Bonnys Liebeserklärung

Ob gerade auf rosa Wolken hüpfend oder mich im tiefsten Trennungsschmerz suhlend: Der Valentinstag ist ein Tag, der bisher in jedem Gefühlszustand komplett an mir vorbeigegangen ist. Er lässt mein unromantisches Herz völlig kalt. Nun werde ich auch in diesem Jahr kein Drei-Gänge-Kerzenschein-Dinner veranstalten oder einer Spur aus parfürmierten Rosenblättern bis ins Himmelbett folgen. So ist es, macht nichts, es gibt wichtigere Dinge.

Zum Beispiel supergute Freundinnen.

Meinen Valentinsblog – Sorry, liebe Liebenden – widme ich den Tussis meines Herzens. Oder schöner gesagt: den starken Frauen meines Lebens.

Von denen sollte jede Frau ein ganzes Heer haben. Warum?

Klar, zum Klönen, Streiten und Leben genießen. Aber nicht nur. Sie sind es, die da sind, wenn das Himmelreich zusammenbricht. Dann übernehmen sie das Zepter. Und zwar von selbst. Wenn man als Trauerkloß in der Ecke pappt, sorgen sie wie eine Heinzelmännchen-Armee dafür, dass sich die Welt um einen herum weiterdreht.

Da ist die beste Freundin, die einem in regelmäßigen Abständen, wohlportioniert, Schnaps einflößt. Wie bittere Medizin, an der kein Weg vorbeiführt. Sie achtet darauf, dass das Glas nie leer ist und man den Kummer Schluck für Schluck ertränkt. Sie hakt einen unter, wenn man Schlagseite bekommt.

Da ist die Omi, die einen an ihren Superbusen drückt und singt: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.“ Der Superbusen hilft. Und das Strahlen dieser lebens- und liebeserfahrenen Frau auch. Dass die Oma mit ihrer Schlager-Weisheit zudem noch Recht hat, merkt man wenige Monate später.

Da ist die Freundin, die weit weg wohnt, die man aber besucht, weil einem am Wochenende die Decke auf den Kopf fällt. Sie bettet einen zwar nicht auf Rosen, aber im frisch gemachten Gästebett. Puschen, Frühstück und Geschichten, die garantiert viel schlimmer als meine sind, gibt’s dazu.

Da ist der Racheengel, der bei richtig fiesen Erfahrungen eingreift. Wenn man selbst vor Enttäuschung gelähmt ist, findet er (meistens sie) die gezielten, beleidigenden Worte. Wenn man selbst keine Kraft hat, wütend zu sein, tobt der Racheengel voller Hass und Empathie im Namen des Jammerlappens.

Da ist die Trösterin, die das Rache-Geschehen überwacht und mit ernstem Blick versichert: „Es war sehr vernünftig, was der Racheengel da getan hat.“ Nicht beruhigend, aber beeindruckend. „Und bald sitzen wir wieder gemütlich zusammen und reden stundenlang, immer wieder, über das Gleiche.“

Da ist die Mama, die einen wieder auf die Beine bringt – hart, aber herzlich: „Du lässt dich jetzt nicht hängen. Du gehst trotzdem feiern und putzt dich raus! Jawohl!“ Frei nach dem Motto: Auch andere Mütter haben schöne Söhne. Oder so. Krone aufsetzen und weitergehen. Möglichst in Pumps.

Da sind die Freundinnen, die ich noch nicht solange kenne, weil ich ja umgezogen bin. Die aber voller Inbrunst erklären: „Unseretwegen kannst du dich ruhig neu verlieben. Und wenn du wochenlang mit rosaroter Brille durch die Gegend läufst und nur von IHM redest – wir halten das aus!“ Es geht bergauf. Steilst.

Ein paar Wochen übernimmt das Heer der starken Frauen die Macht. Bis man wieder man selbst ist. Oder das Zepter für eine Andere ergreifen muss.

Was würde ich ohne die Tussis meines Herzens bloß machen? Ohne euch wäre ich in manchen Momenten nichts als ein grauer, borstiger Jammerlappen, den niemand aufhebt, um ihn zum Trocknen an die Leine zu hängen. Zum Valentinstag kann ich darum nur sagen: Jede Einzelne von euch liebe ich mehr als zehn (zauberhafte) Männer.

Ganz einfach, Mädels, weil wir auch in den schlimmsten Zeiten zusammen im Kerzenschein sitzen und unter größtmöglichem Amusement warten, bis es wieder rote Rosen vom Himmel regnet.

Bilder: Imago