Die drei magischen Worte

Huhu, da draußen! Weihnachten überstanden?

Und – habt ihr sie gesagt in diesem Jahr, die drei besonderen Worte, die zu keinem Zeitpunkt so häufig ausgesprochen werden wie jetzt? Ich habe sie mal gegoogelt.

In Jogginghose (irgendwie gemütlicher nach Weihnachten) und mit neuen Schneemann-Socken auf dem Sofa herumflezend, wollte ich wissen, was gerade so abgeht in der Welt. Auf gut Glück tippte ich also die drei magischen Worte der Stunde ein: „zwischen den Jahren“. Vom Netz erhoffte ich mir Vorschläge, was ich in diesem Zeit-Vakuum zwischen Weihnachten und Jahresbeginn anfangen könnte. Die ersten Suchergebnisse ließen jedoch mit wenig Abwechslung rechnen.

Zwischen den jahren

Herrlich? Na ja! Ich fühle mich gefangen in der Zwischenwelt, im Niemandsland zwischen Ende 2015 und Anfang 2016, egal wo ich bin: in der Badewanne, vorm Kaminfeuer, beim Spazieren gehen in der leergefegten Innenstadt. Ich beobachte, wie das Wasser gurgelnd abfließt, wie das Holz knisternd abbrennt, wie die Radfahrer, die an mir – wuuusch – vorbeisausen, am Horizont schnell kleiner werden. Mir fällt nur noch ein Wort ein: Melancholie, grenzenlose!

Stadt

Zurück zu Hause lese ich irgendwo, dass die Zeit zwischen den Jahren etwas Besonderes ist. Weil man selten so spürt, wie sie vergeht. Aber dann. Das stimmt. Sie zerinnt mir langsam, aber stetig zwischen den Fingern. Wie Sand. Nur schmerzhafter. Ich klammere mich an einer Tasse mit kaltgewordenem Tee fest und schaue aus dem Fenster. Sinnierend – bis ein Blick zu mir herüberblitzt.

Strahlend winkt mir mein Nachbar zu. Der ist auch immer in Festtagslaune! Grinsen, Winken, stürmisches Zwinkern, wenig später habe ich eine Nachricht auf dem Handy: „Hallo, mein Weihnachtsengel!“ – „Hallo!“ Mehr fällt mir nicht ein. Und in dem Moment verstehe ich schlagartig den Sinn der Zeit „zwischen den Jahren“.

Es ist die Zeit, in der wir keine Entscheidungen treffen müssen. In der alles so bleibt, wie es ist. In der wir geruhsam Weihnachtsplätzchen und Erlebnisse des vergangenen Jahres verdauen können und nichts, nichts, einfach gar nichts Neues passiert – außer ein gutes Buch oder maximal ein träger Anruf.

Ein Passant geht am Freitag (26.12.2003) in der Frankfurter Innenstadt an einem Plakat vorbei, das einen Weihnachtsmann im Schwimmbecken zeigt. Nach soviel schöner und anstrengender Bescherung für Jung und Alt hat der Weihnachtsmann nach den Feiertagen seine Erholung wohl verdient. Foto: Arne Dedert dpa/lhe

Alles liegt auf Eis. Und wir auf dem Sofa. Ob wir noch immer mit der neuen Freundin unseres Ex auf Facebook befreundet sind. Ob wir nun ein neues Sofa kaufen oder nicht. Ob wir unser Herz verschenken oder lieber behalten. Alles egal. Dafür ist jetzt nicht die Zeit. Einerseits quält mich diese Untätigkeit, andererseits nehme ich sie wohlwollend in Kauf. Die Welt bewegt sich, aber ohne mich. Niemand erwartet was von mir, außer ein paar guten Vorsätzen.

Es ist die Zeit der Träume, die noch niemand zu zerstören geschafft hat. Es ist die Zeit, in der wir zu nichts „ja“, aber auch nicht endgültig „nein“ sagen müssen – frei nach dem Motto: Kommt Zeit, kommt Rat…

Bevor ich gänzlich abschweifen kann, werde ich schon wieder abgelenkt. Mein Handy. Der Nachbar. „Hab dich schon ein bisschen lieb“, schreibt er. „Ich dich auch“, tippe ich ganz automatisch, obwohl ich ihn ja eigentlich gar nicht kenne – denn: Was soll’s, wir befinden uns im abgefahrenen Niemandsland an der Grenze zu 2016! Ernst wird es erst wieder am 1. Januar, 0 Uhr…