Bonnys Beuteschema-Beichte

„Hat die einen Neuen oder ist das der vom letzten Mal?“, fragte meine Freundin Susanne letztens, als Ferdi und ich eine Halloween-Party schmissen. Das war keine echte Frage, sondern eine Feststellung. Trotz seines Graf-Dracula-Kostüms hatte ich es sofort bemerkt: Jenny hatte einen neuen Kerl im Schlepptau – wie übrigens alle paar Monate, wir waren das schon gewohnt.

Genauso hatten wir Freundinnen uns dran gewöhnt, dass wir uns eigentlich an nichts Neues gewöhnen mussten. Denn Jenny stellte uns immer wieder den gleichen Typ vor: kurze, schwarze Haare, blaue Augen, groß, sportlich gekleidet, nicht besonders lustig, aber redegewandt, meistens (Sport-)Lehrer oder Uni-Dozent.

Ich könnte hier jetzt noch weiter beschreiben, wie Jennys Männer aussehen, was sie tun, wie sie so sind. Aber kurz gesagt: Als Freundinnen müssen wir uns nie groß umstellen. Die Kerle haben sogar oft gleiche Hobbys, verblüffend ähnliche Familiengeschichten und geben sich allesamt als Männer von Welt, wenn auch ein bisschen großspurig und eitel. Eigentlich müssen wir uns nur jeweils einen neuen Namen merken.

Mit unseren Gesprächsthemen können wir aber dort anknüpfen, wo wir vor ein paar Wochen aufgehört haben. Ja, die Jenny hat ein sehr ausgefeiltes, leicht durchschaubares Beuteschema – liebevoll gesagt: Sie weiß ganz genau, was sie will, und das sucht sie sich offenbar gezielt.

Die Liebe hält zwar nicht immer lange, aber die Wochen des Zusammenseins sind – wenn ich ihren Erzählungen glauben darf – voller Glückseligkeit. Es sei ihr gegönnt, und vielleicht bleibt ja auch mal einer „bis in alle Ewigkeit“.

Beuteschema oder kein Beuteschema: Es gibt Menschen, die sich immer wieder in den gleichen Typen verlieben. Und es gibt diejenigen, die sich an den verschiedenen Charakteren in ihrem Leben erfreuen. Warum ist das so? Vielleicht haben einige Menschen ein genaues Bild von ihrem Traumpartner im Kopf, während andere noch mehr auf der Suche sind – nach demjenigen, der wirklich am besten zu ihnen passt. Frauen wie Jenny suchen eher das Vertraute in einem Partner, die guten Seiten, die sie schon einmal ähnlich kennengelernt haben. Im Extremfall wollen sie per Beuteschema die erste große Liebe zurück, die leider für immer verloren ist. Andere suchen viel mehr das Neue, das Gegensätzliche – das, was sie noch nicht enttäuscht hat. Dem geben sie lieber eine Chance als dem Bekannten.

Ich habe mich immer für eine der Letzteren gehalten. Schließlich habe ich mich schon mal in einen blonden Surfertyp verliebt, genauso aber in einen dunkelhaarigen Weinliebhaber. Ich dachte immer, ich wäre da nicht so festgefahren, eher offen, flexibel, eine Abenteuerin, die jeweils an dem „neuen“ Menschen interessiert ist. Wenn ich es mir genau überlege, habe ich mir da aber schon etwas vorgemacht – gibt es doch einige frappierende Ähnlichkeiten „meiner“ Kerle.

Ich habe oft Männer kennengelernt, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens waren. Die lieber Frührentner als Großunternehmer werden wollten. Die überlegten, auf eine ferne Insel auszuwandern und sich als Fischer oder Tauchlehrer selbstständig zu machen (haben sie bis heute nicht getan). Die treu waren, aber die Freiheit liebten. Die träumten und fantasierten und philosophierten. Für die habe ich ein absolutes Händchen.

Apropos Händchen. Was am allererstaunlichsten, geradezu famos-kurios und fast ein bisschen unheimlich ist: Noch nie war ich mit einem Rechtshänder zusammen. Egal wie ich jemanden kennenlernte: Ich fand mich – oops, i did it again – in den Armen eines Linkshänders wieder. Dafür gibt es absolut keine logische Erklärung. Es ist nicht mehr als eine verwunderliche Anekdote aus meinem Leben, die aber mal wieder beweist: Das Unterbewusstsein schlägt einem gerne mal ein Schnippchen, so sehr man auch meint, sich selbst zu kennen!

 

Bilder: Imago