spannen.

Schon ein paar brautspezifische Probleme zeigen, wie unromantisch so ein Tag ablaufen kann.

Wir sehen die Braut – sie ist so prinzessinnengleich schön. Was wir nicht wissen: Schon Monate vorher verzichten viele Bräute auf jegliche Tafelfreuden, um in das Brautkleid zu passen. Und dennoch ist es viel zu eng, sie bekommen beim Schreiten vor den Traualtar, völlig abgeschnürt, keine Luft mehr. Aber es geht ja gerade erst los! Die Braut muss nach der Trauung noch einen Glückwunsch-Marathon überstehen, bei dem ihr das Dauergrinsen im Gesicht einfrieren wird. Hinzu kommt: Während anderen das Pipi in den Augen steht, muss sie vor Aufregung schon wieder. Aber wie? Ohne die Hilfe von mindestens drei Brautjungfern kann sie sich ja gar nicht aus dem Traum in Weiß befreien.

Muttis Schweinebraten ist nichts dagegen

Aber es kommt noch schlimmer. Es gibt Essen ohne Ende, dagegen ist der sonntägliche Schweinebraten bei Mutti in Ostfriesland gar nichts. Und die massige, rahmige Hochzeitstorte muss ja auch noch ins Bäuchlein passen. Hinsetzen kann sie sich dann nicht mehr – in dem Kleid! Was für einige ein Festmahl ist, kann für die Braut zur Qual werden. Und dann muss sie noch mit der ganzen buckeligen Verwandtschaft – und in Meghans Fall auch noch mit der geladenen Prominenz – fröhlich plaudern und langwierige Fotosessions über sich ergehen lassen. Auch ach-so-witzige Partyspielchen und peinliche Diashows können zum Hochzeits-Trauma werden.

Zugegeben, ich habe mich nie getraut. Aber miterlebt habe ich das alles schon, als Freundin, als Chauffeurin, als Partyfotografin. Mitsamt Nervenzusammenbruch der Braut, Fremdschämen der Gäste und dem ersten Ehestreit vor versammelter Mannschaft. Alles nicht schlimm, aber auch nicht zauberschön.

Heiß auf die Hochzeitsnacht

Vielleicht gibt es eine Hoffnung, die Braut und Bräutigam durch den schönsten Tag ihres Lebens bringt: eine heiße Hochzeitsnacht. Aber auch hier sind Zweifel angebracht. „Unsere Gäste bringen wir in Schlafzimmer, Wohnzimmer und Gästezimmer unter“, erzählte meine Freundin Lena vor ihrer Hochzeit. „Wir pennen im Keller.“ Als ich sie entsetzt anschaute, schob sie hinterher: „Guck nicht so, nach der Feier läuft doch eh nichts mehr!“ Zu müde, zu betrunken oder brüllender Nachwuchs: „Eine Hochzeitsnacht im klassischen Sinne, wie man sich das so vorstellt, hat doch echt niemand!“, klärte sie mich weiter auf. Bummms, spätestens da war ich mit Haut und Haar in der Realität angekommen.

Eine Hochzeit als Pforte in den Romantik-Himmel? Sicher können Braut und Bräutigam diesen Tag genießen, wenn sie sich bewusst machen: All diese Gäste sind gekommen, um sie zu feiern! Egal, ob buckelige Verwandtschaft oder Buddys aus der Schulzeit – alle mögen sie und haben sich diesen Tag schon vor langer Zeit freigehalten und auch oft lange Wege in Kauf genommen, um zu ihnen zu kommen. Das ist bestimmt das beste Gefühl, was das Hochzeitspaar durch den Tag tragen und auch ein bisschen schweben lassen kann.

Das ist echte Romantik

Die wahren romantischen Momente im Leben sind aber doch eher die kleinen. „Unsere Hochzeit? Pah!“, sagte eben jene Lena auf meine Frage, ob das nicht ihr schönster und romantischter Tag im Leben gewesen sei. „Nein, das romantischte, was ich erlebt habe, war was ganz Anderes.“ Der erste Kuss? Der Antrag? „Ach, Quatsch!“, sagte sie und rollt mit den Augen. „Mein romantischtes Erlebnis hatte mit Pipi zu tun – und zwar nicht in den Augen.“

 

Sie lacht schallend und erzählt: „Ich war Kalle mit zelten und musste mitten in der Nacht zur Toilette. Dafür musste ich aber im Dunkeln über den ganzen Campingplatz laufen. Als Kalle wach wurde, stand er mit auf und nahm mich an die Hand. Er brachte mich zum Klohäuschen, weil er genau wusste, dass ich zwar auch allein gelaufen wäre, aber es schon etwas unheimlich gefunden hätte. Das war für mich eine besonders romantische Situation.“

Meghan und Harry, ich wünsche euch also viele Campingplatz-Momente fernab von Roten Teppichen und Selfie-Jägern, die euer Leben verschönern und eurer Hochzeit die Krönung aufsetzen!

 

Bilder: Imago, dpa

 

Hier unsere weiteren Blogs zum Thema Heiraten:

Jungesellinnenabschied – das Ende der Zivilisation

Mit den Mädels im Brautkleid-Laden: Alle Spielverderber hier

Bonny gerät auf Hochzeitsmesse ins Kreuzverhör

Ich brauche keinen Schlüppi, Mama!

Bonny trifft ihren Mr. Big oder: Liebe auf den ersten Blick