Aufschrei statt eine Armlänge Abstand

Friedlich und fröhlich sind wir ins neue Jahr gerutscht. Auf der Silvesterparty im Staatstheater haben wir getanzt, gelacht und ein bisschen geflirtet – ohne nur einen Gedanken an unsere Sicherheit verschwenden zu müssen. Das ging leider nicht allen so. Klar, wir sprechen über die sexuellen Übergriffe in Köln.

Dass uns Frauen solche Vorfälle wütend machen, müssen wir hier nicht erwähnen. Wütend machen uns aber auch Teile der Diskussion darüber. Egal, ob sexuelle Übergriffe in so großen Ausmaßen oder, wie tagtäglich der Fall, im Kleinen passieren. Bezeichnend ist, dass jetzt wieder das angeblich distanzlose und daher aufreizende Verhalten der Frauen selbst in den Fokus rückt. Was das Motiv der Kölner Täter war, ist noch unklar. Aber mit aufreizender Kleidung hatten die Übergriffe – draußen, im Winter – rein gar nichts zu tun. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker riet uns Frauen dennoch zu einer Armlänge Abstand zu Fremden – und das als Frau! Wir sagen: Ein Aufschrei bringt mehr.

Sicher meint es Frau Reker gut mit uns. Und sicher ist bei aller Feierei, ob Silvester oder Karneval, etwas Vorsicht angebracht. Aber mal ehrlich, Mädels: Die Zeiten sind vorbei, in denen wir aus Rücksicht auf unsouveräne Männer unseren Humor, unsere Spontaneität, unser Partyleben – unsere Freiheit – einschränken. Wir lassen uns nicht einschüchtern, nur weil ein kleiner Teil der Männerwelt – ja, vielleicht auch aus kulturellen Gründen – nicht mit unserer Offenheit umgehen kann.

Eine Armlänge Abstand bringt im Ernstfall gar nichts – da hilft nur ein Elektroschocker. Das haben wir beide schon erlebt, wie viele von euch wahrscheinlich auch. Folgende Situation: Frau steht im Zug, in der Nähe – mindestens zwei Armlängen entfernt – eine biertrinkende Fußballmannschaft auf Jahresausflug. Es ist Sommer. Ein Mann fühlt sich vom sportlichen, ansonsten ziemlich durchschnittlichen T-Shirt der Frau provoziert. Ehe man sich’s versieht, ist’s passiert: Der Mann grapscht derbe zu. Die Frau ist sprachlos. Die Kumpel des Grapschers entschuldigen sich für die Peinlichkeit mit einem genuschelten: „Tschuldigung, wir sind halt nur einmal im Jahr auf Betriebsausflug“. Alle anderen im Abteil schweigen. Betreten. Die Frau fühlt sich den ganzen Tag, gelinde gesagt, sch…lecht. Benutzt.

Genau das ist falsch. Das Fehlverhalten eines Grapschers sollte nicht auf das Opfer zurückfallen. Das T-Shirt ist nicht schuld. Lasst das nicht zu. Findet eure Sprache lieber auf der Stelle wieder, auch wenn’s schwer fällt, und beschimpft den Täter, egal mit welchen Worten, was euch in den Sinn kommt, Hauptsache laut und beschämend. Zögert auch nicht, entgegen eurer gewohnten Friedfertigkeit mal auszuteilen (Ohrfeige). So dass er als kleines Würstchen nach Hause geht. Und ihr als die tolle Frau, die ihr sowieso seid. Und zeigt den Typen bitte an, selbst wenn ihr einen Zug dafür stoppen müsst. Das ist es wert. Mies fühlen muss sich der andere.

