Plötzlich alleinerziehend

Hey! Wie war die erste Woche im neuen Zuhause?

Eine WhatsApp an meine Bekannte Tanja. Sie ist eine langjährige Freundin von Maja, ich hab sie vor knapp zwei Jahren, im Juni 2016, bei Majas Junggesellinnenabschied etwas besser kennengelernt.

Schon damals, beim JGA, ließ sie mit steigendem Alkoholpegel immer unverblümter durchsickern, wie unglücklich sie in ihrer Beziehung ist. Ich glaube, sie und ihr Partner waren damals schon rund zehn Jahre zusammen. Allerdings mehr aus gewohnter Bequemlichkeit als aus Liebe. Ihr gemeinsamer Sohn Lukas ist inzwischen fünf Jahre alt.

Vor ein paar Monaten hat Tanja dann eine Rund-SMS geschickt, in der sie durch die Blume sagte, dass es aus und vorbei ist. Zwischen den Zeilen: Erschöpfung, Schmerz – aber auch Hoffnung. Ende März hat sie nun endlich eine Wohnung gefunden für sich und Lukas. Wie sie und der Kindsvater sich das Sorgerecht aufteilen werden, weiß ich noch nicht.

Trennung vom Partner? Ja, aber …

Als wir uns irgendwann nach dem JGA mal unterhielten, hatte sie gesagt: Was sie vor einer Trennung und einem Auszug aus dem gemeinsamen Haus zurückschrecken lasse, wäre, dass sie Lukas quasi den Vater und die Großeltern (also ihre Schwiegereltern) wegnehmen würde. Letztere wohnen nämlich nur drei Häuser weiter, in derselben Straße. Sie haben Lukas immer wieder mal vom Kindergarten abgeholt, ihn tagsüber bei sich gehabt, ihm Abendbrot gemacht.

Aber obwohl das sicherlich für Tanja auch eine Entlastung gewesen sein mag, war da der Teil in ihr, der die ständige Nähe zur Familie ihres Partners als belastend empfand. Den es gestresst hat, dass die Schwiegereltern zwangsläufig so viel von ihren Beziehungsproblemen mitbekamen; dass ihnen die Regeln, die Tanja selbst bei der Kindererziehung wichtig sind, wurscht waren; dass ihr Partner sich nie gegen das gestellt hat, was seine Eltern sagten oder für gut befanden. „Sie sind uns doch so eine große Hilfe“, hatte er immer nur lapidar gesagt, wenn sie ihn dazu aufforderte, seine eigene kleine Familie etwas klarer von ihnen abzugrenzen.

Und das hat sie jetzt getan. Hat sich selbst endgültig eingestanden, dass sie und er sich längst auseinandergelebt haben und kein Team mehr sind.

 

Echt stressig alles, antwortet sie mir nun, ich hab viel zu viel Mist über die ganzen Jahre angehortet. Zum Teil mehrfach gekauftes Zeug, über das ich im großen Zuhause den Überblick verloren hatte. Jetzt hat Tanja eine Zwei-Zimmer-Wohnung – und muss sich ergo von allerlei Kram trennen.

Ich bin mir unschlüssig, was oder wie ich antworten soll. Tanjas und meine eingeschlagenen Wege im Leben sind einfach viel zu unterschiedlich, als dass ich mir anmaßen würde, einer alleinerziehenden Mutter mit irgendwelchen Nachrichten Trost geben zu können. Also treffen wir uns kurzerhand auf einen Kaffee. Schließlich kann ich ihr immerhin ein offenes Ohr anbieten.

Trennung vom Kind? Hölle.

Ich frage: „Und wie geht’s Lukas?“

„Hm – ich hatte ja Schlimmes befürchtet. Aber bislang scheint es ihm okay zu gehen. Er hat sich an Ostern sogar schon mit einem Nachbarkind angefreundet“, erzählt Tanja. Letztlich sei es wohl für alle eine Erleichterung, nicht mehr jeden Tag der vergifteten Stimmung ausgesetzt zu sein. Solange Lukas noch nicht in der Schule ist, kann er gut immer mal ein paar Tage bei ihr, mal ein paar Tage bei seinem Papa sein. – Diese Papa-Tage sind aber die Hölle für Tanja, wie schnell deutlich wird. Bis zur Trennung von ihrem Partner war Tanja höchstens einen Tag lang von ihrem geliebten Kind getrennt. Hat ihr Leben nahezu ganz nach dem Kleinen ausgerichtet. Und jetzt muss sie sich krampfhaft darum bemühen, nicht in ein Loch zu fallen, wenn Lukas nicht da ist.

Wie geht’s jetzt weiter?

Wie genau es weitergeht, wenn der Kleine nach den Sommerferien in die Schule kommt, ist noch nicht ganz klar. Ebenso wenig sind es die finanziellen Aspekte. „Ich hab‘ momentan echt nicht Kraft, mich auch noch darum zu kümmern“, sagt Tanja. Der Groll gegen ihren Ex-Partner – und umgekehrt der Groll ihrer Schwiegereltern gegen sie – sitzen außerdem noch tief. Ich seufze. Dann lade ich sie noch auf eine heiße Waffel mit Kirschen und Sahne ein, ehe wir uns verabschieden. „Danke fürs Zuhören“, sagt Tanja und drückt mich innig.

 

(Bilder: imago)

Übrigens: Eine umfangreiche Übersicht aller Kontaktadressen und Ansprechpartner von Oldenburgs Helfern findet ihr hier.

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