Claudia sucht die Balance

Wenn sich zwei im Urlaub kennenlernen und ineinander verlieben, lässt sich nicht sagen, ob das Ganze auch hinterher, zurück im (womöglich grauen) Alltag, weiterhin Bestand haben wird. Egal, wie groß die Hoffnungen unter Palmen bei Sommer, Sonne und Sangría gewesen sein mögen.

Außerdem nimmt ein Mann eine Frau (bzw. umgekehrt) als aufregender/anziehender wahr, wenn er sie in einer aufregenden Situation kennenlernt. Zum Beispiel beim Bungee-Jumping oder so: Das Herz pocht, man hat ein Kribbeln im Bauch, ist aufgeregt. Also genau dieselben Anzeichen wie beim Verliebtsein. Unbewusst deutet man die Symptome fehl, wenn man in diesem Zustand jemanden kennenlernt. Und solche außergewöhnlichen Situationen können im Urlaub ja eher mal vorkommen als im Alltag.

 

Auf der anderen Seite: Ist ein Paar schon lange zusammen und verreist dann gemeinsam in den Urlaub, sind womöglich die Erwartungen – „Endlich haben wir mal Zeit füreinander, ohne Job und Alltagshektik“ – besonders groß. Und das kann (kann – muss natürlich nicht ;)) dann auch schiefgehen, weil man plötzlich die ganze Zeit aufeinander hockt und gar nicht so richtig weiß, was man mit der vielen Zeit mit dem Partner anstellen oder sich erzählen soll. Oder aufgeschobene Streitigkeiten kommen plötzlich hoch. Und früher oder später muss man sich vielleicht gar der Frage stellen, ob das alles noch das Richtige ist.

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So gesehen, finde ich, hatte ich die perfekte Urlaubskonstellation! (Jaaa, okay, was sollte ich als Frischverliebte jetzt auch anderes behaupten ;D) Mirko und ich „kannten“ uns vorm Urlaub einerseits schon. Durchs Immer-wieder-mal-sehen bei unseren gemeinsamen Freunden und v.a. durch die Hochzeitsplanungen zuletzt. Andererseits sind wir jetzt erst dabei, uns wirklich kennenzulernen. Daher hatte ich zugegeben auch zu einem Mini-Bruchteil Sorge, dass wir uns bei sieben Tagen am Stück miteinander womöglich am Ende doch nicht so toll finden, wie wir dachten. Aber tatsächlich haben wir uns die meiste Zeit genauso prächtig verstanden wie bei den Hochzeitsvorbereitungen, genauso viel gelacht. Lachen tut gut. Schokolade fürs Gemüt.

Wie erhält man sich so eine unbeschwerte Verliebtheit möglichst lange, am besten für immer, in einer Beziehung?

Wie lässt sich die Balance halten aus wachsender Liebe/den anderen immer besser kennen einerseits und eben dieser romantischen Liebe andererseits? Ich hoffe, Mirko und ich finden immer wieder kleine Auszeiten vom Alltag, können uns gegenseitig mit kleinen Aufmerksamkeiten erheitern.

Als ich übrigens Natti vom Urlaub erzählt hab‘, hat sie sich zwar gefreut; allerdings recht verhalten. Ihr „alter Mann“ – der Familienvater, in den sie nun schon eine Weile verliebt ist und umgekehrt – war nämlich auch im Urlaub. Mit seiner Familie, drei Wochen lang. Er wollte wohl ’ne Kehrtwende versuchen, seine Gefühle zu Natti „abstellen“ und die für seine Frau wieder ankurbeln. Oh Mann. Anderthalb Wochen hat er danach durchgehalten, ehe er sich doch wieder bei Natti gemeldet hat; er würde sie vermissen… Da hat sich zu Nattis Gekränktsein eine mächtige Portion Wut gesellt. Sie ist am Telefon ausgeflippt und hat ihn danach auf Ignore gesetzt.

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Und jetzt, so kommt es mir zumindest vor, versuchen auch Natti und ich irgendwie das Gleichgewicht zu halten. Die eine zu Tode betrübt und wütend, die andere verliebt und glücklich.

Also, Bonny: Verbrenn DU dir jetzt nicht auch noch die Finger, bzw. das Herz, an deinem mysteriösen „Mr. Big“! (Und fühl dich für deine Formulierung „er ist für mich aber drei Nummern zu ,groß’“ böse angeguckt! Also wirklich.)

 

(Bilder: imago)