Plötzlich ausgegrenzt

„Ich versteh‘ das nicht, das macht doch gar keinen Sinn!“

Langsam steigt in Maja die Wut auf. Das kenn‘ ich schon seit Schulzeiten von ihr: In Enttäuschungen mischen sich bei ihr alsbald auch Wut und Stolz – zum Glück, wie ich auch jetzt erleichtert feststelle. Enttäuscht oder traurig zu sein zieht schließlich runter, Wut dagegen kann sie im Zumba-Kurs oder bei Schimpftiraden im privaten Umfeld rauslassen.

 

Um es mal knapp zusammenzufassen: Vor drei Wochen war die Entscheidung gefallen, dass Maja in ihrer Firma befördert wird. Sie verlässt zum 1.6. ihre jetzige Abteilung und wird Leiterin einer anderen Abteilung. Zwischen den sechs Kollegen ihrer alten Abteilung hat sich während der vergangenen zwei Jahre ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Und nun hat Maja zufällig erfahren, dass sich vor zwei Tagen alle beim Italiener getroffen haben – alle außer Maja, denn der hat keiner was davon gesagt. Das hat sie getroffen.

„Weißt du, tagsüber saßen wir alle noch zusammen im Büro, haben gequatscht und Kaffee getrunken – wie immer! Und keiner verliert ein Wort darüber, dass abends…!“ Maja bricht ab und schüttelt den Kopf. „Ich hab’ sogar spontan für eine – vermutlich übermüdete – Kollegin einen frühen Termin am nächsten Morgen übernommen, als sie mich darum gebeten hat.“ Ich runzle die Stirn. Klingt wirklich alles sehr merkwürdig und nicht nachvollziehbar. „Wieso schließen sie mich plötzlich aus? Aus Neid, weil ich befördert werde?! Das hat doch überhaupt keine Auswirkungen auf sie, und von ihnen erfüllt auch niemand sonst die erforderlichen Voraussetzungen für die andere Abteilung!“

„Vielleicht wollten sie ja irgendwas besprechen, was dich nicht mehr betrifft oder was du in deiner künftigen Position nicht unbedingt wissen sollst?“, überlege ich.

„Aber das hätten sie mir doch vorher sagen können!“, entgegnet Maja, „vielleicht hätte ich das sogar verstanden… Ich dachte, wir sind alle so dicke miteinander.“

„Henning meint, ich soll es so hinnehmen“, fährt sie nach einer Denkpause fort, „Kollegen seien halt Kollegen und keine Freunde. Im Zweifelsfall könne man sich nicht auf sie verlassen. Spätestens bei Konkurrenzfragen ginge das Hauen und Stechen los.“ Hm. Diese männliche Antwort ist nicht unbedingt ein Trost. Kein Wunder, dass Frauen seltener als Männer Führungskräfte werden, wenn uns so ein zwischenmenschlicher Mist in solch eine Grübelei stürzt, denke ich. Als ich Mirko das Ganze später schildere, sieht er das ähnlich wie Henning. „Wenn die anderen einfach dicker befreundet sind, dann ist das halt so. Kann sie das nicht einfach so hinnehmen?“

Oh Mann. Männer sind manchmal so… so undramatisch, oder?!

 

(Bilder: imago)

  • Printus

    Entweder ….Oder
    Erst einmal Glückwunsch zu der Beförderung. Und nur nicht so viel rein interpretieren.

    Ein Büro gleicht einem Hühnerstall und Neid steht ganz oben auf der Liste. Ich wäre auch stock sauer…
    Mein Tip:
    Entweder planen deine Kolleginnen eine Überraschung für dicu oder sie sind missgünstig und entpuppen sich als Neider.
    Immer locker bleiben.

    • Claudia

      Hmmm – Überraschung wäre schön ;). Aber ich glaub‘, sowas gibt’s nur im Film.