Wir weisen Rekers Kümmerkarte also entschieden zurück. Hier geht es ausschließlich um das kriminelle Verhalten einiger Männer. Das allein steht aktuell im Fokus. Und es ist Sache der Polizei. Die muss schnell und entschieden eingreifen und nicht untätig danebenstehen oder wegsehen wie jetzt in Köln. Dass die Polizei zunächst eine entspannte Silvesternacht vermeldete und sich erst später zu den Übergriffen äußerte, gleicht dem peinlichen, feigen Verhalten der oben beschriebenen Fußball-Kumpel. Von der Polizei ist das erst recht nicht hinnehmbar und skandalös, lässt es doch die Opfer in ihrer Schutzlosigkeit allein.

Ihr werdet angegriffen oder sexuell belästigt? Petra Klein, Außenstellenleiterin beim Weißen Ring Oldenburg und Mitglied im Bundesvorstand, weiß, wie man am besten reagiert:

  1. Laut brüllen. Wer sofort „Stop“ oder „Halt“ ruft, überrascht den Angreifer vielleicht, unterbricht ihn und gewinnt Zeit, um sich zu wehren oder wegzulaufen. Auch mögliche Helfer macht man durch lautes Schreien auf sich aufmerksam.
  2. Andere immer direkt ansprechen („Du mit der roten Brille, hilf mir!“). Sie auffordern, zu helfen, Hilfe zu holen und die Polizei zu rufen. Auch Beistehende, die zum Helfen auffordern wollen, sollten andere direkt ansprechen.
  3. Sich wehren: schlagen, boxen, Knie hochziehen, in die Genitalien zielen.
  4. Ganz wichtig: Die Polizei sofort verständigen, nicht erst einen Tag später. Dann sind die Chancen höher, dass der Täter gefasst wird.
  5. Versuchen, sich markante Merkmale des Täters zu merken. Alles andere ist aber erst einmal wichtiger.

Präventiv kann man, so Petra Klein, eine Trillerpfeife zu großen Veranstaltungen mitnehmen. So kann man, wenn etwas passiert, am leichtesten auf sich aufmerksam machen.

Wenn es zu schweren sexuellen Übergriffen kommt, sollte man unbedingt eine gerichtsmedizinische Einrichtung oder ein Krankenhaus aufsuchen. Ein normaler Arzt kann zwar helfen, ein Gerichtsmediziner aber darüber hinaus die Beweise sichern. „An erster Stelle steht aber die Gesundheit und an zweiter die Verfolgung des Täters“, sagt Petra Klein. Wer Opfer einer Gewalttat wird, könne sich auch beim Weißen Ring melden. Der hilft dann sofort weiter und begleitet alle weiteren Schritte.

Opfer-Telefon des Weißen Rings: 116 006 (kostenlos)

 

Beitragsbild: dpa

  • silvia baumann

    Ich werde nur noch mit Pfefferspray oder andere Hilfsmittel reagieren die Armlänge interessiert Mann nicht..wir müssen wohl manchen wo es lang geht..

  • Heike

    Erst regt ihr euch über die Diskussion auf, die das Verhalten der Frauen in den Vordergrund stellt und dann gebt ihr ellenlang Tips wie Frau sich verhalten soll…. (…) 🙁
    Dazu noch der unpassende Vergleich mit der Fußballmannschaft – Verharmlosung pur, dessen was passiert ist. Und zwar nicht nur in Köln!
    Naja, auch vor 70 Jahren haben manche erst was gemerkt als ihnen bei den Bombenangriffen die Zimmerdecke entgegenkam.

  • Norbert Brauner

    Nein, so nicht! Ich will frei sein, keine Angst haben müssen und mit anständigen freundlichen Menschen zusammenleben. Ich will keine Brutales in Tat und Wort, Deutsch oder sonst was!

