Ein halbes Blind-Date

Jetzt steht es fest. Ich hab’ morgen Abend ein Date. Ganz ohne Internet-Dating. Ich bin selbst noch unentschlossen, wie ich das finden soll. …bzw. „ihn“.

Also. Ich bin vorgestern noch mal mit Bonny für ein zwei drei Becherchen Feuerzangenbowle zum Lambertimarkt geschlendert.

Wir hatten es uns gerade an einem Stehtisch in der Ecke wohlig-gemütlich gemacht (na gut, dazu mag die Feuerzangenbowle ihr Übriges beigetragen haben), da kommt so’n Typ von der Seite an und fragt, ob er das Schälchen mit dem Gewürzspekulatius mal haben kann. (Als würde ich das freiwillig rausrücken.)
Kurze Zeit später stand er dann mit seinem Kumpel, Sven, bei uns am Tisch, und wir hatten einen wirklich heiteren Abend zusammen. Tjaaaa, und als wir wieder auseinandergingen, hat Sven mir seine Visitenkarte (VISITENKARTE!) in die Hand gedrückt. Ich – betüddelt von der Feuerzangenbowle und mit guter Laune vollgetankt – hab seine Handynummer direkt ins Handy eingespeichert. Und dann is mir nix Besseres eingefallen, als ihm zu schreiben: „Ha! Du hast ja WhatsApp.“ (Jahaaa, ich sagte doch schon: Ich war betüddelt…)
Er hat prompt geantwortet. Sowas mag ich ja. Er schrieb: Klar. Extra für dich.

 

Geh’n wir mal’n Kaffee trinken Bratapfel essen?

Nun ging die WhatsApp-Plauderei gestern und heute ein bisschen hin und her. Und dann fragte er, ob wir nen Bratapfel zusammen essen. *lach* Weil ich ihm so davon vorgeschwärmt hätte und er noch nie einen gegessen habe. Fand ich ja auch ganz niedlich. Aber ein harmloses WhatsApp-Geplänkel in ein Date auf dem Weihnachtsmarkt münden lassen, wollte ich das? Ich fing an zu überlegen: Wie sah der noch mal aus? Wir hatten nur etwa 1,5/2 Stunden zu viert zusammengestanden, ich konnte mich gar nicht mehr richtig an ihn erinnern… Im Grunde wusste ich doch NICHTS über ihn! Ein wildfremder Mann, der womöglich schon sonst was verbrochen hatte!

Aber: Was soll’s, hab’ ich mir gedacht, und ihm eben für morgen Abend zugesagt. Auf dem Weihnachtsmarkt inmitten vieler Leute kann mir ja nichts passieren.

Es ist gewissermaßen ein halbes Blind-Date.
…hoffentlich verstehen wir uns nüchtern überhaupt.

 

Keep in touch

Doch davon mal ganz abgesehen: Es ist mega praktisch, jemanden während einer feiertagsreichen Zeit kennenzulernen. Es gibt SO viele günstige Gelegenheiten, beispielsweise mit einer kleinen „Frohe Weihnachten!“-Nachricht, miteinander in Kontakt zu bleiben. Ohne aufdringlich zu wirken. Also praktisch auch für Männer, die sonst eher etwas zurückhaltender sind bzw. nicht wissen, wie sie der Frau, in die sie insgeheim verliebt sind, zeigen könnten, dass sie an ihr interessiert sind.

Die Gunst der bezaubernden Weihnachtszeit nutzt zum Beispiel dieser nette Kerl in „Tatsächlich Liebe“:

Und umso praktischer auch für uns Frauen, wenn wir etwaige Gefühle nicht erwidern und uns mit einem simplen, aber effektiven „Danke, dir auch!“ aus der Lieber-doch-nicht-Romanze ziehen können. Dann kommen beide unbeschadet aus der Nummer raus.

Naja, und wenn die Begierde beidseitig ist – perfekt! Dann kann man eine entsprechende Antwort zurücksäuseln, Folgefragen stellen usw. 🙂

Apropos Fragen. Bonny soll mir jetzt mal erzählen, ob sie sich vielleicht noch genau daran erinnert, wie mein halbes Blind-Date überhaupt aussah…

 

 

Bilder: Thies Engelbart, Torsten von Reeken