Wahnsinn, Papa hat sich ein Smartphone gekauft!

Zum Glück habe ich noch Geschwister, ich kann es nicht oft genug sagen. Geschwister sind ein Segen! Nicht nur hatte ich in meiner Kindheit immer wen zum Spielen und Streiten, war nie allein und konnte immer die „Schuld“ für Faxen und Missgeschicke auf andere schieben – auch habe ich jetzt ein wesentlich leichteres Leben. Denn: Ich bin nicht die einzige Person, die meinen Eltern im digitalen Zeitalter das Händchen halten muss.

Ja ja, zunächst ist das ja alles ganz niedlich: Wie sie da mit ihren Wurstfingern auf dem Display rumhacken, als hätten sie immer noch Zentimeter-große Tasten eines 80er-Jahre-Telefons vor sich. „Du musst das arme Handy nicht schlagen“, kann ich da nur raten. „Es hat dir nichts getan.“ Dafür tut das verrückte Telefon jede Menge lustiger Dinge, unter denen andere dann „leiden“: leere SMS, SMS mit seltsamen Wörtern, mit unscharfen Bildern, rätselhaften Links…

Manchmal tun sich Überraschungen auf: Per Messenger erreichte mich letztens ein Link zu einem Video mit Eminem, der rappenderweise über Trump lästert. Als ich auf den Absender schaute, war ich doch erstaunt: von meinem Vater! Was hat der denn mit Eminem zu schaffen? Vor allem aber war ich stolz, dass er es eigenhändig geschafft hatte, einen Link zu verschicken. Dazu sind ja schon ein paar Schritte nötig.

Da mein Vater aber ein aufgeschlossener, interessierter Mensch ist, der mir öfter überlebenswichtige Informationen zukommen lässt, wunderte ich mich jedoch nicht weiter über den Inhalt. Vielleicht hatte er mal etwas bei Youtube herumgestöbert. Und die aktuelle US-Politik treibt ihn ja um.

Natürlich stellte sich das gesamte Verlinkungsmanöver im altmodischen Telefongespräch als purer Zufall oder Irrtum heraus. „Wusste gar nicht, dass du Eminem-Fan bist!“, merkte ich an – worauf er gestand: „Ja, ne, mit dem Link… Ja, da weiß ich auch nicht, was passiert ist. Ich habe nichts gemacht!“ Soso.

Joyful, joyful…! Weihnachten ist ein Fest der Liebe, der Familie, blablabla. Seit spätestens 1996 ist Weihnachten auch ein Fest der technischen Auseinandersetzungen. Die Gelegenheit des beschaulichen Beisammenseins wird genutzt, um mit allen Problemen, die während des Jahres so aufgeploppt sind, aufzuräumen. Wobei die Beschaulichkeit dann ein Ende hat. Meistens funktioniert der ganze Computer nicht mehr, weil er sich einen Virus eingefangen hat, weil das Anti-Viren-Programm seit drei Jahren kein Update mehr bekommen hat, weil ja außerdem das Internet eine zeitlang kaputt war… Und so weiter und so fort.

So ein Weihnachtsfest lohnt sich also richtig! Hat man sich als hart arbeitender Mensch zwei, drei Tage digitaler Abstinenz und dafür analoger Völlerei erhofft, hat man sich gründlich vertan. Man ist kein Kind mehr, man hat zu tun. Am besten würde man seinen Eltern gleich eine Beratungs-Flatrate schenken, als Gutschein.

Direkt unterm Tannenbaum installieren wir also Apps auf Papas Smartphone, weil sich ja im Laufe des Jahres niemand die extra von mir verfasste Playstore-Anleitung durchgelesen hat. Vielleicht war die E-Mail nicht angekommen? Wir erklären, wie man Fotos und Audios verschicken kann. Aber bloß nicht zu lange und zu viele Audios!, trichtern wir ihnen gleich aus purem Selbstschutz ein. Wir legen Gruppen bei Whatsapp an, mit dem strengen Hinweis: „Das was du da reintippst, können dann alle in der Gruppe lesen. Also bloß nicht lästern!“

Hach, ein bisschen Spaß macht es schon. Aber auch nur, weil in meinem Fall die Geschwister den wirklich ernsten Part übernehmen: das Wieder-in-Gang-setzen des Computers, das Formatieren von Festplatten, das Suchen nach verlorenen Daten. Schön, da bin ich fein raus und darf ein Buch lesen.

Selbstkritisch muss ich sagen: Ich weiß, ich bin ein kleines Biest. Hier so hemmungslos über die Mühen meiner immerhin technikinteressierten, wenn auch nicht besonders begabten, Eltern herzuziehen, ist wirklich verräterisch. Auch minimiert meine derbe Lästerei sicherlich die Chance auf dicke Weihnachtsgeschenke. Das Thema „Eltern und Technik“ beschäftigt nicht nur mich.

Schon oft habe ich mich mit Susanne und Andrea in einer Art Gruppentherapie darüber ausgetauscht. Susanne erinnert uns dann immer an andere Zeiten: „Jetzt regt euch nicht so auf! Wer hat euch denn früher ohne Murren die Windeln gewechselt? Wer hat mit viel Geduld euch laufen und sprechen beigebracht?“ So kann man es sehen, wir sollten uns in Geduld üben.

Zumal wir selbst auch nicht unfehlbar sind. Und dann ist die Großzügigkeit und Weitsicht der Eltern umso beeindruckender. Wer je schon mal eine pikante Whatsapp aus Versehen an die Mutter statt an den Freund geschickt hat, weiß: So eine Peinlichkeit wird nie zur Sprache gebracht, sondern diskret unter den Tisch fallen gelassen.

Man atmet nur leise auf, auch wenn einem die nächste spitze Bemerkung auf den Lippen liegt. Denn dass das Missgeschick nicht groß und schmutzig beim Weihnachtsessen ausgebreitet wird, hat in Wahrheit nur einen Grund: Der Akku ist leer, das Handy liegt irgendwo in der Ecke, das Ladekabel ist weg, der Pin-Code unbekannt und die Nachricht – wie könnte es anders sein – ungelesen.

Aber an der Stelle schweigt man lieber und kümmert sich lieber schleunigst um ein ordentliches Weihnachtsbraten-Update.

 

Bilder: Imago

  • Brummi Bär

    GÄÄÄHN; seid mindestens 5 Jahren geistert das Thema durch die Programme von Mehr – oder Minderbegabten Comedians. Ich musste erst mal schauen, ob dieser Artikel wirklich von heute ist oder ob die arrogante ( aber vielleicht auch technisch unbegabte Tussi ) versehentlich einen Artikel aus 2013 hochgeladen hat…

    • Bonny

      Hallo lieber Brummi Bär,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Das Thema ist nicht neu – da hast du völlig Recht. Aber welches Thema ist schon komplett neu?
      Also die Gegenfrage: Welches neue Thema würde dich denn mal interessieren?

      Herzliche Grüße von
      Bonny

    • Bonny

      Hallo lieber Brummi Bär,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Das Thema ist nicht neu – da hast du völlig Recht. Aber welches Thema ist schon komplett neu?

      Also die Gegenfrage: Welches neue Thema würde dich denn mal interessieren?

      Herzliche Grüße von

      Bonny