  • „Eine Armlänge Abstand …“ – nette Theorie! Versuch das mal in so einem Gedränge, wenn du dazu noch aggressiv bedrängt wirst! Da braucht man gar nicht in der Silvesternacht in Köln zu sein, der Stadtfest-Sonnabend in Oldenburg reicht auch schon! Ich weiß schon, warum ich nicht mehr zum Stadtfest, Kramermarkt oder verkaufoffenen Sonntagen gehe!
    Guter Tipp von Dora Kristina. Oder am besten gleich die Burka für alle Frauen – damit die armen schwachen Männer bloß nicht in Versuchung geführt werden …

  • Friedrich Wilhelm Hanje

    (…) Heute kann man sich ja nicht mal mehr als erwachsener Mann, der sich sehr gut verteidigen kann, alleine in Teilen der BRD-Ortschaften aufhalten, ohne Angst haben zu müssen, das er ausgeraubt wird.
    Wo leben wir jetzt eigentlich???
    WER SICH NICHT WEHRT, DER LEBT VERKEHRT !!! Laßt Euch in militärischen Nahkampftechniken ausbilden.

    • Friedrich Wilhelm Hanje

      Mein Text wurde ohne Rücksprache mit mir und ohne meine Einwilligung sinnentstellend gekürzt. Das ist ein Zeichen von einer Bevormundung der doch wohl zu Recht als Lügenpresse bezeichneten Medien. Mein von mir nicht autorisierter Vormund der Presse soll sich in Grund und Boden schämen, einem fast 70-jährigen Unternehmer zu verbieten die Wahrheit zu veröffentlichen.

      • Bonny

        Sehr geehrter Herr Hanje,

        wie bei Leserbriefen in der Zeitung und anderen Kommentaren auf unserer Homepage behalten wir uns auch in unserem Frauenblog „Bonny & Claudia“ Kürzungen mit dem Vermerk (…) vor. Wir haben die Verantwortung für publizierte Inhalte – und machen deshalb in Einzelfällen von unserem Hausrecht Gebrauch.

        Viele Grüße aus der Onlineredaktion

  • Es stimmt schon, dass wir leider in einer Gesellschaft leben, in der es für Frauen wichtig ist, drauf zu achten, wo man sich (vor allen Dingen nachts) in der Bahn hinsetzt, manchmal lieber die Straßenseite zu wechseln, sein Handy auf dem Nachhauseweg griffbereit zu haben etc. Das war allerdings schon so, seit ich denken kann. Ob es in letzter Zeit schlimmer geworden ist, kann ich nicht beurteilen. Mir ist schon lange nichts mehr passiert, was ich als übergriffig bezeichnen würde, das kann aber auch daran liegen, dass ich 1. aufgrund zurückliegender Erfahrungen noch vorsichtiger geworden bin und 2. seit ich Kampfsport mache vielleicht auch einfach mehr Selbstbewusstsein ausstrahle und ein Täter sich lieber jemand anders sucht.
    Allen Frauen kann ich nur empfehlen, Krav Maga zu trainieren. Hier lernt man wirklich, sich zu verteidigen.
    Das Frau Reker in ihrer Position als Politikerin mit Tipps wie eine Armlänge Abstand um die Ecke kommt, setzt leider ein total falsches Signal. Aus der Politik sollte kommen (kam ja teilweise auch): Wir werden alles daran setzen, die Täter zu finden und zur Rechenschaft zuziehen, die Fälle aufzuklären und zukünftig dafür zu sorgen, dass Frauen sich sicherer fühlen können. (Z.B. indem man mal aufhört, die Gelder der Polizei zu kürzen, um ihr dann die Schuld in die Schuhe zu schieben.)

  • Matthias Reichelt

    Ich habe grade nachgemessen: Bei einer Körpergrösse von 190cm habe ich eine Armreichweite(nach beiden Seiten) von 210cm. Heißt das nun, das ich alle Mädels die sich auf diesen ca. 3,5 Quadratmeter um mich herum befinden betatschen darf? Oder gilt das nur für Köln? Na dann wird der Karneval ja mal lustig werden……

  • Das Verhalten der Polizeioberen und der Kölner Oberbürgermeisterin zeigt meiner Meinung nach, dass der Kölner Klüngel noch existent ist und ursächlich verantwortlich für die Eskalation am Kölner Hauptbahnhof ist. Allerdings ist auch die Willkommenskultur der Frau Merkel, die eine solche Situation erst ermöglicht hat, die Hauptursache der Verbrechen in Köln und anderen Städten. Da hilft nun auch nicht die 90 ° – Wende der Kanzlerin zu schnellerer Abschiebung. Für den kommenden Straßenkarneval kann ich den Mädchen und Frauen nur raten sich an je 4 männliche, deutsche und bekannte Männer innerhalb des Armlängenabstands zu Fremden anzukuscheln.

    • Werner Lorenzen-Pranger

      Ach, Herr Sobierei, lesen sie doch mal, was andere über ihrem Kommentar bereits geschrieben haben. Es geht eben nicht um „Ausländer“, es geht generell um primitive Männer. Meine Tocher (21) berichtet mir nach nächtlichen Gaststätten- bzw. Disco-Besuchen immer wieder von erheblichen Übergriffigkeiten. So lange es sich dabei um deutsche Täter handelte, hat das, selbst bei gefährlicher Körperverletzungen durch K.O.-Tropfen (eine Disco im Ammerland ist da trauriger „Marktführer“), nicht einmal die Polizei groß interessiert. Auch Diebstähle wurden kaum verfolgt, ja letztlich sogar durch Polizisten begünstigt, in dem sie, obwohl direkt daneben stehend, nicht sofort einschritten.
      Hier wird unter der Verhöhnung der Frauen, die bisher Opfer deutscher Täter wurden, eben auch ein rassistisches Weltbild aufgebaut – ganz einfach, in dem man die Dinge darstellt, wie man sie gerade braucht – nicht, wie sie tatsächlich seit Jahren sind.

      • Herr Lorenzen-Pranger, ignorieren sie die mitlerweile feststehenden Tatsachen im Falle Silvester in Köln? Klar gibt es in der Bundesdeutschen Bevölkerung auch schräge Vögel und Kriminelle. Vor 20 Jahren sind wir damit noch relativ klar mit gekommen. Dann wurde unter der Sonnenblümchenbeteiligung die innere Sicherheit dem Multikultiwahn geopfert, was auch sich in der Kriminalitätsrate sich niederschlug. Nach Schengen begann das Fiasko der unkontrolierten Einreise und der Schutz der Außengrenzen war eine Lachnummer. Wir AfD Politiker haben ab 2013 vor dieser Gefahr gewarnt und wurden dafür als Rechtspopulisten und Nazis beschimpft. Nach der Silvesternacht in Köln und weiteren Großstädten beginnen die etablierten Parteien (außer Grüne,Linke und SPD – Teile[Jusos]) über die Eindämmung der zusätzlich ins Land geholten Gefahr für die innere Sicherheit nachzudenken und sich scheibchenweise zu äußern, was bisher undenkbar war. Sogar das Schengener Abkommen wurde nunmehr par ordre du Mufti teilweise ausser Kraft gesetzt. Aktuell wieder ein Selbstmordattentat, in Istanbul. Langsam wird es mal Zeit sich bei der deutschen Bevölkerung für anhaltende Dummheit der verantwortlichen Politiker zu entschuldigen. Ganz zu schweigen vom Verfassungsbruch des Art. 1 Absatz 1 GG:
        Die Würde des Menschen ist unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
        Für diesen Grundgesetzbruch gehören alle Politiker die dazu beigetragen haben vor den internationalen Gerichtshof gestellt. Oder wollen sie unseren Frauen und Männern die menschliche Würde absprechen?

        • PS. Herr Lorenzen-Pranger, sorry aber ich sehe nur Ihre Antwort auf mein ersten Kommentar.

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  • Jessica

    Ich kann es nicht ausgehen, wie braun diese Diskussion wird, was für ein Nazigelaber da hochkommt. Ich kotze. Fazit: egal, wer ( Mann, Frau, Kind ) Opfer wird: wehrt euch egal gegen welchen Täter! So einfach ist das. Trptzdem macht es mit krank, überall um mich herum so einen braunen Scheiss mitanhören zu müssen. Mensch ist Mensch. Opfer müssen gehört werden und sich wehren können.